Das Hochwasser in der Gemeinde Schuld an der Ahr © picturealliance / REUTERS / Wolfgang Rattay

Fünf Jahre nach Ahrtal-Flut: Vorsorge gegen Extremwetter ausbauen

Stand: 08.07.2026

WWF fordert Solidaritätsprinzip und Prävention bei Elementarschadenversicherungen

Fünf Jahre nach der verheerenden Flutkatastrophe im Ahrtal ist klar: Extremwetterereignisse werden infolge der Klimakrise wahrscheinlicher. Für Starkregen belegte eine Studie der Forschungsinitiative World Weather Attribution bereits 2021, dass dieser in Westeuropa aufgrund der Klimakrise häufiger und in erhöhter Intensität auftritt. Trotzdem sind in Deutschland nur etwas mehr als die Hälfte der Haushalte gegen Überschwemmungen, Starkregen oder andere Naturgefahren abgesichert. 

Daher fordert der WWF Deutschland mit Blick auf die im Koalitionsvertrag der Bundesregierung vorgesehene flächendeckende Elementarschadenversicherung: Erstens ein Solidaritätsprinzip, das dafür sorgt, Versicherungsschutz für bestehende Wohngebäude auch in besonders gefährdeten Regionen verfügbar und bezahlbar zu gestalten. Und zweitens die Einführung einer zweckgebundenen Abgabe, die gezielt in Prävention, Klimaanpassung und Naturschutz investiert wird. Denn jeder Euro, der in Prävention und die Wiederherstellung natürlicher Schutzfunktionen investiert wird, hilft dabei, zukünftige Schäden zu vermeiden. 

„Fünf Jahre nach dem Ahrtal ist die zentrale Erkenntnis klar: Extremwetterereignisse nehmen zu und die Schadenssummern steigen. Damit die Schäden nicht langfristig unversicherbar werden, ist es wichtig auf zwei Ebenen zu handeln. Das ist einerseits das Solidaritätsprinzip, um Risiken umfassend, flächendeckend und gerecht zu verteilen und Versicherungsprämien bezahlbar zu halten und andererseits eine zweckgebundene Abgabe zur Naturschutzfinanzierung. Dass Naturschutz zur Verringerung von Hochwasserrisiken beitragen kann, hat der WWF im Naturschutzgroßprojekt Mittlere Elbe belegt – unter anderem durch die Rückverlegung des Deichs im Lödderitzer Forst und die Schaffung zusätzlicher Überflutungsflächen. Nicht zuletzt braucht es den Willen der Politik, Umwelt und Klima konsequent zu schützen, zum Beispiel mit dem Ausstieg aus fossilen Energien. Genauso wie wir seitens der Versicherer mehr umweltpositive Investitionen und Versicherungslösungen brauchen“, sagt Dr. Katja Kirchstein, Sustainable Finance-Expertin beim WWF Deutschland. 

So zeigt ein neues Versicherungsrating der 40 weltweit größten Schaden- und Unfallversicherer, dass bei vielen Versicherern Ausschlusskriterien für Investitionen in die Ausweitung von fossilen Aktivitäten fehlen und Biodiversitätsrisiken zu wenig berücksichtigt werden. Während die Allianz vergleichsweise gut abschneidet, weisen Generali und Zurich insbesondere bei biodiversitätsbezogenen Investitionskriterien sowie dem Management naturbezogener Risiken deutliche Defizite auf. Entsprechend erreicht die Generali im Rating lediglich eine Bewertung, die einer Schulnote vier entspricht, während die Zurich eine fünf bekommt. 

„Versicherer, die neue Öl- und Gasprojekte weiter absichern oder finanzieren, verschärfen genau die Schäden, vor denen sie eigentlich Schutz bieten wollen. Dabei verfügt die Branche über einzigartige Daten, Risikokompetenz und finanzielle Hebel. Diese Möglichkeiten werden bislang nicht ausreichend genutzt, um Klimaschutz und –anpassung, Hochwasserschutz und naturbasierte Lösungen voranzubringen. Dabei muss die Lehre aus der Ahrtalflut sein, dass wir Versicherungsschutz und Prävention gemeinsam denken“, sagt Katja Kirchstein.

Kontakt

Julia Dibiasi

Pressesprecherin

Kreislaufwirtschaft und nachhaltige Finanzen / Berlin


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