Ostheim vor der Rhön, 29. Oktober 2026 – Seit dieser Woche laufen an der Kupfermühle in Ostheim vor der Rhön die Arbeiten zum Rückbau eines ehemaligen Mühlenwehrs. Damit wird eine Barriere beseitigt, die die Streu bislang unterbrochen hat. Künftig können Fische und andere Wasserlebewesen den Fluss wieder leichter passieren. Die Maßnahme ist Teil des Modellprojekts „Fluss.Frei.Raum – Klimaresiliente Bäche und Flüsse für Bayern“. Der Landschaftspflegeverband Rhön-Grabfeld setzt die Maßnahme vor Ort um.
Mit dem Rückbau erhält die Streu wieder mehr Raum, sich frei zu entwickeln. Davon profitieren Fische und andere Tiere und Pflanzen, die auf einen naturnahen Bach oder Fluss angewiesen sind. Zugleich wird die natürliche Verbindung im Gewässer wiederhergestellt – ein wichtiger Schritt für lebendige und widerstandsfähige Fließgewässer.
Von der ersten Planung zur gemeinsamen Lösung
Seit dem Start des Modellprojekts im Jahr 2024 wurde die Maßnahme an der Kupfermühle Schritt für Schritt geplant, geprüft und weiterentwickelt.
Im Mittelpunkt der Abstimmungen standen die künftige Situation des Mühlbachs, die Auswirkungen des Wehrrückbaus auf die Wasserführung, naturschutzfachliche Anforderungen im Umfeld der Maßnahme sowie die Belange von Gewässerökologie und Fischerei. Auch die besonderen örtlichen Gegebenheiten spielten eine wichtige Rolle. Wasserwirtschaft, Wasserrecht, Naturschutz, Fischerei, Planungsbüro und Projektpartner arbeiteten hier Hand in Hand bis eine für alle Parteien tragfähige Lösung gefunden wurde, die auch die klimatischen Entwicklungen und aktuellen Niedrigwasserstände der Streu berücksichtigt.
Mit der vorliegenden Genehmigung ist der Weg für die Umsetzung frei: Die Arbeiten zum Rückbau haben bereits begonnen.
„Bei einer solchen Maßnahme gibt es immer unterschiedliche Ansätze und Sichtweisen. Entscheidend ist es, miteinander im Gespräch zu sein und gemeinsam die bestmögliche Herangehensweise zu finden. Ich freue mich, dass dies gelungen ist und der Wehrrückbau nun endlich startet“, sagt Lisa Knur von der Bayerischen Verwaltungsstelle des Biosphärenreservats Rhön.
Viele Fachperspektiven – ein gemeinsames Ziel
Die Kupfermühle ist seit Beginn des Modellprojekts Fluss.Frei.Raum Teil des Vorhabens. Seit 2024 leitet Stefanie Schiche vom Landschaftspflegeverband Rhön-Grabfeld e. V. die Umsetzung der Maßnahme und hat ihre Entwicklung über die vergangenen Jahre federführend vorangetrieben.
„Hinter einer solchen Maßnahme steckt viel Arbeit – von den ersten Überlegungen über die fachliche Planung bis zu den letzten Abstimmungen vor der Umsetzung. Die Kupfermühle hat uns über mehrere Jahre beschäftigt und dabei immer wieder neue Fragen aufgeworfen. Umso schöner ist es, dass es jetzt konkret wird und die Arbeiten beginnen. Ich freue mich sehr, diesen wichtigen Schritt nun gemeinsam vor Ort umzusetzen.“
Die Erfahrungen aus der Kupfermühle sollen nun auch in weitere Maßnahmen von Fluss.Frei.Raum einfließen und dazu beitragen, Renaturierungsprojekte erfolgreich umzusetzen.
Ein ehemaliges Kleinwasserkraftwerk macht Platz für einen naturnäheren Fluss
Die Kupfermühle war früher Standort eines Kleinwasserkraftwerks. Karlheinz Herda, Eigentümer der Anlage und selbst Fischer, hat sich bewusst dafür entschieden, die Kleinwasserkraft aufzugeben. Für ihn war dabei vor allem der Wunsch entscheidend, die natürliche Entwicklung des Gewässers zu unterstützen.
„Als Fischer ist mir wichtig, dass unsere Bäche und Flüsse naturnah und durchgängig bleiben und Fische ihre Lebensräume frei erreichen können. Deshalb habe ich die Kleinwasserkraft schon frühzeitig aufgegeben und den Weg für den Rückbau des Wehrs unterstützt. Ich freue mich, dass die Maßnahme nun umgesetzt werden kann und damit ein weiterer Schritt für ein naturnahes Gewässer möglich wird“, sagt Karlheinz Herda, Eigentümer der Kupfermühle.
Mit dem Rückbau des Wehrs wird ein konkretes Ziel von Fluss.Frei.Raum erreicht: Wo nicht mehr benötigte Querbauwerke entfernt werden, erhalten Fließgewässer wieder mehr Raum für ihre natürliche Entwicklung. Davon profitieren Gewässerorganismen und die ökologische Vernetzung der Gewässerlebensräume.
Fluss.Frei.Raum – mehr Freiraum für Fluss und Mensch
Das Modellprojekt „Fluss.Frei.Raum – Klimaresiliente Bäche und Flüsse für Bayern“ wird im Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz (ANK) durch das Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUKN) und das Bundesamt für Naturschutz (BfN) mit rund 4,13 Millionen Euro gefördert.
Beteiligt sind WWF Deutschland, BUND Naturschutz in Bayern e. V., Landesfischereiverband Bayern, Bayerischer Kanu-Verband und Landschaftspflegeverband Rhön-Grabfeld.
Ziel des bis 2030 laufenden Modellprojekts ist es, funktionslose Querbauwerke abzubauen, naturnahe und klimaresiliente Gewässerlebensräume zu fördern und die ökologische Vernetzung von Fließgewässern zu verbessern. Gleichzeitig sollen Erfahrungen aus der praktischen Umsetzung weitergegeben und lokale Akteure dabei unterstützt werden, eigene Maßnahmen für lebendige Bäche und Flüsse auf den Weg zu bringen.
Mit dem Rückbau an der Kupfermühle wird ein weiterer wichtiger Schritt für frei fließende und naturnahe Gewässer in Bayern möglich.