Berlin, den 10.07.2026 – Mit Blick auf die angekündigte Reform des Deutschlandfunks appellieren Organisationen aus Journalismus, Wissenschaft sowie Klima- und Umweltschutz an die Programmdirektion, fachliche Tiefe, Themenvielfalt und kontinuierliche Berichterstattung auch künftig zu sichern. In einem gemeinsamen Offenen Brief wenden sich der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), der Deutsche Journalisten-Verband (DJV), die Deutsche Umwelthilfe (DUH), der Deutsche Naturschutzring (DNR), GermanZero, die Klima-Allianz, der Landesbund für Vogel- und Naturschutz in Bayern (LBV), die MaLisa Stiftung, der Naturschutzbund Deutschland (NABU) und der WWF Deutschland an Deutschlandradio-Intendant Stefan Raue und Programmdirektorin Jona Teichmann.
Im Zentrum der Kritik stehen die geplante Neuordnung des Programms und die weitgehende Zusammenführung bisheriger Magazine mit journalistischer Tiefe in allgemeine Informationsformate. Die unterzeichnenden Organisationen befürchten, dass dadurch insbesondere Themen an Sichtbarkeit verlieren, die gesellschaftlich hoch relevant sind, aber nicht dem kurzfristigen Nachrichtenrhythmus folgen.
Die Verbände schreiben in ihrem Offenen Brief: „Der öffentlich-rechtliche Rundfunk hat einen besonderen Auftrag: Er soll nicht nur Reichweite erzeugen, sondern Orientierung geben, unterschiedliche gesellschaftliche Perspektiven und Zielkonflikte sichtbar machen und den demokratischen Diskurs stärken. Wer, wenn nicht der öffentlich-rechtliche Rundfunk, sichert die Vielfalt dieser gesellschaftlichen Perspektiven, journalistische Sorgfalt und eine informierte Meinungsbildung – gerade dort, wo Themen nicht dem kurzfristigen Aufmerksamkeitswettbewerb folgen?“
Besonders mit Blick auf Formate wie „Umwelt und Verbraucher“ betonen die Unterzeichnenden die Bedeutung journalistischer Formate mit fachlicher Tiefe: Natur-, Klima- und Verbraucherthemen beschäftigten viele Menschen dauerhaft und benötigten einen festen Platz im Programm sowie ausreichend Raum, um komplexe Zusammenhänge verständlich einzuordnen.
Der Appell wird durch eine Studie der MaLisa Stiftung (2022) untermauert: Während sich 62 Prozent der Zuschauer*innen mehr Berichterstattung zum Klimawandel wünschen, entfielen im untersuchten Fernsehprogramm lediglich 1,8 Prozent der Sendeminuten auf den Klimawandel und 0,2 Prozent auf Biodiversität. Aus Sicht der Verbände unterstreicht dies die Bedeutung einer kontinuierlichen und fundierten Berichterstattung über Natur-, Klima- und Umweltthemen. Weitere Kürzungen würden dem Interesse und der gesamtgesellschaftlichen Relevanz hingegen nicht gerecht werden.
Die Verbände appellieren an die Verantwortlichen des Deutschlandradios, die Reform so auszugestalten, dass die besondere Stärke des Deutschlandfunks erhalten bleibt: fachliche Expertise, Themenvielfalt, vertiefende Recherche und Raum für Themen jenseits des unmittelbaren Nachrichtenzyklus. Dazu gehöre auch, die Expertise der Umweltjournalistinnen und -journalisten einzubeziehen und ihre Arbeit angesichts der großen gesellschaftlichen Herausforderungen langfristig abzusichern.
Zugleich bieten die unterzeichnenden Organisationen dem Deutschlandradio einen Austausch über die geplanten Veränderungen und deren Auswirkungen an. Gemeinsam möchten sie ihre Erfahrungen und Perspektiven einbringen, damit die Reform auch künftig eine fundierte Berichterstattung über Natur-, Klima- und Umweltthemen sichert – als wichtige Grundlage für den gesellschaftlichen Diskurs und eine informierte Meinungsbildung.