16 Tonnen pro Kopf: Deutschland übernutzt seine Ressourcen

Laut Umweltbundesamt verbraucht jede Person in Deutschland rund 16 Tonnen Ressourcen pro Jahr, mehr als doppelt so viel wie nachhaltig wäre. Damit gehört das Land zu den ressourcenintensiven Volkswirtschaften der Welt. Das zeigt der Deutsche Overshoot Day deutlich: Hätten alle Menschen weltweit einen so hohen Konsum wie die Deutschen, wären alle Ressourcen, die die Erde in einem Jahr erneuern kann, bereits am 10. Mai aufgebraucht. Tatsächlich fiel der globale Erdüberlastungstag im vergangenen Jahr auf den 25. Juli – zweieinhalb Monate später. 

Gleichzeitig zeigt sich: Ein geringerer Ressourcenverbrauch ist möglich – und gesellschaftlich gewünscht. So kommt die aktuelle WWF-Studie „Ressourcenleicht Leben 2045“ zum dem Schluss, dass es realistisch ist, den Pro-Kopf-Ressourcenverbrauch in Deutschland von 16 auf acht Tonnen zu senken. Die wichtigsten identifizierten Hebel sind dabei Einsparungen in den Bereichen Ernährung, Wohnen und Mobilität

Teilnehmende des Beteiligungsprozesses diskutieren über ihre Visionen 2045
Teilnehmende des Beteiligungsprozesses diskutieren über ihre Visionen 2045 © Daniel Hinchliffe / Öko-Institut

Wie diese Potenziale im Alltag gehoben werden können, wurde in einem Bürgerforum unter der Leitung des Öko-Instituts und Politics for Tomorrow diskutiert. Unter der Annahme eines weitgehenden Ausstiegs aus fossilen Energien und einer bis 2045 umfassend etablierten Kreislaufwirtschaft, entstanden so fünf fiktive Charaktere mit unterschiedlichen Lebenswirklichkeiten, die mit rund acht Tonnen Ressourcenverbrauch ein gutes Leben führen.

Ein Beispiel ist Anna, die mit Partner und Kindern in einer Wohnung mit 40 Quadratmetern pro Person im suburbanen Raum lebt. Sie hat ein Auto, nutzt aber auch die öffentlichen Verkehrsmittel. Die Familie ernährt sich regional und isst nur selten Fleisch. Smartphones behält Anna bis zu drei und Laptops bis zu fünf Jahre. Einrichtungsgegenstände kauft sie etwa zwei Stück pro Jahr – meist neu. Künftig will sie jedoch stärker auf Gebrauchtes setzen. Sie behält Möbel zudem so lang wie möglich. In Summe kommt Anna damit auf acht Tonnen Ressourcenverbrauch im Jahr.

Weniger ist aus Bürgerperspektive also möglich und sogar attraktiv, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Das hat eine repräsentative Umfrage des WWF Deutschland bereits im vergangenen Jahr gezeigt. Entscheidend ist dabei, dass die Vorteile im Alltag spürbar werden – etwa durch geringere Kosten dank langlebiger Produkte oder leicht zugängliche Sharing-Angebote.

„Wir fordern verbindliche Ziele, Zwischenziele und ein belastbares Monitoring, um den Verbrauch von Primärrohstoffen wirksam zu reduzieren. Gleichzeitig müssen die oberen R-Strategien, also Vermeidung, Wiederverwendung und Reparatur priorisiert werden.“

Björn Schulz, Projektmanager Kreislaufwirtschaft beim WWF

Björn Schulz erklärt, was es außerdem braucht, um das Leitbild der Nationalen Kreislaufstrategie zur Ressourcenhalbierung bis 2045 wirksam umzusetzen: „Wir benötigen gesetzliche Vorgaben und wirtschaftliche Rahmenbedingungen, die zirkuläre Lösungen endlich wettbewerbsfähig machen. Zum Beispiel durch eine Weiterentwicklung der Herstellerverantwortung, den Abbau umweltschädlicher Subventionen und gezielte steuerliche Anreize. Auch die gesellschaftliche Ebene ist wichtig: Reparatur-, Sharing- und Wiederverwendungsangebote müssen im Alltag verfügbar und attraktiv sein. Nur so wird es gelingen, bis 2045 eine vollständige Kreis­laufwirtschaft etablieren, in der sich der Ressourcenverbrauch halbiert, die Umwelt entlastet und wir weiter gut leben können.”

Kontakt

Julia Dibiasi

Pressesprecherin

Kreislaufwirtschaft und nachhaltige Finanzen / Berlin


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