Deutschland verbraucht 16 Tonnen Rohstoffe pro Person und Jahr – das Doppelte von dem, was Wissenschaftler:innen als nachhaltig betrachten. Das gefährdet nicht nur Klima und Artenvielfalt, sondern auch unsere wirtschaftliche Unabhängigkeit. Mit dem neuen Bericht „Ressourcenleicht Leben 2045“ zeigt der WWF Deutschland: Die Halbierung des Ressourcenverbrauchs ist machbar.
„Wir verbrauchen jedes Jahr das Gewicht von zehn Autos pro Person an Rohstoffen – und machen uns damit abhängig von instabilen Lieferketten, geopolitischen Krisen und steigenden Preisen. Wer das halbiert, gewinnt: mehr Sicherheit, mehr Freiheit, mehr Lebensqualität. Beim aktuellen Tempo unterschreitet Deutschland die 8-Tonnen-Grenze erst im Jahr 2214. Wir müssen die Reduktionsgeschwindigkeit verachtfachen. Das ist keine Öko-Forderung. Das ist Wirtschafts- und Standortpolitik. Die Bundesregierung muss Ressourcenziele verbindlich festlegen und gesetzlich verankern – als zentrale Leitplanke für eine zukunftsfähige Wirtschaft und ein gutes Leben für alle“, sagt Björn Schulz, Experte für Kreislaufwirtschaft beim WWF Deutschland
Das Ergebnis des Berichts überrascht: Bürgerinnen und Bürger wurden gebeten, ihr gutes Leben im Jahr 2045 zu entwerfen – ohne vorgegebenes Tonnenziel. Alle fünf modellierten Lebensstile landeten unter 8 Tonnen Rohstoffverbrauch. Die Lebensqualität bleibt erhalten, in vielen Fällen steigt sie sogar. Und noch ein Befund zeigt, wie sehr das Problem an der Politik hängt und nicht an den Menschen: Nur 32 Prozent finden einen ressourcenleichten Lebensstil unter heutigen Bedingungen attraktiv – aber 55 Prozent, wenn Infrastruktur, faire Preise und verlässliche Alternativen stimmen. Die Bereitschaft ist da. Es fehlen die Rahmenbedingungen.
Die Studie, entstanden aus einem Bürgerforum mit 28 Teilnehmenden, wissenschaftlicher Modellierung durch das Wuppertal Institut und einer bundesweiten Repräsentativbefragung (n=1.001), benennt fünf Hebel für eine Ressourcenwende:
- Ein Leben mit 8 Tonnen ist realistisch. Fünf modellierte Alltagspersonen – von der Stadtbewohnerin bis zum Rentner auf dem Land – zeigen: Wer ressourcenleicht lebt, verzichtet nicht auf Lebensqualität. Pflanzliche Ernährung, kompaktere Wohnflächen und geteilte Mobilität reichen aus.
- Die Mehrheit will Rückendeckung – keine Belehrung. 58 Prozent der Bevölkerung befürworten gesetzliche Maßnahmen zur Ressourcensenkung. Die Botschaft ist eindeutig: ermöglichen statt ermahnen. Gute Infrastruktur, faire Preise und verlässliche Alternativen schaffen mehr Wandel als jede Kampagne.
- Ressourcenleicht leben ist ein Gewinn. Weniger Konsumdruck, mehr Zeit, geringere Kosten: Wer ressourcenleicht lebt, gewinnt an Freiheit. Suffizienz überzeugt, wenn sie als Alltagsentlastung erlebbar wird – nicht als abstraktes Einsparziel.
- Wandel gelingt nur mit den Menschen und einem aktiven Mitgestalten. Wer mitgestaltet, trägt Veränderungen mit. Bürgerbeteiligung ist kein Goodwill – sie ist die Voraussetzung für demokratisch legitime und dauerhaft tragfähige Ressourcenpolitik.
- Gerechtigkeit entscheidet über Erfolg oder Scheitern. Haushalte mit hohem Einkommen verursachen fast doppelt so viele Ressourcen wie einkommensschwache. 75 Prozent der Bevölkerung fordern: Wer mehr verbraucht, muss mehr Verantwortung übernehmen. Ohne faire Lastenverteilung wird der Wandel nicht akzeptiert – und nicht von Dauer sein.