Ranzen zu, Koffer auf: Am Montag, 29. Juni, starten in Hessen, Rheinland-Pfalz und im Saarland die Sommerferien für Schulkinder. Für viele Familien beginnt damit die schönste Zeit des Jahres. Auf den Autobahnen rollen die ersten Reisewellen in Richtung Süden, Küste und in die Berge. Doch die Ferienzeit zeigt auch die Schattenseiten des Reisens: Massentourismus setzt Natur und Menschen im Reiseland unter Druck. Volle Strände, überlastete Zufahrtsstraßen, Müll, steigender Wasserverbrauch und gestresste Wildtiere sind typische Folgen. Das Phänomen ist als Overtourismus bekannt und wird durch Social Media verschärft, wenn tausendfach geteilte Orte schnell zu Hotspots werden, an denen Touristenmassen einfallen.
„Verreisen schenkt uns Erholung, Inspiration und neue Perspektiven. Wer dabei Natur und Artenvielfalt mitdenkt, kann Urlaubsorte oft noch intensiver erleben: abseits der bekannten Hotspots, mit mehr Zeit für die Umgebung, mit Respekt vor Wildtieren und einem Blick für lokale Angebote. Bewusstes Reisen bedeutet nicht Verzicht, sondern eröffnet häufig die schöneren, authentischeren Seiten eines Reiseziels”, sagt Martina von Münchhausen, Expertin für nachhaltigen Tourismus beim WWF Deutschland.
Der WWF empfiehlt Reisenden, die Urlaubszeit mit einfachen Kniffen umweltschonender zu gestalten:
- Hotspots entlasten und entschleunigen
Oft sind das Hinterland, kleinere Orte oder weniger bekannte Naturerlebnisse entspannter, günstiger und authentischer. Wer Wanderungen, Kanu- oder Fahrradtouren ausprobiert, reist langsamer und erlebt die Region intensiver. Auch hilfreich: beliebte Orte nicht zur Hauptzeit besuchen, dabei markierte Wege respektieren und sensible Bereiche meiden. - Müll vermeiden, besonders Einwegplastik
Eine Trinkflasche, eine Brotdose, Besteck für unterwegs und ein Stoffbeutel passen in fast jedes Gepäck und sparen unterwegs viel Verpackungsmüll. Nicht alle Reiseziele verfügen über ausreichende Kapazitäten zur Müllentsorgung und Recycling. Besonders wichtig: Zigarettenkippen gehören niemals in Sand, Natur oder Straßengullys. Sie sind laut UN der häufigste Plastikmüll an Stränden, zerfallen zu Mikroplastik und enthalten viele Giftstoffe wie Schwermetalle und Teer, die in Böden und Gewässer gelangen und dort Tiere und Pflanzen und unser Grundwasser schädigen können. - Bewusst mit Wasser umgehen
In beliebten Reiseländern wie Frankreich, Spanien, Italien oder Griechenland wird Wasser in den Sommermonaten knapper. Gleichzeitig steigt der Verbrauch in Urlaubsregionen durch Pools, Golfplätze, Wellnessangebote, häufiges Duschen und tägliche Hotelwäsche. Reisende können gegensteuern: kurz duschen, Handtücher und Bettwäsche nur bei Bedarf wechseln, die Zimmerreinigung im Hotel nicht täglich nutzen und wasserintensive Hotelausstattungen und Freizeitaktivitäten kritisch hinterfragen. - Weniger Fliegen und öffentliche Verkehrsmittel benutzen
Am besten beginnt die Entlastung schon bei der Anreise: Bahn und Fernbus sind meist deutlich klimafreundlicher als das Flugzeug. Auch vor Ort lohnt sich der Umstieg auf Bus, Bahn, Fahrrad oder die eigenen Füße. Das spart Emissionen, vermeidet Staus und Parkplatzdruck und macht den Urlaub oft entspannter. Für Ausflüge können organisierte Tagesfahrten per Reisebus eine gute Alternative zum eigenen Pkw sein. - Keine Souvenirs aus geschützten Arten kaufen
Korallen, Elfenbein, Reptilienleder, Muscheln, Sand oder Produkte aus geschützten Pflanzen und Tieren sind keine harmlosen Urlaubsandenken. Viele dieser Mitbringsel sind verboten oder genehmigungspflichtig. Auch vermeintliche lokale „Delikatessen“ mit tierischen Bestandteilen können problematisch sein. Besser sind lokal hergestelltes Kunsthandwerk oder fair produzierte Waren wie Kräuter oder Kaffee, die vor Ort Wertschöpfung schaffen, ohne Natur zu zerstören. - Die Küche im Reiseland genießen mit Respekt für Natur und Umwelt
Kulinarische Spezialitäten des Reiselandes zu entdecken, rundet jeden Urlaub ab – sei es die beliebte mediterrane Küche oder lokale Fischspezialitäten. Doch in einigen Ländern landen nicht selten bedrohte oder überfischte Arten auf dem Teller. Vor allem bei Fleisch, Fisch oder Meeresfrüchten sollte man aufmerksam sein. Im Zweifel bieten vegetarische Gerichte einen gleichwertigen Genuss. - Wildtiere respektieren
Wildtiere sind keine Fotokulisse. Reisende sollten keine Angebote unterstützen, bei denen Wildtiere als Touristenattraktion abgerichtet und vorgeführt, berührt, geritten oder für Selfies benutzt werden. Dazu zählen etwa Elefantenreiten, Delfinarien oder direkte Interaktionen mit Tigern, Affen oder Meeressäugern. Besser sind seriöse Schutzprojekte, Nationalparks und Beobachtungsangebote mit Wildtieren in ihrem natürlichen Lebensraum mit klaren Regeln, Abstand und geschulten Guides.
„Wer sich im Urlaub rücksichtsvoll verhält, schützt genau das, was Reisen so besonders macht: lebendige Natur, sauberes Wasser, wilde Tiere und Orte, an denen Menschen gern leben und Gäste willkommen heißen“, so von Münchhausen.