Im Rahmen der Kooperation übernimmt der Zoo Karlsruhe als Teil des europäischen Erhaltungszuchtprogramms (EEP) für den Karpatenluchs die Zucht von Luchsnachwuchs in zwei modernen, naturnahen und weitläufigen Anlagen. Werden die Jungtiere nach wissenschaftlichen Kriterien für eine Auswilderung ausgewählt, werden sie fernab der Besuchenden für mehrere Monate in einer großen Anlage im Tierpark Oberwald – einer Dependance des Zoos – auf das Leben in der Natur vorbereitet. Die Tiere sollen während ihrer Zeit in Karlsruhe zudem möglichst naturnah ernährt werden.
„Dafür kommen vor allem Rehe in Betracht, die zwar tot, aber als ganzer Körper den Tieren zur Fütterung gereicht werden“, erklärt Zootierarzt Dr. Marco Roller. Dafür gibt es lokale und regionale Kooperationen mit der Jägerschaft, denen immer wieder im Straßenverkehr umgekommenes Wild gemeldet wird. „Jeder ausgewilderte Luchs ist ein Gewinn für die biologische Vielfalt in Deutschland und wir sehen es als unsere Aufgabe, unseren Beitrag dazu zu leisten“, sagt Zoodirektor Dr. Matthias Reinschmidt.
Die Kooperation unterstützt zudem das Projekt wildLIFEcrime, das sich die Bekämpfung von Wildtierkriminalität zur Aufgabe gemacht hat. Denn: „Gerade bei kleinen Beständen kann der Verlust einzelner Tiere gravierende Folgen haben“, sagt Klenzendorf. Das Projekt umfasst unter anderem ein Meldeportal für Wildtierdelikte, die Verbesserung des Datenaustauschs und der Fallanalyse, den Ausbau forensischer Kapazitäten sowie den Wissensaustausch mit Polizeibehörden und weiteren Fachleuten. Ziel ist es, die Anzahl der Delikte zu senken sowie die Melde- und Aufklärungsratenzu erhöhen. Zwischen 2012 und 2023 wurden in Deutschland zwölf Fälle illegal getöteter Luchse bestätigt – aufgeklärt wurde bislang keiner.
Zu den insgesamt 13 Projektpartnern von wildLIFEcrime gehören neben dem WWF Deutschland, Organisationen und Behörden aus Deutschland und Österreich. Darunter die Universität Bremen, Polizeibehörden aus Bayern, das Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) und das österreichische Bundeskriminalamt.
Klenzendorf und Reinschmidt sind sich einig: Erfolgreicher Artenschutz brauche starke Partnerschaften. Er gelinge nur, wenn Wissenschaft, Naturschutz, Politik, Zivilgesellschaft und engagierte Bürgerinnen und Bürger an einem Strang ziehen. Denn Luchse seien Verbündete bei der Erhaltung gesunder Wildtierbestände und stellen keine Gefahr für Menschen dar.
Alle Artenschutz-Interessierten und Luchs-Freunde können ab sofort Mitglied im „Team Luchs Karlsruhe“ werden und den Schutz der größten Katzenart Deutschlands mit einem monatlichen Betrag von neun Euro unterstützen.
Weitere Informationen: wwf.de/team-luchs