Während sich die Bestände wild lebender Tiger erholen, müssen Zuchtanlage stärker kontrolliert werden, um den illegalen Handel mit Tigern aus Gefangenschaft zu verhindern. Dies fordert eine Gruppe von Natur- und Umweltschutzorganisationen darunter WWF, Wildlife Conservation Society (WCS) und die Zoological Society of London (ZSL). Ab Montag, 2. November tagt in Genf der Ständige Ausschuss des Washingtoner Artenschutzübereinkommen (CITES). Im Vorfeld der Sitzung kamen nur sechs Länder ihren Berichtspflichten nach, die Zuchtanlagen mit entsprechendem Risiko, sogenannte „Tigerfarmen“, betreiben. Damit fehlen wichtige Informationen zur Bewertung der Fortschritte, so die NGO Gruppe. Kontrollen, Transparenz und Berichterstattung müssten verbessert werden, damit legaler und illegaler Handel die Bemühungen zum Schutz der Tiger nicht untergrabe.
Fast zwei Jahrzehnte nachdem sich die CITES-Vertragsstaaten darauf verständigt hatten, Tiger nicht für den Handel mit ihren Körperteilen und daraus hergestellten Produkten zu züchten, sondern ausschließlich zum Artenschutz, fällt die Bilanz durchwachsen aus. Keines der Länder liefere ausreichende Informationen, etwa zur Anzahl der Anlagen oder zu der der Tiger in den einzelnen Einrichtungen. So sei unklar, ob die Bestände in Gefangenschaft auf ein Niveau begrenzt würden, das ausschließlich dem Artenschutz diene.
„Tigerzuchten, die in den illegalen Wildtierhandel verwickelt sind, gefährden den Schutz wild lebender Tiger, denn sie erhöhen die Nachfrage nach Tigerprodukten bei Verbraucherinnen und Verbrauchern. Das wiederum treibt die Wilderei auf wild lebende Tiger an“, sagt Katharina Hennemuth, Artenschutzexpertin des WWF Deutschland. „Transparente Berichterstattung, wirksame Kontrollen und die vollständige Umsetzung der CITES-Beschlüsse sind daher unerlässlich. Die CITES Entscheidung dazu ist fast 20 Jahre alt. Es ist unentschuldbar, dass bei der Umsetzung und der Berichterstattung darüber so wenig Fortschritte erzielt wurden.“
Im Jahr 2010 gab es weltweit nur noch rund 3.200 wild lebende Tiger. Lebensraumverlust, Wilderei, illegaler Wildtierhandel und Mensch-Wildtier-Konflikte bedrohten ihr Überleben. Doch dank gemeinsamer Anstrengungen von Regierungen, indigenen Völkern, lokalen Gemeinschaften, Ranger:innen, Naturschutzorganisationen und weiteren Partnern ist der Bestand inzwischen auf etwa 5.700 Exemplare gestiegen. Dennoch gelten Tiger weiterhin als stark gefährdet. Um die anhaltenden Bedrohungen einzudämmen, sind weitere Schutzmaßnahmen dringend notwendig.
Die Organisationen unterstützen die Empfehlungen, die bestehende CITES-Beschlüsse zur Schließung sogenannter „Tigerfarmen“ stärken sollen. Darüber hinaus fordern sie, die Berichtspflichten zu verschärfen. Regierungen sollten verpflichtet werden, zentrale Informationen über Anlagen vorzulegen, in denen Tiger zu Nicht-Artenschutz-Zwecken gehalten oder gezüchtet werden, etwa zu Anzahl der Anlagen und der dort gehaltenen Tiger, zu Geburten, Todesfällen und Tierverbringungen. Mit diesen Daten könnten Entwicklungen besser überwacht und Unstimmigkeiten erkannt und bewertet werden, die gegebenenfalls auf illegale Aktivtäten hinweisen könnten. CITES wiederum sollte finanzielle Unterstützung erhalten, um einen unabhängigen, globalen Überblick über die Fortschritte in Sachen Tigerfarmen sowie darüberhinausgehende Risiken des illegalen Tigerhandels beauftragen zu können.
Die Organisationen begrüßen zugleich Beispiele für Fortschritte in Ländern, die bereits Maßnahmen zur Umsetzung der CITES-Empfehlungen ergriffen haben. Sie zeigen, dass eine wirksame Umsetzung und transparente Berichterstattung möglich sind. Gut regulierte Zuchtprogramme für den Artenschutz, die von anerkannten regionalen oder internationalen Zooverbänden koordiniert werden, können als Beispiele für wirksame Kontrolle, verantwortungsvolle Haltung und hohe Standards bei genetischem Management, Tierschutz, Tierhaltung und Rückverfolgbarkeit dienen.