Die niedersächsischen Umwelt- und Landwirtschaftsministerien haben das Ergebnis der Flächenauswahl für fischereifreie Schutzgebiete im niedersächsischen Wattenmeer-Nationalpark bekanntgegeben. Demnach sollen nur 10 Prozent des niedersächsischen Küstenmeers für die Küstenfischerei gesperrt werden. Das entspricht 16 Prozent der Fläche des Nationalparks, wobei davon mehr als die Hälfte trockenfallende Wattflächen sind, die gar nicht befischbar sind. Die neue Regelung bleibt damit weit unter den Anforderungen des Bundesnaturschutzgesetzes, das vorschreibt, den überwiegenden Teil der Nationalparkfläche der Natur vorzubehalten.
Jannes Fröhlich, Programmleiter Wattenmeer beim WWF Deutschland kommentiert:
„Aus Naturschutzsicht ist die Flächenauswahl des Landes für fischereifreie Gebiete eine Enttäuschung. Die Gebiete sind zu klein und enthalten auch unbefischbare, trockenfallende Wattflächen, das ist Augenwischerei. Von der tatsächlich befischten Fläche des Nationalparks werden künftig weniger als zehn Prozent geschützt. Dies erfüllt nicht annähernd das rechtlich vorgegebene Mindestmaß für den Schutz der Unterwasserwelt im Nationalpark. Die Natur erhält zu wenig Schutz, die Krabbenfischerei keine Rechtssicherheit. Die niedersächsische Landesregierung hat eine große Chance vergeben, den bereits laufenden Strukturwandel in der Krabbenfischerei mit wirksamen Meeresschutz zu verzahnen. Den Preis dafür zahlt weiterhin die Natur des Wattenmeers. Der ökologische Zustand der Gewässer ist schon jetzt besorgniserregend, mit Naturschutz in homöopathischer Dosierung lässt sich das nicht ändern. Nötig sind ausreichend große Rückzugsräume, besonders unter Wasser in Prielen, die die marine Artenvielfalt stärken und das Ökosystem gegen den Klimawandel wappnen. Angesichts der vielen Lücken kann der Plan des Landes nur ein Zwischenergebnis sein. Echter Schutz des Nationalparks muss mit einer zukunftsfähigen Küstenfischerei verbunden werden.“