Berlin/Brüssel, 10.08.2026: Montagnacht endet die öffentliche Konsultation der Europäischen Kommission zur Fauna-Flora-Habitat- und Vogelschutz-Richtlinie. Auch der WWF Deutschland beteiligt sich an der Konsultation und hat Bürgerinnen und Bürger dazu aufgerufen, dies ebenfalls zu tun. Beide Richtlinien tragen maßgeblich zum Schutz von Wäldern, Feuchtgebieten, Flüssen und Lebensräumen bei. Diese bieten sauberes Wasser, gesunde Böden und Widerstandskraft gegen klimabedingte Risiken wie Waldbrände, Überschwemmungen und Dürren. In der Konsultation offenbart die EU-Kommission eine falsche Sichtweise auf die Richtlinien als Hindernisse und verkennt deren Wert für Europas Eigenschutz. Davor warnt der WWF und ruft dazu auf, die Überprüfung der EU-Naturschutzgesetze zu nutzen, um die bestehenden Gesetze vollständig durchzusetzen und zu finanzieren, statt sie zu schwächen.
„Europa braucht starken Naturschutz zum Eigenschutz. Die aktuellen verheerenden Waldbrände, austrocknende Flusssysteme und andauernder Hitzestress zeigen, dass die Stabilität unserer europäischen Wirtschaft und unserer Gesellschaften auf gesunden Wäldern, Meeren, Böden und Flüssen fußt. Sie gilt es zu schützen, nicht zu zerstören. Der Stresstest hingegen blendet die Bedeutung der Natur für den Menschen aus. Ihm geht es um Passfähigkeit für die Deregulierungsstrategie der EU-Kommission“, sagt Tobias Arbinger, Referent für Naturschutzpolitik beim WWF.
Die Überprüfung der Vogel- und Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie ist Teil eines Vorstoßes der EU-Kommission, auf breiter Front europäische Umwelt- und Naturschutzgesetze anzugreifen. Mit dem Umwelt-Omnibus will die EU-Kommission aktuell unter anderem Verwässerungen bei Planungs- und Genehmigungsverfahren durchsetzen. Die Entwaldungsverordnung wurde verwässert. Zusätzlich rüttelt sie an der Wasserrahmenrichtlinie. Dagegen protestieren europaweit bereits mehr als 600.000 Menschen. Sie haben an der noch laufenden Petition der Koalition #HandsOffNature teilgenommen und fordern die EU-Entscheidungsträger auf, die Gesetze zum Schutz von Europas Natur und Tierwelt zu verteidigen, statt auszuhöhlen.
Eine jüngere Eurobarometer-Umfrage ergab, dass fast alle Europäer:innen es für wichtig erachten, den Verlust der biologischen Vielfalt zu stoppen. 94 Prozent sagen, dass der Schutz der Natur wichtig für unseren langfristigen wirtschaftlichen Wohlstand ist.
„Der letzte offizielle Check hat beiden Richtlinien ein gutes Zeugnis ausgestellt: Sie sind wirksam, effizient und notwendig. Nicht der gesetzliche Rahmen von FFH- und Vogelschutzrichtlinie ist das Problem, sondern deren Umsetzung. Nötig sind verbindliche Ziele für jedes Natura-2000-Gebiet, passende Maßnahmen sowie ausreichend Geld und Personal“, so Tobias Arbinger, Referent für Naturschutzpolitik beim WWF.
Weitere Infos:
Die Kampagne #HandsOffNature wird koordiniert von WWF, BirdLife, Client Earth und dem European Environmental Bureau (EEB). Mehr unter: https://mitmachen.wwf.de/hands-off
Die Ergebnisse des letzten „Fitness-Checks“: https://commission.europa.eu/publications/fitness-check-eu-nature-legislation-birds-and-habitats-directives-directive-2009147ec-conservation_en
Der Eurobarometer Survey: Special Eurobarometer 571: Attitudes of Europeans towards biodiversity