Eine neue empirische Bestandsaufnahme zeigt eine gravierende Lücke in der internationalen Naturschutzpolitik: In den Plänen zur Umsetzung des globalen Ziels, bis 2030 mindestens 30 Prozent der Land- und Meeresflächen unter effektiven Schutz zu stellen, kommen Ranger so gut wie nicht vor. Dabei stellen sie mehr als die Hälfte der Beschäftigten in Schutzgebieten oder anderen geschützten Flächen.
Für die Studie The “Ranger Blindspot”: Global Policy and Implementation Gaps, die anlässlich der 17. Weltnaturschutzkonferenz in Jerewan veröffentlicht wurde, wurden 45 grundlegende politische Dokumente und Leitlinien sowie 21 Nationale Biodiversitätsstrategien und Aktionspläne (NBSAPs) ausgewertet. Letztere legen fest, wie Länder ihre biologische Vielfalt schützen wollen. Dabei zeigte sich, dass Ranger oder vergleichbare Berufsgruppen in den Dokumenten so gut wie nie erwähnt werden. Damit bleibt ein entscheidender Teil der Arbeitskräfte unberücksichtigt, die für einen wirksamen und nachhaltigen Naturschutz benötigt werden.
Besonders deutlich wird das bei den drei großen Rio-Umweltkonventionen der Vereinten Nationen, die sich mit Klimaschutz, biologischer Vielfalt und der Bekämpfung von Wüstenbildung und Landdegradation befassen. Während das UN-Klimaabkommen (UNFCCC) ausführlich über Flächen und Finanzierung spricht, kommen Ranger darin überhaupt nicht vor. Im Übereinkommen über die biologische Vielfalt (CBD) kommt die Referenz zu Flächen 300x häufiger vor als die Erwähnung des Personals, das diese schützen soll. Die Wüstenkonvention (UNCCD) schneidet im Vergleich am besten ab. Dennoch wird auch hier 44-mal häufiger auf Flächen als auf Ranger Bezug genommen.
Die Ergebnisse verdeutlichen eine erhebliche Lücke zwischen den globalen Naturschutzzielen und den personellen Ressourcen, die für die Umsetzung erforderlich sind und das 30x30-Ziel verschärft die Situation zusätzlich. Schätzungen zufolge werden insgesamt mehr als 1,5 Millionen Ranger benötigt, um ein effektives Management all dieser Flächen sicherzustellen, wovon den Schutzgebieten jedoch rund 2/3 fehlen. Denn viele Menschen sind von den harten Arbeitsbedingungen und mangelnder Wertschätzung abgeschreckt. Diese Lücke zu schließen, indem die Bedeutung der Ranger-Arbeit offiziell anerkannt und die dafür benötigten Mittel bereitgestellt werden, könnte darüber entscheiden, ob das Ziel ein Papiertiger bleibt oder zur Realität wird.
Nur in zwei der untersuchten übergeordneten politischen Rahmendokumenten und in weniger als der Hälfte der untersuchten nationalen Biodiversitätsstrategien werden Ranger ausdrücklich in die politische Planung und die strategische Vorausschau einbezogen.
„Im Rahmen unserer internationalen Naturschutzziele sprechen wir vor allem über Flächen und Geld. Viel zu selten sprechen wir über die Menschen, die in den Gebieten arbeiten, um diese Ziele zu erreichen. Rangerinnen und Ranger sind für den Schutz von Natur und Klima unverzichtbar, und trotzdem kommen sie in globalen Umweltdokumenten kaum vor. Schutzgebieten weltweit fehlen unzählige Mitarbeiter:innen, um diese effektiv zu managen. Doch wenn wir nicht über sie sprechen, sie sichtbar machen und aufzeigen, wie unverzichtbar sie sind, dann wird sich daran wenig ändern. Dass diejenigen, die den Naturschutz vor Ort tragen, international so unsichtbar sind, ist ein frappierender blinder Fleck der Naturschutzpolitik“, sagt Katharina Hennemuth, Artenschutzexpertin des WWF Deutschland.
Die in der Fachzeitschrift Ambio des Springer-Verlags veröffentlichte Studie The “Ranger Blindspot”: Global Policy and Implementation Gaps wurde gemeinsam von Forschenden und Mitarbeiter:innen verschiedener Organisationen verfasst, darunter der Universal Ranger Support Alliance und der WWF.
Ranger übernehmen vielfältige Aufgaben in den Bereichen Naturschutz, Strafverfolgung, Gemeindeentwicklung und Ökosystemmanagement. Durch ihre Arbeit tragen sie dazu bei, den Klimawandel und die Ausbreitung von Krankheiten einzudämmen, Konflikte zwischen Menschen und Wildtieren zu reduzieren sowie den Verlust von Arten und Ökosystemen zu verhindern.
Wenn internationale Rahmenwerke wie das Übereinkommen über die biologische Vielfalt Ranger in ihren offiziellen Plänen kaum bis gar nicht berücksichtigen, können politische Entscheidungsträger ihre Arbeit weder wirksam planen noch angemessen finanzieren. Der WWF fordert daher, dass Ranger:innen bei der Planung systematisch berücksichtigt, angemessen finanziert und ausreichend unterstützt werden.
Hintergrund:
Die vollständige Autorenliste von The “Ranger Blindspot”: Global Policy and Implementation Gaps umfasst: Hannah L. Timmins, Sue Stolton, Nigel Dudley and Madhu Rao (IUCN-WCPA), Jonathan Churcher and Chris Galliers (IRF), Rohit Singh and Nik Sekhran (WWF), Krishna Prasad Acharya (South Asia Wildlife Enforcement Network) S.P. Yadav (Big Cat Alliance), Mike Appleton and James Slade (Re:Wild), Mike Hoffman (ZSL), Alice Péretié (Chengeta) Valerie Hickey (The World Bank), Mariano Castro (Konsultant für CBD) und Jamie McCallum (Force For Nature).