Berlin, 28.07.2026: Frankreich, Portugal, Spanien, Italien: Europa brennt in bisher nicht gekanntem Ausmaß. Seit Jahresbeginn sind EU-weit bereits rund 386.000 Hektar verbrannt – etwa dreimal so viel wie im langjährigen Durchschnitt zu diesem Zeitpunkt. Auch die Zahl der Feuer liegt mit rund 1.300 mehr als doppelt so hoch wie üblich. Und der Höhepunkt der Waldbrandsaison steht erst noch bevor.
„Was bei Bordeaux brennt, ist kein mediterraner Trockenwald, sondern ein Forst wie es ihn auch in Deutschland vielfach gibt: eine im 19. Jahrhundert gepflanzte Kiefern-Monokultur auf Sandboden. Es ist kein Alarmismus davor zu warnen, dass solche Brände in Zeiten der Klimakrise auch in Deutschland möglich sind. Daher müssen wir jetzt aus dieser Katastrophe lernen und die Waldbrandvorsorge vorantreiben und unsere Wälder naturnah umbauen“, warnt Peer Cyriacks, Programmleiter Wald beim WWF Deutschland.
Wer die Waldbrandgefahr langfristig eindämmen will, müsse beim Klimaschutz, beim Wasserverbrauch und beim Umbau der Wälder ansetzen. Eine gezielte Landschaftsplanung und eine angepasste Waldentwicklung senken das Brandrisiko. Naturnahe Mischwälder aus Laub- und Nadelbäumen sind weitaus weniger brandgefährdet als Monokulturen aus Kiefern, Fichten oder – wie in Südeuropa häufig – Eukalyptus. Das Risiko ist kein ostdeutsches: Die Kiefer ist mit 2,4 Millionen Hektar die häufigste Baumart Deutschlands. Große Bestände stehen nicht nur in Niedersachsen und Sachsen, sondern auch im Pfälzer Wald, in der Rhein-Main-Niederung und in der Oberpfalz.
„Deutschland muss beim Waldumbau den Turbo anschmeißen. Zwar hat dieser Umbau in Richtung naturnahe Mischwälder schon an vielen Orten begonnen. Doch nicht nur die langen Zeiträume in der Waldbewirtschaftung, auch die Interessen der Forst- und Holzindustrie erschweren die Transformation“, so Cyriacks. „Daher braucht Deutschland auch endlich ein modernes Bundeswaldgesetz, das den Herausforderungen der Klimakrise und des Artensterbens gerecht wird. Das bisherige Bundeswaldgesetz aus den 1970er Jahren ist nicht mehr zeitgemäß und begünstigt die Holzproduktion einseitig.
Unsere Wälder sind weit mehr als nur Holzäcker. Ein modernes Bundeswaldgesetz muss die vielfältigen Funktionen der Wälder anerkennen und unterstützen. Dazu gehört eben auch in Zeiten der Klimakrise eine höhere Resilienz gegenüber Waldbränden.“