Seit Oktober 2020 unterstützt Evonik ein Projekt zur nachhaltigen Entwicklung in Tabin, auf der Insel Borneo. Das Projekt wurde im Rahmen des Living Landscape Programms des WWF Malaysia aufgesetzt und ist auf fünf Jahre angelegt. Ziel der Zusammenarbeit ist es, einen wesentlichen Beitrag für die Umstellung der Palmöl-Lieferkette, hin zu einer entwaldungs- und konversionsfreien Beschaffung von Evonik zu leisten.

Das Engagement in der Landschaft findet gemeinsam mit der Beiersdorf AG statt, einem wichtigen Abnehmer für Palmölderivate von Evonik. Gemeinsam mit dem WWF setzen die Unternehmen „on the ground“ richtungsweisende Maßnahmen um, mit der Aussicht auf signifikante Ausweitung.

Grundvoraussetzungen für die Kooperation

Die Verpflichtung zu einer entwaldungsfreien Lieferkette sowie ein entsprechendes Bündel an Maßnahmen zur Zielerreichung, wie bspw. der Eintritt von Evonik in die „Action for sustainable Derivatives“, war für den WWF Voraussetzung für die Kooperation mit dem Spezialchemieunternehmen. Weiterhin wird Evonik seine absoluten CO2-Emissionen bis 2025 erheblich reduzieren (Scope 1 & 2 um 50 Prozent ggü. 2008, Scope 3 um 21 Prozent ggü. 2018) und so einen ersten wichtigen Beitrag zur Erreichung des Pariser Klimaabkommens leisten. Über Maßnahmen und Fortschritt wird regelmäßig an den WWF berichtet.  

Das Pilot-Projekt in Malaysia ist ein wichtiger und passender Schritt für die Nachhaltigkeitszielsetzungen des Unternehmens. Aber damit ist es nicht getan: Der WWF erwartet nun am Beispiel des Rohstoffs Palmöl die Umsetzung einer entwaldungsfreien Lieferkette in die Praxis – und auch die Klimazielsetzung sollte aus Sicht des WWF noch ambitionierter auf 1,5°C angehoben werden.

Entwaldung stoppen und nachhaltige Palmölproduktion fördern in Sabah, Malaysia

Das Naturschutzgebiet „Tabin“ im malaysischen Bundesland Sabah auf der Insel Borneo wurde 1984 gegründet und ist Lebensraum für einige seltene Tierarten. Neben noch rund 1.200 Orang-Utans und etwa 350 Borneo Elefanten leben dort weniger als 50 Bantengs - eine wilde Rinderart - sowie der sehr seltene Sunda-Nebelparder. Die meisten großen Palmöl-Plantagen rund um Tabin sind in den 1990er Jahren entstanden. Dabei befinden sich dort nicht nur große Plantagen mit eigenen Mühlen zur Verarbeitung der frischen Palmfrüchte, sondern auch viele kleine und mittelgroße Farmen sowie zahlreiche Dörfer. Der WWF arbeitet in Sabah im Rahmen des „Sabah Landscapes Programme“, an einem Landschaftsansatz, um vor Ort die Entwaldung, die Trockenlegung von Torf sowie soziale Ausbeutung zu beseitigen. Das Projekt in Tabin wird von Beiersdorf und Evonik unterstützt und verfolgt drei parallele Ansätze:

Protect: Schutz der Wälder und Arten  

Produce: nachhaltigere Palmöl-Produktion 

Restore: Wiederherstellung von degradierten Flächen als ökologische Korridore  

Diese drei Säulen sind eingebettet in das offizielle politische Ziel der Regierung von Sabah, bis 2025 100 Prozent seiner Palmöl-Produktion RSPO zertifizieren zu lassen sowie 30 Prozent der Fläche von Sabah als geschützten Wald zu erhalten.

Schutz der Artenvielfalt vor Ort

Borneo Elefanten, Sabah, Borneo © Chris J. Ratcliffe / WWF
Borneo Elefanten, Sabah, Borneo © Chris J. Ratcliffe / WWF

Die heimischen Borneo Orang-Utans, Elefanten, Bantengs und Sunda Clouded Leoparden sind sowohl durch Lebensraumverlust als auch durch illegale Jagd bedroht.

