Berlin, 01.04.2026: Wald- und Vegetationsbrände werden für Klima, Artenvielfalt, Infrastruktur und die Gesundheit von Millionen Menschen immer gefährlicher. Damit steigen die Anforderungen an Prävention, Monitoring und eine datenbasierte Brandanalyse. Die neue WWF-Publikation „Feuerkompass – Feuerdaten aus dem All“ zeigt, mit welchen modernen Datenquellen Waldbrände heute erfasst, überwacht und analysiert werden. Die Studie geht auf die zentrale Bedeutung verschiedener Satellitensysteme ein, welche Stärken sie haben und wo ihre Grenzen liegen.
„Satellitendaten sind längst zur unverzichtbaren Grundlage der globalen Waldbrandbeobachtung geworden“, sagt Helga Kuechly, Ko-Autorin der Studie und Referentin für Fernerkundung beim WWF Deutschland. „Sie zeigen uns, wo es brennt, wie groß die betroffenen Flächen sind und welche Emissionen freigesetzt werden. Außerdem helfen sie, langfristige Veränderungen im Feuerverhalten im Zuge der Klimakrise sichtbar zu machen.“
Die Publikation soll das nötige Verständnis dafür schaffen, was Sensoren aus dem All tatsächlich messen: Von der Wärmestrahlung aktiver Feuer bis hin zu den entstandenen Emissionen nach einem Brand. Der Feuerkompass gibt Experten die Kriterien an die Hand, um zwischen schnellen Frühwarnsystemen und hochpräzisen Schadensanalysen methodisch sicher zu unterscheiden. Gleichzeitig zeigt sie auf, welche nutzerfreundlichen Portale heute auch für Laien und die breite Öffentlichkeit ohne Fachkenntnisse frei zugänglich sind, um sich ein objektives Bild der Lage vor Ort zu machen.
Der WWF macht darauf aufmerksam, dass Feuerdaten kein Selbstzweck sind, sondern politische Entscheidungen unterstützen müssen. „Satelliten allein verhindern oder löschen keine Feuer“, so Kuechly. „Erst wenn ihre Daten mit Wissen vor Ort, verantwortungsvoller Wald- und Landnutzungspolitik sowie konsequentem Klimaschutz zusammenkommen, können sie helfen, Menschen besser zu schützen und Ökosysteme resilienter zu machen.“
Die Analyse zeigt auch die derzeitigen Grenzen der Technologie: Kleine oder sehr kurzlebige Brände, Feuer unter dichter Rauchdecke oder Bodenfeuer unter geschlossenen Baumkronen werden mitunter gar nicht oder nur unvollständig erfasst. Hinzu kommen Fehlalarme und Unterschiede in Statistiken durchverschiedene zugrundeliegende Walddefinitionen. So definiert etwa die UN-Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation FAO Wald anders als der hochauflösende und populäre GLAD-Datensatz der University of Maryland zu „Global forest loss due to fire“ – mit direkten Auswirkungen darauf, was überhaupt als Waldbrand in die Statistiken eingeht.
Trotz dieser technischen Grenzen bieten langfristige Satellitenreihen einzigartige Einblicke in die Entwicklung von Feuerregimen über mehrere Jahrzehnte mit global konsistenten Methoden. Exemplarisch am Evros-Feuer von 2023 in Griechenland, dem bislang größten in der EU registrierten Waldbrand, zeigt die Studie, wie verschiedene Satellitendaten zusammenwirken können. Hochauflösende Sentinel‑2‑Aufnahmen machen die verbrannten Flächen sichtbar, MODIS-Daten liefern Informationen zu aktiven Brandherden, Brandverlauf und Feuerintensität, während EFFIS auf dieser Basis die Brandschwere und damit die Schäden an der Vegetation kartiert. Solche kombinierten Auswertungen sind für Katastrophenschutz, Wiederbewaldung und die Bewertung von Emissionen gleichermaßen relevant.
Der WWF fordert, Satellitendaten konsequent in nationale und europäische Strategien zu Waldbrandvorsorge, Wiederherstellung von Waldlandschaften, Klimaanpassung und Waldschutz zu integrieren, offene Datenstandards voranzutreiben und insbesondere in Regionen mit schwacher Infrastruktur den Zugang zu Feuerinformationen zu verbessern. Nur so könne die „Sicht aus dem All“ zu einem starken Hebel für mehr Sicherheit und besseren Schutz von Wäldern und anderen Ökosystemen werden.