Berlin, 06.10.2026: Deutschland hat 2025 deutlich weniger Geld für Klimaschutz und Klimaanpassung in ärmeren Ländern bereitgestellt. Die aus dem Bundeshaushalt bereitgestellten Mittel sind gegenüber dem Vorjahr um knapp ein Viertel zurückgegangen: von 6,1 Milliarden Euro im Jahr 2024 auf nur noch 4,7 Milliarden Euro im Jahr 2025. Damit stehen für die internationale Unterstützung von Minderungs- und Anpassungsmaßnahmen 1,4 Milliarden Euro weniger öffentliche Mittel zur Verfügung als noch im Vorjahr. Der WWF Deutschland kritisiert die Kürzung als Schritt in die falsche Richtung.
„Die Folgen der Klimakrise werden weltweit immer spürbarer und ausgerechnet jetzt fährt Deutschland seine Unterstützung zurück. Der deutliche Rückgang der Haushaltsmittel sendet das falsche Signal an die internationale Gemeinschaft und die besonders verwundbaren Länder, die auf verlässliche Hilfe angewiesen sind”, sagt Marianne Lotz, Klimafinanzexpertin beim WWF.
Gemessen an Deutschlands historischer Verantwortung für die Klimakrise, seiner Wirtschaftskraft und dem neuen globalen Finanzierungsziel von mindestens 300 Milliarden US-Dollar jährlich bis 2035 reicht die öffentliche Unterstützung Deutschlands nicht aus. Der WWF fordert deshalb, die öffentlichen Mittel kontinuierlich und verlässlich zu erhöhen, statt sie weiter zu kürzen.
Zudem werfen das Verschieben von Mitteln zwischen regulärem Haushalt und Sondervermögen, die mögliche Zweckentfremdung von Mitteln aus dem Klima- und Transformationsfonds und die geplanten Kürzungen beim Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung die Frage auf, ob Deutschland seine Finanzen ausreichend zukunftsorientiert regelt. Bei Mitteln für den nachhaltigen und gerechten Wandel wird der Rotstift angesetzt und dringend benötigte Ausgaben auf die lange Bank geschoben.
„Die Bundesregierung führt die Rechnung nicht zu Ende: Investitionen in Klima- und Naturschutz lohnen sich. Wer die Klimakrise nicht ausreichend eindämmt – auch durch ausreichende finanzielle Unterstützung– der nimmt auch gewaltige Folgekosten für die Wirtschaft in Kauf – in anderen Ländern ebenso wie bei uns zuhause. Die Hitzetage in diesem Sommer und die niedrigen Pegel der Flüsse sind nur zwei aktuelle Beispiele dafür“, so Lotz.
Der WWF fordert eine Steigerung der öffentlichen internationalen Klimafinanzierung auf mindestens 12 Mrd. Euro jährlich bis 2030. Bis zur Klimakonferenz COP31 im November sollte Deutschland außerdem klar darlegen, wie sein angemessener Beitrag zum neuen internationalen Finanzierungsziel aussehen soll und die multilateralen Fonds mit entsprechend ambitionierten Beiträgen ausstatten.
Auch die Qualität der bereitgestellten Gelder muss verbessert werden, insbesondere das Verhältnis von Zuschüssen und Krediten. Gerade angesichts des weiterhin hohen Finanzierungsbedarfs für Anpassung sollte dieser Bereich ausreichend durch öffentliche und nicht schuldensteigernde Finanzierungsinstrumente unterstützt werden. Bis 2035 gilt es, die Anpassungsfinanzierung zu verdreifachen, aufbauend auf dem Ziel, sie bis 2025 zu verdoppeln.
„Neue Finanzierungsquellen stünden zur Verfügung - auch durch die Abschaffung von Steuerprivilegien bei Privatflugzeugen, die Besteuerung von fossilen Übergewinnen und den Abbau klimaschädlicher Subventionen. Doch stattdessen klebt die Bundesregierung mit dem neuen Tankrabatt ein neues und sehr teures fossiles Pflaster, das die Wunde nicht heilen kann“, sagt Marianne Lotz.