Keimling neben einem Stapel Münzen © Mintr/iStock/GettyImages

Außerbörsliches Beteiligungskapital als Hebel nachhaltiger Transformation

Stand: 03.11.2026

Zwischen Regulierung und Rendite: Viele Venture Capital- und Private Equity-Gesellschaften erkennen Relevanz von Transformation - doch nur wenige setzen sie konsequent um

  • Umfrage unter 129 Beteiligungsgesellschaften mit zwei Billionen Euro verwaltetem Vermögen zeigt große Lücke zwischen Anspruch und Implementation
  • Natur bleibt blinder Fleck
  • Manager sehen regulatorische Unsicherheit als Bremse für Investments

Berlin/ Frankfurt. Die Mehrheit der Private Capital-Manager erkennt die wirtschaftliche Bedeutung der Klima- und Naturtransformation an. Doch nur wenige haben diese strategische Positionierung bereits konsequent in ihren Organisationen und Investmentprozessen verankert. Das zeigt die neue Studie „Transforming Performance“ von ResFutura und WWF Deutschland.

Demnach stufen rund 75 Prozent der befragten Gesellschaften Transformation als strategisch relevant ein, und 89 Prozent geben an, Klima- und Naturrisiken in ihre Investitionsentscheidungen einzubeziehen. Gleichzeitig verfügt nur jede fünfte Gesellschaft über ein Net-Zero-Ziel, selbst unter den Unterzeichnern der UN Principles for Responsible Investment (PRI) sind es nur 22 Prozent. Besonders groß ist die Lücke bei Natur und Biodiversität: Während rund drei Viertel der antwortenden Häuser (73 Prozent) formale Zuständigkeiten für Klimathemen geschaffen haben, ist es bei Naturthemen nur etwa jedes fünfte (21 Prozent). Und lediglich neun Prozent verknüpfen Strategie, Prozessintegration, Verantwortlichkeiten, Zielvorgaben und finanzielle Anreize durchgängig miteinander.

„Nach der Weltnaturkonferenz und kurz vor der Weltklimakonferenz richtet sich der Blick auch auf die Kapitalgeber. Beteiligungskapital kann ein Teil der Lösung sein. Dafür müssen Klima- und Naturziele raus aus den Broschüren und rein in die verbindliche Steuerung und Vergütung. Unsere Studie zeigt deutlich, dass allgemeines ESG-Interesse und Absichtserklärungen allein kein Kapital bewegen. Die Lösung liegt darin, dass Investoren ihren Managern thematisch konkrete Anforderungen stellen und prüfen, ob Verantwortung für Transformation im Investmentprozess an finanzielle Anreize gekoppelt ist. Nur dann wird aus Anspruch reales Handeln“, sagt Vanessa Bolmer, Senior Advisor Sustainable Finance beim WWF Deutschland.

In den nächsten drei Jahren plant etwa die Hälfte der antwortenden Häuser keine Anpassung ihrer Kapitalallokation in Richtung transformativer Investments. Eine Ursache liegt in der Struktur des Marktes: Solange etablierte Geschäftsmodelle Erträge abwerfen, entsteht aus der bloßen Einsicht zum notwendigen Wandel noch keine Kapitalbewegung. Demgegenüber stehen die Gesellschaften, die ihre Portfolios bereits umbauen – und das vor allem aus wirtschaftlichem Kalkül. So nennen die Befragten als wichtigste Gründe für Portfolioanpassungen Industrietrends (83 Prozent) und eine veränderte Sektorattraktivität (80 Prozent) – weit vor regulatorischem Druck (57 Prozent). Zudem berichten mehr als vier von zehn befragten Gesellschaften von positiven Wertschöpfungs- oder Renditeeffekten.

„Wer heute umschichtet, tut das, weil er wirtschaftliche Chancen in transformativen Engagements erkennt. Und die Erfahrungen im Markt sprechen dafür, Transformation gründlich zu betreiben: Wer sie konsequenter in seinen Investmentprozess integriert, berichtet deutlich häufiger von Renditevorteilen. Die entscheidende Frage ist deshalb nicht mehr das Ob, sondern das Wie”, sagt Prof. Dr. Yvonne Brückner, Geschäftsführerin bei ResFutura.

Klare Botschaften richtet die Studie auch an Politik und Regulierung: Siebzig Prozent der befragten Gesellschaften haben in der Vergangenheit bereits potenzielle Beteiligungen aus Klimagründen abgebrochen, 43 Prozent aus Naturgründen. Gründe für das Scheitern solcher Investments waren vorwiegend regulatorische Unsicherheiten, dicht gefolgt von technologischer Unsicherheit. Für Beteiligungskapital mit mehrjährigen Investitionshorizonten braucht es daher weniger immer neue formale Berichtspflichten als vielmehr verlässliche, langfristig kalkulierbare politische Leitplanken.

Um Investoren und Managern die Einordnung in der Praxis zu erleichtern, enthält der Report zudem konkrete Prüflisten für die Due Diligence sowie zur eigenen Standortbestimmung.

Hintergrund zur Studie

Für die Studie „Transforming Performance" haben ResFutura und WWF Deutschland zwischen September 2025 und März 2026 mithilfe eines strukturierten, wissenschaftsbasierten Fragebogens Gesellschaften, darunter PE Growth, PE Buyout, PE Restructuring, Venture und Mehrfachstrategie befragt. Schwerpunkte bezogen sich auf die grundsätzliche Haltung zu Klima- und Naturaspekten, deren strategische Verankerung, wie das Thema in Portfoliounternehmen platziert und vorangetrieben wird sowie vor welchen Hürden die Gesellschaften stehen. Die Angaben beruhen auf Selbstauskünften; die Stichprobe erhebt keinen Anspruch auf statistische Repräsentativität. Die Studie wurde von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) gefördert.

Kontakt

Julia Dibiasi

Pressesprecherin

Kreislaufwirtschaft und nachhaltige Finanzen / Berlin


  • Mangroven © Martina Lippuner / WWF Afrika Nachhaltiges Wirtschaften in planetaren Grenzen​

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