Am Donnerstag, den 30. Juli, ist Earth Overshoot Day (deutsch: Erdüberlastungstag). Ab diesem Tag lebt die Menschheit rechnerisch über ihre ökologischen Verhältnisse: Die natürlichen Ressourcen, die die Erde innerhalb eines Jahres erneuern kann, sind dann bereits aufgebraucht. Um den aktuellen weltweiten Verbrauch zu decken, wären rund 1,73 Erden nötig. Die Folgen der Übernutzung sind längst sichtbar, etwa durch Entwaldung, degradierte Böden, den Verlust biologischer Vielfalt und steigende CO2-Konzentrationen in der Atmosphäre.
Im vergangenen Jahr fiel der Earth Overshoot Day noch auf den 24. Juli. „Dass der Erdüberlastungstag dieses Jahr sechs Tage später liegt als 2025 darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir weiterhin deutlich über die ökologischen Grenzen unseres Planeten hinaus wirtschaften“, sagt Björn Schulz, Experte für Kreislaufwirtschaft beim WWF Deutschland. Denn die Verschiebung geht überwiegend auf aktualisierte Daten zurück.
„Tatsächlich wächst die Lücke zwischen dem hohen Ressourcenverbrauch der Menschheit und der Regenerationsfähigkeit der Erde weiter“, sagt Schulz. „Das könnte sich jedoch ändern. Viele Menschen sind bereit, ressourcenschonender zu leben – wenn die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen stimmen.“
Die WWF-Studie „Ressourcenleicht Leben 2045“ zeigt: Es ist möglich, den vom Umweltbundesamt (UBA) auf 16 Tonnen pro Kopf und Jahr bezifferten durchschnittlichen Ressourcenverbrauch in Deutschland zu halbieren – und trotzdem ein gutes Leben zu führen. Wie das im Alltag aussieht, wird anhand von fünf fiktiven Charakteren mit unterschiedlichen Lebenswirklichkeiten deutlich, die von einem Bürgerforum unter Anleitung von Politics for Tomorrow und Öko-Institut entwickelt wurden. Die Gemeinsamkeit: Alle nutzen ressourcenschonende Mobilitätsangebote, setzen auf eine stärker pflanzenbetonte Ernährung und achten auf längere Lebenszyklen von Möbeln oder Elektrogeräten mittels Reparatur und Wiederverwendung.
„Ressourcen sparen und ein gutes Leben führen, sind keine Gegensätze“, sagt Schulz. „Der Earth Overshoot Day macht deutlich, wie groß der Handlungsbedarf ist. Um den Ressourcenverbrauch zu senken, kommt es jetzt darauf an, die notwendigen politischen Weichen zu stellen. Dafür brauchen wir einen entschlossenen Ausstieg aus fossilen Energien und eine konsequente Priorisierung von zirkulären Geschäftsmodellen. Die Novelle des Kreislaufwirtschaftsgesetzes und der geplante europäische Circular Economy Act bieten die Chance, übergeordnete und verbindliche Ressourcenschutzziele gesetzlich zu verankern. Dazu gehören Reduktionsziele, aber auch eine gezielte Förderung von Wiederverwendung und Reparatur, um nachhaltige Konsumentscheidungen für Verbraucher flächendeckend verfügbar und finanziell attraktiv werden.“