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Quantis und WWF: So werden Wertbeiträge der Kreislaufwirtschaft sichtbar

Stand: 15.10.2026

Neues Framework hilft Unternehmen, den strategischen Wert zirkulärer Investitionen messbar zu machen

Viele Unternehmen initiieren bereits erfolgreich zirkuläre Geschäftsmodelle. Doch statt sie auszuweiten, bleiben sie oft auf Pilotprojekte beschränkt. Einer der Gründe dafür ist, dass Investitionsentscheidungen in erster Linie auf Basis von klassischen Finanzkennzahlen getroffen werden. Diese erfassen die kurzfristigen Kosten von Investitionen in Kreislaufwirtschaft, spiegeln jedoch deren langfristige Vorteile für Rohstoffsicherheit, Resilienz und Wettbewerbsfähigkeit nicht angemessen wider. Es entsteht eine systematische Bewertungslücke. 

Das bestätigen auch die im Rahmen der neuen Studie „Closing the Valuation Gap: A Business Case Valuation Framework for Circular Economy Investment“ von WWF und Quantis geführten Interviews. So beschrieben die befragten Unternehmen den Wertbeitrag von Kreislaufwirtschaftsinvestitionen eher als qualitativen, statt quantitativen Faktor bei der Bewertung eines Business Case. Um diese Lücke zu adressieren, haben die Studienautoren zehn Wertbeiträge zirkulärer Investitionen identifiziert und zeigen Schritt für Schritt, wie diese in bereits von Unternehmen genutzte und etablierte Bewertungsmaßstäbe integriert werden können.  

Das in der Studie vorgestellte Fallbeispiel verdeutlicht die Funktionsweise anhand eines Rücknahme- und Wiederaufbereitungsprogramms für Industriekompressoren, das in der herkömmlichen Investitionsanalyse nur bedingt rentabel erscheint. Wird jedoch der Schutz vor schwankenden Rohstoffpreisen in das fiktive Modell einbezogen, erhöht sich die Wirtschaftlichkeit deutlich: Der Betriebsgewinn (EBITDA) pro Einheit steigt um 1.208 Euro, die Amortisationszeit verkürzt sich von 7,6 auf 6,1 Jahre und die Kapitalrendite steigt von 8,4 auf 13 Prozent. Das Rücknahmesystem wird damit vom reinen Kostenfaktor zu einer Art Rohstoffversicherung für das Unternehmen. 

 „Viele Projekte der Kreislaufwirtschaft scheitern bei der Skalierung. Dies liegt jedoch weniger an mangelnder wirtschaftlicher Substanz, sondern vielmehr daran, dass wichtige Wertbeiträge bei der Bewertung von Business Cases nicht berücksichtigt werden. Die Kreislaufwirtschaft wird daher systematisch unterbewertet. Unternehmen müssen anfangen, die Wertbeiträge zirkulärer Investitionen zu messen und in ihre Bewertungsprozesse zu integrieren“, sagt Rebecca Tauer, Expertin für Kreislaufwirtschaft beim WWF Deutschland. 

„Laut einer aktuellen Analyse der Boston Consulting Group zusammen mit dem Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) könnte allein in Deutschland die Bruttowertschöpfung der Kreislaufwirtschaft von heute 60 Milliarden Euro auf bis zu 125 Milliarden Euro im Jahr 2045 steigen“, sagt Sophie Herrmann, Geschäftsführerin bei Quantis Deutschland. „Um dieses Potenzial auszuschöpfen, sind jedoch erhebliche Investitionen erforderlich. Und Investitionen hängen davon ab, ob Unternehmen in der Lage sind, ein glaubwürdiges und zustimmungsfähiges Finanzkonzept für Kreislaufwirtschaftsmodelle zu entwickeln. Dort setzt die Studie an.“ 

„Kreislaufwirtschaft ist nicht nur Nachhaltigkeitsthema, sondern ein entscheidender Faktor für die Wettbewerbsfähigkeit und Widerstandsfähigkeit von Unternehmen“, fasst Rebecca Tauer zusammen. „Wer den wirtschaftlichen Nutzen von Investitionen in Kreislaufwirtschaft umfassend bewertet, erkennt Chancen für Innovation, Wachstum und größere Unabhängigkeit von volatilen Rohstoffmärkten.“ 

Über die Studie: Die Studie „Closing the Valuation Gap: A Business Case Valuation Framework for Circular Economy Investment“ wurde von WWF Deutschland und Quantis erstellt und von der Bertelsmann Stiftung und der BDI-Initiative Circular Economy gefördert. Sie bietet Unternehmen einen praxisnahen Bewertungsrahmen für Reparatur-, Wiederverwendungs-, Refurbishment-, Remanufacturing- und Product-as-a-Service-Modelle. 

Über Quantis: Quantis ist eine 2006 gegründete globale Nachhaltigkeitsberatung, die Organisationen dabei unterstützt, ihre Nachhaltigkeitsambitionen in messbaren Unternehmenswert zu übersetzen. Mit Wurzeln in den Umweltwissenschaften und einem datengetriebenen Ansatz verbindet Quantis fundierte technische Expertise mit strategischem Know-how, um Nachhaltigkeit in die Strategie, die operativen Prozesse und die Unternehmensleistung zu integrieren. Als branchen- und regionsübergreifend tätiges Unternehmen bietet Quantis Lösungen, die die Profitabilität verbessern, Risiken reduzieren, die Effizienz steigern und Innovation vorantreiben. Als Teil von BCG beschleunigt und skaliert Quantis diese Lösungen über Organisationen und Wertschöpfungsketten hinweg.  

Über den WWF Deutschland: Der WWF Deutschland ist Teil der internationalen Umweltschutzorganisation World Wide Fund for Nature (WWF). Seit mehr als 60 Jahren arbeitet das WWF-Netzwerk rund um den Globus daran, die Umweltzerstörung zu stoppen und eine Zukunft zu gestalten, in der Mensch und Natur in Einklang miteinander leben. In rund 100 nationalen und internationalen Projekten setzt sich der WWF Deutschland aktuell für den Erhalt der biologischen Vielfalt und unserer natürlichen Lebensgrundlagen ein. Der WWF Deutschland arbeitet in Projekten, Branchenansätzen und bilateralen Partnerschaften konstruktiv mit Unternehmen zur Lösung von Umweltproblemen zusammen.  

Kontakt

Julia Dibiasi

Pressesprecherin

Kreislaufwirtschaft und nachhaltige Finanzen / Berlin


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