Krabbenkutter Möwen © JK / iStock / Getty Images

Fischereidialog: Unterwasserwelt erhält zu wenig Schutz vor Krabbenfischerei

Stand: 19.07.2026

WWF kritisiert Niedersachsens Auswahl von fischereifreien Gebieten im Wattenmeer als zu klein und rechtlich ungenügend / WWF: „Mehr als die Hälfte der befischten Nationalparkfläche muss der Natur vorbehalten sein“

Was zunächst wie eine gute Nachricht klingt, greift zu kurz:  Niedersachsen will künftig 10 Prozent des niedersächsischen Küstenmeeres als fischereifreies Gebiet ausweisen. Die konkreten Gebietsvorschläge wollen die Landesbehörden im Rahmen des Fischereidialogs am 21. Juli mit Vertreter:innen aus Krabbenfischerei, Miesmuschelfischerei und Naturschutz erörtern. Der WWF kritisiert die benannten Gebiete* als zu klein - weder werde so das Küstenmeer ausreichend geschützt noch werden die rechtlichen Anforderungen aus dem Bundesnaturschutzgesetz für den Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer erfüllt.

„Die Unterwasserwelt des Wattenmeeres muss endlich ausreichend Schutz vor Grundschleppnetzen bekommen – das leisten die vorgeschlagenen Flächen nicht. Bei Ebbe flüchten die Tiere in die stets wasserbedeckten und stark befischten Bereiche des Wattenmeeres, wo aber kaum fischereifreie Zonen eingeplant sind. Ohne den Schutz solcher Rückzugsräume kann sich die Meeresnatur nicht erholen. Die jetzt von den Behörden angekündigten Flächen können nur ein erster Schritt sein“, sagt Catherine Zucco, Meeresschutzexpertin beim WWF Deutschland, die den WWF im Fischereidialog vertritt. Auch für die Fischereibetriebe gibt es eine langfristige Perspektive nur, wenn ausreichende Ruhezonen ein funktionierendes Ökosystem mit einer gesunden Krabbenpopulation ermöglichen.

Laut WWF klafft zwischen gesetzlichen Anforderungen und den niedersächsischen Vorschlägen für fischereifreie Flächen eine große Lücke. Gemäß Bundesnaturschutzgesetz müssen Nationalparke zu mehr als 50 Prozent nutzungsfrei sein.

„In den Nationalparken des Wattenmeers muss gut die Hälfte des jetzt befischten Bereichs der Natur vorbehalten sein. Das Land Niedersachsen schlägt nur gut ein Viertel der gesetzlich notwendigen Flächen vor. Ein Teil davon wird schon jetzt nicht befischt, so dass der Fischereidruck kaum sinken würde. Wenn es heißt, „mehr sei politisch nicht umsetzbar“, bedeutet das gleichzeitig: Die erforderliche Rechtssicherheit ist politisch nicht herstellbar. Damit bleiben erhebliche Unsicherheiten für die Krabbenfischerei bestehen“, so Zucco weiter.

Zudem müsse die Vergabe öffentlicher Gelder laut WWF an Naturschutz gekoppelt werden.  Die staatlich finanzierte Stilllegung von 30 Prozent der Fischereiflotte ist nur zu rechtfertigen, wenn im Gegenzug wirksame Schutzzonen im Nationalpark entstehen. Ohne einen tatsächlichen Schutz der Flächen fehlt die fachliche und politische Rechtfertigung für diesen Einsatz von Steuergeldern. 

Angesichts der vielen Lücken muss der Fischereidialog aus Sicht der Umweltorganisation fortgesetzt werden. Um den Schutz des Wattenmeeres mit der Krabbenfischerei zu vereinbaren, ist noch viel zu tun und das Ziel ist nur gemeinsam zu erreichen. Der WWF bekräftigt seine Bereitschaft, weiterhin an einer gemeinsamen Lösung konstruktiv mitzuwirken.

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Pressesprecherin

Meeresschutz und Plastikmüll / Hamburg

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