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Mehr Süßes als Saures

Stand: 31.10.2026

Weltnaturkonferenz endet in Jerewan

Nach einer langen Nachtschicht ist die Weltnaturkonferenz in Jerewan zuende gegangen. Verhandler:innen aus 182 Ländern haben sich unter anderem auf einen Aktionsplan geeinigt, mit dem die Umsetzung der globalen Ziele des Weltnaturabkommens beschleunigt werden soll. Aus Sicht des WWF war die Konferenz zwar von vielen Kompromissen und Abschwächungen geprägt, liefert aber dennoch ein positives Ergebnis.

„Hier in Jerewan gibt es heute insgesamt mehr Süßes als Saures. Die finalen Entscheidungen hauchen dem Weltnaturabkommen neues Leben ein. Ein Halbzeitbericht zeigte, dass die Staaten bei der Umsetzung nicht auf Kurs sind. Nun müssen sie ihre Anstrengungen zum Erhalt unserer Lebensgrundlagen in den kommenden Jahren deutlich verstärken. Als wichtigstes Ergebnis begrüßt der WWF, dass sich die Staaten auf einen Aktionsplan geeinigt haben, um die Umsetzung der selbstgesetzten Ziele bis 2030 zu beschleunigen. Bei der Biodiversitätsfinanzierung gab es einen Kompromiss, der für die Lösung zentraler Fragen bis 2030 als Grundlage dienen wird. Insgesamt fehlt immer noch sehr viel Geld, aber der Text liefert kleine Schritte in Richtung zukünftiger Lösungen. Enttäuschend ist, dass die meisten Fragen der gerechten globalen Verteilung von Profiten, die mit der Nutzung genetischer Ressourcen in der Industrie gemacht werden, ungeklärt bleiben“, so Heike Vesper, Vorständin Transformation Politik & Wirtschaft beim WWF Deutschland.

Im Zentrum der zwei strapaziösen Verhandlungswochen stand der Bericht über den Zustand der Umsetzung nach vier Jahren Weltnaturabkommen. Er stellt den Vertragsparteien ein ungenügendes Zeugnis aus. Dass die formelle Anerkennung dieser Tatsache nicht selbstverständlich war und als wichtiges Ergebnis der Konferenz hervorgehoben werden muss, steht sinnbildlich dafür, in welch schwieriger Lage sich der globale Umweltschutz in diesen Zeiten befindet. Keines der 23 Ziele des Weltnaturabkommens, für dessen Umsetzung sich die Staatengemeinschaft 2022 in Montreal verpflichtet hat, ist bisher auf Kurs. Der sogenannte „Yerevan Pathway“ soll nun dafür sorgen, dass die Umsetzung beschleunigt wird, mehr Finanzmittel in den Naturschutz fließen und mindesten 500 Mrd. US-Dollar an schädlichen Subventionen abgebaut werden. Was der Aktionsplan wert ist, wird sich am Ende daran messen lassen müssen, ob er rund um die Welt eine tatsächliche Veränderung der Politik bewirken kann.

Auch bei den Verhandlungen um die Finanzierung bleibt es schwierig. Weiterhin steht nicht ausreichend Geld zu Verfügung, um die natürliche Infrastruktur auf unserem Planeten zu schützen. Tiefe Meinungsverschiedenheiten gab es zwischen den Staaten, wer in Zukunft international für den Erhalt der Lebensgrundlagen bezahlen soll und wie die Finanzierung institutionell aufgebaut sein soll. Der erreichte Konsens zu den Kriterien für die zukünftige Finanzstruktur der Konvention und für eine freiwillige Erweiterung der Geberbasis für die internationale Biodiversitätsfinanzierung, sind dabei kleine, aber wichtige Schritte in die richtige Richtung.

Eine der größten Enttäuschungen ist weiterhin die Frage der gerechten globalen Verteilung der Profite, die vor allem mit der Nutzung genetische Ressourcen aus der Natur gemacht werden. Noch auf der letzten COP in Kolumbien wurde der dafür eingereichte „Cali Fund“ als großer Erfolg gefeiert. Zwei Jahre später bleibt der Fond so gut wie leer. Trotz kleiner Fortschritte blieben wichtige Entscheidungen zur grundlegenden Arbeitsweise des Fonds in Jerewan aus.

„Der heute verabschiedete Text hat Konsequenzen für den gesamten Planeten und für Milliarden von Menschenleben und Existenzgrundlagen. Angesichts der angespannten politischen Weltlage und dem Druck, der auf vielen Regierungen lastet, haben sich die Parteien in Jerewan zusammengeschlossen, um die Natur gemeinsam besser zu schützen. Darauf können sie stolz sein. Zurücklehnen können sich die Staaten aber noch lange nicht“, erklärt Heike Vesper.

WWF-Logo

Kontakt

Freya Duncker

Pressesprecherin

Meeresschutz und Biodiversität / Hamburg

  • Amur-Tiger © Ola Jennersten / WWF Schweden Bedrohte Arten

    Der Rückgang der biologischen Vielfalt wird maßgeblich durch menschliches Handeln verursacht. Der WWF setzt sich weltweit für den Schutz bedrohter Arten ein. Erfahren Sie mehr zum Artenschutz