Mitarbeiter eines Unternehmens im Büro © Weedezign/iStock/GettyImages

WWF Kommentar zum Investitionsgipfel in Berlin

Stand: 20.10.2026

WWF: Verlässliche politische Rahmenbedingungen sind entscheidend für Investitionen

Berlin, 20.10.2026. Die Bundesregierung wirbt heute auf dem „Invest in Germany Summit“ um Investoren, die Ausgaben für industrielle KI, den Ausbau der Stromnetze und der Verkehrsinfrastruktur voranbringen sollen. Das scheint nötig, denn laut einer Studie von Allianz Research gehen die privaten Investitionen in Deutschland zurück, während sie im EU-Ausland oder den USA steigen. Die Gründe für die Zurückhaltung liefert die Studie ebenfalls: steigende Energiekosten, hohe Abgaben und zu viel Bürokratie.

Aus Sicht des WWF Deutschland fehlt ein entscheidender Punkt in dieser Betrachtung. „Es geht um Investitionssicherheit. Und um Investitionssicherheit herzustellen, braucht es einen klaren rechtlichen Rahmen und einen stringenten politischen Kurs in Richtung Transformation. Bürokratieabbau ist dort richtig und notwendig, wo Vorschriften überflüssig, doppelt oder praxisfern sind. Wo zugunsten kurzfristiger Entlastungen aber Regeln aufgeweicht oder aufgeschoben werden, die nachhaltiges Wirtschaften ermöglichen und unsere natürlichen Lebensgrundlagen schützen, bringt das langfristig Verunsicherung. Es ist diese Verunsicherung, die Investitionen, Wettbewerbsfähigkeit und Wirtschaftswachstum hemmt. Deutlich wird das bei den stetig steigenden Energiepreisen, die weiter in die Höhe schnellen werden, solange wir politisch an fossilen Importen festhalten und erneuerbaren Energien neue Steine in den Weg legen“, sagt Silke Düwel-Rieth, Bereichsleitung Wirtschaft und Märkte beim WWF Deutschland.

So zeigte eine WWF-Analyse unlängst, dass politische Unsicherheit wirtschaftliche Folgen hat: Sie geht mit einem messbaren Rückgang des Bruttoinlandsprodukts einher und steht in Zusammenhang mit sinkenden Unternehmensinvestitionen und Beschäftigung. Zudem zeigte eine Befragung des WWF in Zusammenarbeit mit GlobeScan unter 350 Führungskräften europäischer Unternehmen, dass 91 Prozent davon überzeugt sind, dass der Übergang zu einer klimafreundlichen und ökologisch nachhaltigen Wirtschaft die langfristige Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen stärkt. Nur 29 Prozent beurteilten die Auswirkungen der jüngsten EU-Bemühungen zur Vereinfachung der Nachhaltigkeitsgesetzgebung auf ihr Unternehmen positiv. Zu den am häufigsten genannten negativen Folgen zählt die gestiegene Unsicherheit über die künftige politische Ausrichtung.

Der Appell des WWF an die Bundesregierung ist daher eindeutig: Langfristige regulatorische Verlässlichkeit und eine konsistente Finanz- und Wirtschaftspolitik sind entscheidend, um privates Kapital für die Transformation zu mobilisieren und den Wirtschaftsstandort Deutschland zukunftsfähig aufzustellen. Dazu gehören eine klare Ausrichtung an den internationalen Klima- und Naturschutzzielen sowie ein stabiles regulatorisches Fundament.

„Gute Reformen reduzieren Komplexität, ohne die strategische Richtung ständig zu verändern. Unternehmen brauchen keine Absenkung der Nachhaltigkeitsambitionen, sondern verlässliche Regeln und praktikable Wege, diese umzusetzen. Nur so können sie langfristig investieren und die Chancen der Transformation für Innovation, Resilienz und Wettbewerbsfähigkeit nutzen“, so Düwel-Rieth.

Kontakt

Julia Dibiasi

Pressesprecherin

Kreislaufwirtschaft und nachhaltige Finanzen / Berlin


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