Berlin, 6.11.2026: Wenige Tage vor Beginn der Weltklimakonferenz COP31 im türkischen Antalya fordert der WWF den Ausstieg aus fossilen Energien mit aller Entschlossenheit voranzubringen. Deutschland hat international mit dem Vorlegen seiner Roadmap zur Abkehr von Fossilen (TAFF) ein wichtiges Signal gesetzt, aber der Inhalt bleibt weit hinter dem Notwendigen zurück.
„Die Warnungen könnten nicht lauter tönen, aber noch immer scheinen viele nur mit einem Ohr hinzuhören – oder gleich die Kopfhörer aufzulassen“, kritisiert Fentje Jacobsen, Co-Leiterin Klima und Energie beim WWF Deutschland. Aktuell ist die Weltgemeinschaft auf Kurs für eine Erderhitzung von 2,8 Grad, wie gerade ein neuer UN-Report gezeigt hat. Eine solch starke Erhitzung hätte verheerende Auswirkungen für unser wirtschaftliches, gesundheitliches und soziales Wohlergehen.
„Die gute Nachricht ist: Noch sind die 2,8 Grad nicht gesetzt, wir können die Klimakrise noch eindämmen. Dafür sollte Deutschland zuhause konsequent auf Erneuerbare setzen, unter anderem mit einem Netzpaket für eine moderne und digitalisierte Stromnetzinfrastruktur ohne Bremsklötze für die Wind- und Solarenergie“, so Jacobsen. Über das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) und das Netzpaket soll parallel zur COP31 final entschieden werden.
Während Deutschland und insbesondere auch die anderen Industriestaaten und großen CO2-Verursacher zuhause liefern müssen, ist ebenso wichtig, dass auf der COP selbst die Arbeiten zur CO2-Minderung vorankommen. Aktuell bestehen beim Thema Minderung noch große Lücken. Es braucht ein Mitigation Work Programme, das zu einem wirksamen Hebel für die Schließung dieser Lücke wird. Dies sollte auf der COP31 beschlossen werden. Außerdem sollten möglichst viele weitere Länder TAFF-Roadmaps vorlegen und aufzeigen, wie sie die Abkehr von Fossilen national umsetzen wollen. Auch die von der brasilianischen COP30-Präsidentschaft ausgearbeitete Global TAFF Roadmap muss verstetigt werden.
Verbunden mit dem Ausstieg aus Fossilen und dem Ausbau Erneuerbarer ist die Elektrifizierung ein zentraler Baustein. Der COP31-Gastgeber Türkei setzt sich für eine Initiative ein, den Anteil der Elektrifizierung am globalen Endenergieverbrauch bis 2035 auf 35 Prozent zu steigern. Dieser Initiative sollten sich möglichst viele Länder anschließen und sie auf Basis erneuerbaren Stroms umsetzen.
Voraussetzung für all dies ist, dass ausreichend finanzielle Mittel bereitgestellt werden - unter anderem für den dringend nötigen Wandel zu einem zukunftsfesten Energiesystem. Daneben braucht es deutlich mehr Gelder für die Anpassung an die Klimakrise und die Schäden und Verluste, die wir auch heute schon deutlich erfahren.
Damit das neue internationale Finanzierungsziel von 300 Milliarden US-Dollar jährlich bis 2035 erreicht wird, sollten die Industrieländer vor und während der COP konkrete und ausreichend hohe Zusagen machen. Der WWF fordert von Deutschland eine Steigerung der öffentlichen internationalen Klimafinanzierung auf mindestens 12 Milliarden Euro jährlich bis 2030. In der aktuellen Haushaltsplanung wird nicht einmal das bestehende 6 Milliarden-Versprechen eingehalten. Parallel zur COP31 muss die Bundesregierung daher zeigen, dass sie bestehende Zusagen ernst meint und die bereitgestellten Mittel in den abschließenden Haushaltsverhandlungen erhöhen.
Die Verhandelnden sollten sich bewusst machen: Deutschland profitiert von Investitionen in Klimaschutz – zuhause wie andernorts, da sie Vorsorge gegen deutlich höhere Schäden und Folgekosten in der Zukunft sind und die globale Resilienz deutlich erhöhen. Auf der COP31 muss das Arbeitsprogramm zur Klimafinanzierung genutzt werden, um die Zusagen der Industrieländer verbindlicher, transparenter und besser planbar zu machen. Zusätzliche Mittel stünden zur Verfügung, wenn zum Beispiel umwelt- und klimaschädliche Subventionen abgebaut und umgewidmet würden.
„Wir sind keine Insel. Unsere Wirtschaft ist global vernetzt. Investitionen in die Zukunftsfähigkeit der Wirtschaft, in das Wohlergehen der Menschen und in den Schutz der Natur in der ganzen Welt lohnen sich auch national“, so Jacobsen. Daher braucht es nicht nur Mittel für die Transformation, sondern auch für Schäden und Verluste. Und für die Anpassung: Der WWF fordert, dass die Anpassungsfinanzierung auf Basis des Ziels von 2025 bis 2035 verdreifacht wird. Dieses Ziel muss bei der COP31 verbindlich festgehalten und mit einem glaubwürdigen Pfad unterlegt werden, der auf der Bereitstellung öffentlicher Mittel beruht. Zudem braucht das globale Anpassungsziel wirkungsvolle Kriterien für die Umsetzung.