Berlin/Hamburg, 9.7.2026: Der Run auf die mineralischen Schätze der Tiefsee wächst. Doch Tiefseebergbau könnte neue wirtschaftliche, ökologische, soziale und politische Anfälligkeiten schaffen und so die globale Unsicherheit weiter verschärfen. Zu diesem Ergebnis kommt ein vom WWF beauftragter Report, der mit Tiefseebergbau verbundene Sicherheitsfragen untersucht. Der Report stellt die Behauptung in Frage, Tiefseebergbau könne Sicherheitsrisiken verringern, indem er den Zugang zu kritischen Mineralien erweitert. Das Gegenteil ist zu erwarten. Zudem ist ein gesunder Ozean für die Sicherheit von entscheidender Bedeutung. Der Report zeigt auf, wie ein Tiefseebergbau-Moratorium in Verbindung mit Ansätzen der Kreislaufwirtschaft langfristige Resilienz gewährleisten kann. gewährleisten kann.
„Tiefseebergbau ist kein einfacher Weg zu mehr Sicherheit, sondern eine Scheinlösung, die bestehende Risiken ausblendet und neue schafft. Die zentrale Frage ist nicht, ob Gesellschaften Zugriff auf weitere Mineralien haben. Es geht um die Frage, ob sie ihre Resilienz stärken können, ohne dabei neue ökologische, wirtschaftliche und geopolitische Anfälligkeiten zu schaffen. Kreislaufwirtschaft ist eine tragfähigere Grundlage für langfristige Sicherheit als die Erschließung neuer Rohstoffvorkommen in der Tiefsee“, sagt Martin Webeler, Experte für Tiefseebergbau beim WWF Deutschland. „Gleichzeitig ist ökologische Stabilität eine tragende Säule für die Sicherheit. Intakte Meeresökosysteme tragen zur Ernährungssicherheit, Fischerei, Klimaregulierung, wirtschaftlichen Stabilität und Sicherung der Lebensgrundlage von Millionen von Menschen bei. Das macht ein Moratorium für Tiefseebergbau auch zu einer aktiven Entscheidung für mehr Sicherheit“.
Tiefseebergbau trägt nicht dazu bei, die strukturellen Abhängigkeiten zu überwinden, die die Versorgung mit kritischen Mineralien heute prägen. Dazu zählen insbesondere Abhängigkeiten bei Verarbeitung, Raffinierung, Logistik und Technologie. Darüber hinaus: Selbst wenn Tiefseebergbau die enormen wirtschaftlichen und finanziellen Hürden überwinden und wirtschaftlich rentabel werden sollte, droht er neue Risiken mit sich zu bringen - darunter geopolitische Spannungen, eine Erosion des Vertrauens in internationale Institutionen, ökologische Schäden, wirtschaftliche Unsicherheiten und die Gefahr, sich auf eine technologische Sackgasse festzulegen.
Sicherheit wird nicht allein von Märkten und Ressourcen bestimmt. Sie hängt auch von vertrauenswürdigen Institutionen und internationaler Zusammenarbeit ab. Erfolgen regulatorische Entscheidungen trotz bestehender wissenschaftlicher Unsicherheiten und gesellschaftlicher Bedenken, könnte dies das Vertrauen in multilaterale Entscheidungsprozesse schwächen.
Zugleich würden Bestrebungen, in internationalen Gewässern ohne Zustimmung der Staatengemeinschaft und ohne Genehmigung der Internationalen Meeresbodenbehörde Mineralien abzubauen, einen gefährlichen Präzedenzfall schaffen und die Autorität des multilateralen Systems untergraben. Die Studie unterstreicht deshalb die Bedeutung eines regelbasierten internationalen Ordnungsrahmens und der Einhaltung bestehender Verpflichtungen aus dem Seerecht.
Kreislaufwirtschaft ist eine nachhaltigere Strategie für mehr Stabilität. Sie zielt darauf ab, den Materialbedarf zu senken, die Lebensdauer von Produkten zu verlängern, Recycling auszuweiten, Ressourceneffizienz zu verbessern und die Substitution von Materialien zu fördern. „All das hilft, die Rohstoffabhängigkeit an der Quelle zu reduzieren. Kreislaufwirtschaft schafft dauerhafte Resilienz, weil sie sowohl ökologische Belastungen als auch die Abhängigkeiten von konzentrierten Lieferketten verringert und damit auf einen effizienteren und langfristigeren Umgang mit vorhandenen Ressourcen setzt statt auf die Erschließung neuer Rohstoffquellen“, verdeutlicht Webeler weiter.
Ab 13. Juli beginnt die Jahrestagung der Internationalen Meeresbodenbehörde (ISA) in Jamaika. Der WWF fordert die Regierungen der ISA-Mitgliedsstaaten auf, sich für ein Moratorium oder eine vorsorgliche Pause beim Tiefseebergbau einzusetzen. Angesichts der Tatsache, dass die Wissenschaft noch viel zu wenig Kenntnis über die Tiefsee hat, im Entwurf für ein Regelwerk enorme Lücken klaffen und irreversible ökologische und sozioökonomische Schäden durch Tiefseebergbau drohen, ist ein Moratorium ein Gebot der Verantwortung und Vorsorge.