Industrielle Anchoveta-Fischerei in Peru © Adrian Portugal / WWF Peru

Immer mehr aus dem Meer

Stand: 16.06.2026

FAO stellt neuen Fischerei-Bericht vor

Der Konsum von Fisch und Meeresfrüchten ist 2024 auf ein neues Rekordhoch von 235 Millionen Tonnen gestiegen. Gleichzeitig sind fast 38 Prozent der globalen Fischbestände überfischt.  Zu diesem Ergebnis kommt der neue Fischerei- und Aquakulturbericht der Welternährungsorganisation (FAO) , der heute auf der „Our-Ocean“-Konferenz in Mombasa, Kenia vorgestellt wurde. Um die Überfischung und das Artensterben im Meer zu stoppen, fordert der WWF ein besseres Fischereimanagement, nachhaltige Fangmengen und wirksame Fischereikontrollen. 

„Es gibt immer weniger Fischbestände, die innerhalb biologisch nachhaltiger Grenzen befischt werden. Das ist erschreckend, denn Überfischung für kurzfristige Profite bedroht nicht nur die Fischbestände, sondern auch die Fischereiindustrie selbst und Milliarden Menschen, die auf Fisch als Proteinquelle angewiesen sind“, erklärt Mark Heuer, Fischereiexperte beim WWF Deutschland. 

Innerhalb sicherer ökologischer Grenzen werden laut dem aktuellen Bericht nur noch schätzungsweise 62,4 Prozent aller weltweit befischten Bestände befischt. 1974 waren es noch 90 Prozent der Fischbestände. Damit wird wildgefangener Fisch immer kostbarer. Seit 40 Jahren stagniert der weltweite Gesamtfang bei rund 90 Millionen Tonnen. Seither wird der Anstieg des Bedarfs allein über Aquakultur gedeckt. Der Druck auf die Wildbestände nimmt dadurch nicht automatisch ab, denn häufig wird wildgefangener Fisch zu Fischfutter für Aquakulturen verarbeitet. 

Nicht nur die Überfischung, auch die Klimakrise ist ein wesentlicher Grund für den Rückgang von Fischbeständen. Aktuelle Projektionen gehen davon aus, dass die Fischbiomasse infolge der Klimakrise bis zum Jahr 2100 um bis zu 40 Prozent sinken könnte.  

Die Klimakrise kann auch selbst zum Treiber für Überfischung werden. Einige Fischarten wandern klimabedingt in kühlere Gewässer ab, was zu politischen Konflikten um Fangmengen führt. Ein Beispiel dafür ist die Atlantische Makrele, einer der beliebtesten Speisefische in Deutschland. Ihr Ausbreitungsbereich verändert sich, wodurch nun Nationen neue Fangquoten beanspruchen, die den Bestand historisch nicht befischt haben. Die Folge ist massive Überfischung. Eine Lösung ist auch in diesem Jahr wieder gescheitert und die Staaten fangen kontinuierlich und ohne Rücksicht auf Verluste weiter. Der Makrelenbestand, einst einer der größten Fischbestände Europas, ist inzwischen kurz vor dem Kollaps. Kollabiert ein Bestand, ist er für die Fischerei nicht mehr nutzbar. Eine Erholung kann, wenn sie überhaupt eintritt, Jahrzehnte dauern.   

„Wir schlittern sehenden Auges in eine Katastrophe. Eine Trendwende kann nur gelingen, wenn Politik und Wirtschaft den Ernst der Lage anerkennen und durch drastische Fangbeschränkungen und strenge Kontrollen gegensteuern“, fordert Mark Heuer.  

Fisch kann unter den richtigen Umständen Teil einer Klima- und umweltverträglichen Ernährung sein und Milliarden Menschen auf der ganzen Welt sind auf Fisch als Proteinquelle angewiesen. In Deutschland empfiehlt der WWF, Fisch als seltene Delikatesse zu genießen. Verbraucher:innen sollten den WWF Fischratgeber nutzen und sich zusätzlich an Umweltsiegeln orientieren.  

Weitere Infos: 

Eine aktuelle Marktanalyse des WWF zeigt: Jedes vierte Produkt in deutschen Fischtheken des Lebensmitteleinzelhandels ist empfehlenswert (27 Prozent), ebenfalls ein knappes Viertel (22 Prozent) entfällt in die Kategorie „lieber nicht“. Die Hälfte der Produkte ist aus Nachhaltigkeitsperspektive nur „zweite Wahl“ (51 Prozent). 

Zum Marktcheck: WWF-Fischreport-2026-DE.pdf 

 

WWF-Logo

Kontakt

Freya Duncker

Pressesprecherin

Meeresschutz und Biodiversität / Hamburg

  • Amur-Tiger © Ola Jennersten / WWF Schweden Bedrohte Arten

    Der Rückgang der biologischen Vielfalt wird maßgeblich durch menschliches Handeln verursacht. Der WWF setzt sich weltweit für den Schutz bedrohter Arten ein. Erfahren Sie mehr zum Artenschutz

  • Windkrafträder © Global Warming Images / WWF Weltweit für mehr Klimaschutz

    Dürren, Überflutungen, Stürme: Immer häufiger und heftiger führt die Klimakrise zu Tod und Verwüstung. Mehr zur WWF-Klimaschutzarbeit

  • Korallen (Indonesien) © GettyImages Meeresschutz - ohne Meer kein Leben

    Unser Planet ist blau – die Meere bedecken rund 70 Prozent der Erdoberfläche und sind von entscheidender Bedeutung für uns Menschen. Mehr zu Meere & Küsten