5.11.2026: Die EU und Deutschland sind hochgradig insbesondere von fossilen Energieimporten abhängig – mit exorbitanten Kosten. Das ist das Ergebnis einer neuen Analyse des Öko-Instituts im Auftrag des WWF Deutschland. Die Berechnungen zeigen, dass die Menge der Energieimporte in die EU in den vergangenen zehn Jahren zwar um zehn Prozent sank, die Kosten aber um ein Drittel gestiegen sind: Sie lagen 2025 nach Abzug der Exporteinnahmen bei 296 Milliarden Euro.
Öl hat den größten Anteil an der europäischen Importrechnung, während erhebliche Schwankungen bei Erdgas die Importrechnung seit 2020 deutlich verteuert haben. Öl- und Gasimporte machen zusammen knapp 90 Prozent der europäischen Importrechnung aus. Kurz vor den Entscheidungen zum Netzpaket und Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) in Deutschland sowie der Klimakonferenz COP31 in der Türkei zeigt die Berechnung eindrücklich, wie wichtig es auch für unsere Wirtschaft und geopolitische Sicherheit ist, sich aus der Abhängigkeit von fossilen Energien zu befreien. Alle Kraft sollte in den Ausbau und die Modernisierung der heimischen Energieversorgung auf Basis von erneuerbaren Energien, Speichern und leistungsfähigen Stromnetzen fließen.
„Mineralöl- und Erdgasimporte sind die energiepolitischen Achillesfersen Europas und Deutschlands und befeuern die Erderhitzung massiv. Die Staatengemeinschaft hat bereits bei der Klimakonferenz in Dubai die Abkehr von fossilen Energien und die Verdreifachung der globalen Erneuerbaren-Kapazitäten beschlossen – jetzt müssen den Worten Taten folgen. Hängen wir weiter am fossilen Tropf, bleiben wir verwundbar gegenüber geopolitischen Risiken und zunehmenden Klimaschäden, statt in ein zukunftsfähiges Europa zu investieren“, sagt Felix Schmidt, Energieexperte beim WWF Deutschland.
Auch in Deutschland ist die Abhängigkeit stark ausgeprägt: Nahezu der gesamte Bedarf an Mineralöl sowie rund 90 Prozent des Erdgasbedarfs werden durch Importe gedeckt. Die Nettoimportkosten – also die Kosten nach Abzug der Einnahmen, die Deutschland durch Exporte erzielt – lagen im Schnitt bei 61 Milliarden Euro pro Jahr zwischen 2015 und 2021. 2022 stiegen sie auf 143 Milliarden Euro, 2025 lagen sie bei 76 Milliarden Euro. 2026 könnte das hohe Importkostenniveau des Krisenjahres 2023 erreichen oder übertreffen. Größter Importkostentreiber in Deutschland ist der Verkehrssektor, gefolgt vom Industrie- und Energiesektor.
Würde Deutschland verstärkt auf Elektrifizierung setzen, könnten 40 Prozent (30 Milliarden Euro) der Nettoimportkosten des Jahres 2025 eingespart werden. Der Einsatz von erneuerbaren Energien und Umweltwärme könnte die Kosten um weitere 30 Prozent (23 Milliarden Euro) senken – dies ist eng mit der Elektrifizierung verbunden. Elektrifizierung steht in diesem Jahr auch im Fokus der türkischen COP-Präsidentschaft bei der Klimakonferenz COP31.
„Unsere Analyse unterstreicht: Elektrifizierung, erneuerbare Energien und mehr Energie- und Ressourceneffizienz sind die Lösung gegen enorme Klimaschäden und Kapitalabflüsse, die mit fossilen Energieimporten einhergehen. Wir brauchen deshalb dringend Fortschritte bei der Energiewende, statt Rückschritte. Doch die Gesetzesvorlagen zum EEG und Netzpaket fallen weit hinter die Anforderungen der Energiewende zurück. Noch besteht die Möglichkeit, zu handeln, insbesondere, wenn der Bundestag das EEG und das Netzpaket wieder auf Kurs bringt und die Regierung sich international auf der COP für wirksame Ergebnisse zur Umsetzung einsetzt. Dazu muss sie auch bei der Klimafinanzierung vorangehen – Mittel dafür wären vorhanden, wenn klimaschädliche Subventionen für fossile Energien schrittweise abgebaut und gezielt in Energieeffizienz, Elektrifizierung, erneuerbare Energien und einen sozial gerechten Wandel umgelenkt würden“, so Schmidt.