Berlin, 4.11.2026: Die Anpassung an die Folgen der Klimakrise geht nicht schnell genug voran, die Finanzierung fällt weiter hinter das Notwendige zurück. Das geht aus dem UNEP Adaptation Gap Report 2026 hervor, der an diesem Mittwoch kurz vor der Weltklimakonferenz COP31 in der Türkei veröffentlicht wurde. Dazu sagt Fentje Jacobsen, Co-Leiterin Klimaschutz und Energiepolitik beim WWF Deutschland:
„Hitze und Niedrigwasser haben uns alle erst vor wenigen Monaten beschäftigt und werden es in wenigen Monaten vermutlich wieder tun. Die Folgen der Klimakrise sind heute schon zu spüren – auch in Deutschland. Das nicht mehr vermeidbare temporäre Überschreiten des 1,5 Grad Limits wird den Druck für Anpassung noch drastisch erhöhen.
Die Bundesregierung muss endlich aktiv werden. Neben Unterstützung für Kommunen, Pflegeheime und Schulen muss die Schutzwirkung der Natur in den Vordergrund rücken. Bäume schaffen Schatten in Städten, Flussauen schützen vor Überschwemmungen und halten gleichzeitig bei Dürre Wasser in der Landschaft. Vorhaben wie das Natürliche-Infrastruktur-Stärkungsgesetz und der Nationale Wiederherstellungsplan müssen endlich vorangebracht und umgesetzt werden. Sie stärken unsere Abwehrkräfte gegenüber den Folgen der Erderhitzung.
Gleichzeitig gilt: Klimaanpassung geht nicht ohne Klimaschutz! Wenn wir jetzt nicht schnell von unserem hohen Emissionslevel herunterkommen, werden die Folgen der Klimakrise so gewaltig, dass die Anpassung zu einer Sisyphos-Arbeit verkommen könnte. Die Bundesregierung muss den Abschied von fossilen Energien beschleunigen und die Energiewende konsequent vorantreiben, statt sie auszubremsen.
Und sie muss in den aktuellen Haushaltsverhandlungen ausreichend Mittel bereitstellen: für Klimaschutz und Anpassung, hierzulande und weltweit. Denn in vielen Ländern äußert sich die Erderhitzung noch deutlich dramatischer als in Deutschland. Der UNEP-Bericht zeigt, dass selbst eine Verdreifachung der internationalen Anpassungsfinanzierung bis 2035 nur einen Bruchteil des tatsächlichen Bedarfs decken würde. Die globale Finanzierungslücke beträgt inzwischen rund 275 Milliarden US-Dollar pro Jahr. Die Verdreifachung der Mittel auf Basis des 2025-Ziels ist das Mindeste, was auf der COP31 umgesetzt werden muss – aber daneben braucht es zusätzliche Finanzquellen, um die massive Finanzierungslücke zu schließen.“