Ein besonderer Fokus des Projektes ist es daher, weitere Entwaldung und Landnutzungsänderung durch die Ausweitung des Palmölanbaus zu verhindern. Darüber hinaus beschädigen Elefanten und andere Tiere zum Teil die in der Region wachsenden Feldfrüchte und bedrohen damit die Lebensgrundlage der Farmer. Es werden daher Schutzmaßnahmen benötigt, um Mensch-Tier-Konflikte zu reduzieren und möglichst ganz zu vermeiden. Dabei wird eng mit den Farmern sowie Plantagenbetreibern und Dorfbewohnern zusammengearbeitet. Mit Hilfe von Aufklärungskampagnen soll das Bewusstsein für ein besseres Zusammenleben gestärkt werden. 

 

Förderung nachhaltiger Palmölproduktion

Mittelgroße Farmer (>50 Hektar, ohne eigene Palmölmühle) rund um Tabin werden durch Trainings dabei unterstützt, landwirtschaftliche Praktiken zu verbessern und zu einer zertifizierten, nachhaltigeren Produktion nach RSPO-Standards gebracht. Durch ein Verbot von hochgefährlichen Pestiziden und weiteren Maßnahmen wird die Produktion verbessert und negative Einflüsse auf die Natur verringert.  

Wiederherstellung von Flächen als ökologische Korridore

Ein weiteres Ziel des Projektes ist es, Tabin mit dem im Süden liegenden Silabukan Schutzgebiet zu verbinden. Durch die Schaffung eines ökologischen Korridors sollen die Borneo-Elefanten, Bantengs sowie die dort lebende isolierte Orang-Utan Population die Möglichkeit erhalten, zwischen ansonsten isolierten Habitaten zu wandern und so den Erhalt der Population unterstützen.  Zusammen helfen die drei Säulen dabei, gesunde Flusssysteme, intakte Waldlebensräume und Wildtierpopulationen zu erhalten.             

Über die Evonik Industries AG

Evonik ist ein weltweit führendes Unternehmen der Spezialchemie. Der Konzern ist in über 100 Ländern aktiv und erwirtschaftete 2019 einen Umsatz von 13,1 Mrd. € und einen Gewinn (bereinigtes EBITDA) von 2,15 Mrd. €. Dabei geht Evonik weit über die Chemie hinaus, um den Kunden innovative, wertbringende und nachhaltige Lösungen zu schaffen. Mehr als 32.000 Mitarbeiter verbindet dabei ein gemeinsamer Antrieb: Wir wollen das Leben besser machen, Tag für Tag.

Im Mittelpunkt der Geschäfte der Division Nutrition & Care stehen Gesundheit und Lebensqualität. Hier entstehen differenzierte Lösungen für pharmazeutische Wirkstoffe, Medizinprodukte, Ernährung für Mensch und Tier, Körperpflege, Kosmetik und Haushaltsreinigung. In diesen resilienten Endmärkten erwirtschaftete die Division im Geschäftsjahr 2019 mit rund 5.300 Mitarbeitern einen Umsatz von 2,9 Mrd. €.

  • Orang Utan mit Nachwuchs © naturepl.com / Anup Shah / WWF Arten- und Klimaschutz auf Borneo und Sumatra

    Borneo ist die drittgrößte Insel der Welt, Sumatra die sechstgrößte. Dort am Äquator wachsen die letzten großen Regenwälder Südostasiens. Weiterlesen ...

  • Palmfrüchte © Jürgen Freund / WWF Informationen zum Thema Palmöl

    Etwa jedes zweite Supermarktprodukt enthält Palmöl. Es findet sich in Nutella & Co., Tütensuppen, Cremes, Waschmitteln, Lippenstift und Keksen - und natürlich im Biosprit. Weiterlesen ...

Lukas Notthoff

Leiter Marktkommunikation Care Solutions / Evonik Industries AG

Antje Rosin

Senior Campaigner / WWF Deutschland