Umweltverbände fordern im Vorfeld des Nordseegipfels naturverträglichen Offshore-Ausbau

Berlin, 22. Januar 2026. Der Umweltdachverband Deutscher Naturschutzring (DNR) hat heute gemeinsam mit den Umweltorganisationen BUND, Deutsche Umwelthilfe (DUH), NABU, Greenpeace und WWF ein Positionspapier zum naturverträglichen Ausbau der Offshore-Windenergie veröffentlicht. Anlass ist der bevorstehende Nordseegipfel am 26. Januar in Hamburg, auf dem zentrale Weichen für die Zukunft der Nordsee als Energie- und Wirtschaftsraum gestellt werden sollen. Die Verbände begrüßen den ambitionierten Ausbau der erneuerbaren Energien ausdrücklich und appellieren, Klimaschutz und Meeresschutz konsequent zusammenzudenken.

„Gesunde Meere sind unverzichtbar für den Klimaschutz – als CO₂-Speicher, Lebensraum und Grundlage unserer Zukunft“, so die Organisationen. „Genauso ist Klimaschutz unverzichtbar für die Gesundheit der Meere.“ Der Ausbau der Offshore-Windenergie könne und müsse einen entscheidenden Beitrag zur Energiewende leisten. Voraussetzung sei jedoch, dass sich die Ausbauziele an den Belastungsgrenzen des marinen Ökosystems orientieren und mit einer deutlichen und konsequenten Reduktion anderer Nutzungen wie der Exploration fossiler Energieträger, der Schifffahrt oder des Rohstoffabbaus einhergehen. 

In ihrem Papier formulieren die Verbände konkrete Vorschläge für einen naturverträglichen Offshore-Ausbau. Dazu zählen eine ökosystembasierte Meeresraumplanung auf Seebeckenebene, der konsequente Schutz und die Wiederherstellung ökologisch wertvoller Gebiete, hohe Umweltstandards bei Planung, Bau, Betrieb und Netzanbindung  von Windparks sowie ein transparentes, nationales Monitoringprogramm. Auch das Auktionsdesign für Offshore-Flächen müsse weiterentwickelt werden, um Innovationen, ökologische Mindeststandards und naturverträgliche Technologien stärker zu honorieren. Dazu wird der WWF zum Start des Nordseegipfels am Montag eine neue Analyse veröffentlichen.

Kritisch sehen die Umweltverbände zudem den bisherigen Vorbereitungsprozess des Nordseegipfels. „Zivilgesellschaftliche Organisationen wurden bislang nur unzureichend eingebunden, Entscheidungswege sind kaum transparent. Der monosektorale Fokus des Gipfels verstellt den Blick auf wesentliche Herausforderungen des Offshore-Ausbaus: die vielfältigen Nutzungsansprüche müssen gelöst, die Überlastung reduziert, Natur- und Klimaschutz in Einklang gebracht werden. Zumal da Deutschland seit Jahren zentrale Verpflichtungen aus der FFH- und Vogelschutzrichtlinie sowie der Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie verfehlt“, so die Organisationen. Des Weiteren ist angesichts der grenzüberschreitenden Auswirkungen des Offshore-Ausbaus eine enge Kooperation mit den Nordseeanrainerstaaten unerlässlich. Deutschland muss diese Zusammenarbeit deutlich stärker in den Fokus rücken.

„Der Nordseegipfel bietet die Chance, Klimaschutz und Meeresschutz gleichzeitig voranzubringen“, betonen die Organisationen. „Dafür braucht es Offenheit, Beteiligung und den politischen Willen, Umweltschutz als integralen Bestandteil der Energiewende zu verankern.“

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Lea Vranicar

Pressesprecherin

Klimaschutz und Energiepolitik / Berlin

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