Bengal-Tiger mit Nachwuchs im Wasser

WWF Living Planet Report 2026

Stand: 08.10.2026

Rückgang der Wildtierbestände weltweit setzt sich fort

Die Populationsgrößen von Säugetieren, Amphibien, Reptilien, Vögeln und Fischen nehmen weiterhin stark ab. Zwischen 1970 und 2022 sind die weltweit erfassten Wirbeltierpopulationen im Durchschnitt um 73 Prozent geschrumpft. Das zeigt der neue Living Planet Report des WWF. Die größten Rückgänge verzeichnet der Bericht mit durchschnittlich 85 Prozent in Flüssen, Seen und anderen Süßwasserlebensräumen. An Land betrug das Minus 69 Prozent, in den Meeren 59 Prozent. Dahinter stehen laut dem Bericht grundlegende Fehlentwicklungen in der Lebensmittelproduktion, der Energieversorgung und im Finanzsystem. Durch Transformation sind positive Wendepunkte möglich.

„Die Natur geht in einem wahnsinnigen Tempo verloren und mit ihr unser Zuhause. Ohne die biologische Vielfalt auf diesem Planeten fehlen Lebensmittel, Medikamente, sauberes Wasser und sichere Orte zum Leben. Der Abwärtstrend lässt sich umkehren, wenn wir den Schutz der Natur verbindlich in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft verankern“, fordert Kathrin Samson, Vorständin Naturschutz beim WWF Deutschland.

Alle Ursachen für das massive Artensterben sind menschengemacht
Der Verlust von Lebensraum und dessen stete Verschlechterung sind die häufigsten Bedrohungen für die untersuchten Wirbeltierpopulationen, gefolgt von Wilderei und nicht nachhaltiger Nutzung, den Auswirkungen der Klimakrise, Umweltverschmutzung und dem Einfluss invasiver Arten und Krankheiten. Drei Systeme tragen zu großen Teilen zu diesen Bedrohungen bei: Lebensmittelproduktion, die Energieerzeugung und das Finanzsystem. Es fließt beispielsweise weltweit rund 33-mal so viel Geld in naturschädigende Aktivitäten wie in den Schutz und die Wiederherstellung der Natur. „Wir subventionieren die Zerstörung unserer eigenen Lebensgrundlagen. Politik, Banken und Investoren müssen diese Geldflüsse umlenken und den Schutz der Natur zur Bedingung für Finanzierungen machen“, fordert Kathrin Samson.

Es gibt Grund zur Hoffnung
Positive Veränderungen in der Lebensmittelproduktion, Energieversorgung und Finanzbranche können sich selbst verstärken. Sind bestimmte Schwellen überschritten, kann der Wandel schneller und günstiger werden. In der Energieerzeugung ist beispielsweise Solarenergie heute in den meisten Ländern der Erde die kostengünstigste Quelle zur Stromerzeugung. Die weltweite Solarleistung verdoppelt sich alle drei Jahre.

Und auch im Artenschutz gibt es Lichtblicke. Der weltweite Abwärtstrend betrifft nicht alle erfassten Tierbestände. Rund die Hälfte der im Living Planet Index erfassten Populationen ist stabil oder wächst. Erfolge bei der Grünen Meeresschildkröte, beim Blauflossen-Thunfisch, beim Tiger und einzelnen Elefantenbeständen im südlichen Afrika zeigen im WWF-Bericht, dass gezielte Schutzmaßnahmen eine Erholung ermöglichen können.

Tigerbestand wächst durch Schutzmaßnahmen: Die Zahl der wildlebenden Tiger ist seit 2010 weltweit von 3.200 auf rund 5.700 gestiegen - ein Zuwachs von mehr als 70 Prozent. Dazu beigetragen haben ausgeweitete Schutzmaßnahmen, besser ausgestattete Ranger-Einheiten und der grenzüberschreitende Kampf gegen illegalen Handel. Entscheidend waren politischer Wille sowie die langfristige Zusammenarbeit von Regierungen, Naturschutzorganisationen und der Bevölkerung vor Ort.

Fangbeschränkungen ermöglichen Erholung von Thunfischen: Niedrigere Fangquoten und verstärkte Kontrollen haben beim Atlantischen und Pazifischen Blauflossen-Thunfisch dazu beigetragen, den starken Negativtrend umzukehren. „Verbindliche Regeln wirken, wenn sie konsequent durchgesetzt werden“, so Kathrin Samson.
 
Grüne Meeresschildkröte weltweit nicht mehr als gefährdet eingestuft: Die Grüne Meeresschildkröte wurde 2025 auf der weltweiten Roten Liste von „stark gefährdet“ auf „nicht gefährdet“ herabgestuft. Dahinter stehen rund 50 Jahre koordinierter Schutzarbeit in etwa 80 Ländern mit Nistvorkommen. Mitentscheidend für den Erfolg waren Maßnahmen zur Eindämmung naturschädlicher Infrastruktur an Niststränden, der Schutz von Eigelegen und die Verringerung des Beifangs in der Fischerei.
 
Regionale Erfolge bei bedrohten Elefanten: Im südlichen Afrika wachsen einzelne Bestände des Afrikanischen Savannenelefanten – auch dank Schutzprogrammen, die lokale Gemeinschaften einbinden und ihnen Vorteile bringen. In weiten Teilen seines Verbreitungsgebiets gehen die Bestände jedoch zurück. Die Art bleibt stark gefährdet.

Die nächste große Bühne 
Ab dem 19. Oktober trifft sich die Staatengemeinschaft auf der COP17, der Weltnaturkonferenz in Armenien. „Hier zeigt sich, wie groß der politische Wille ist, die Systeme zu transformieren und unsere Lebensgrundlagen zu schützen. Die Konferenz muss ein Wendepunkt sein. Entscheidend ist nicht mehr, welche Ziele die Staaten grundsätzlich unterstützen, sondern was sie konkret tun, wie schnell sie handeln und ob dadurch messbare Fortschritte beim Schutz der biologischen Vielfalt bis 2030 entstehen. Dafür braucht es eindeutige Entscheidungen“, unterstreicht Kathrin Samson.

Hintergrund: Was der Living Planet Index misst 
Der von der Zoologischen Gesellschaft London (ZSL) erstellte Living Planet Index ist eine zentrale Datengrundlage des Berichts. Er beschreibt, wie sich die Größe erfasster Wirbeltierbestände weltweit seit 1970 verändert. Die Auswertung umfasst 35.803 Populationstrends von 5.790 Arten, darunter Säugetiere, Vögel, Fische, Reptilien und Amphibien. Eine Population ist ein Bestand einer Art in einem bestimmten Gebiet. Für eine Art können mehrere solcher Bestände erfasst sein.

Der Index fasst die relativen Veränderungen der Bestandsgrößen zu einem globalen Trend zusammen. Ein Rückgang um 73 Prozent bedeutet weder, dass 73 Prozent aller Wildtiere verschwunden sind, noch, dass 73 Prozent der Arten ausgestorben sind. Er beschreibt die durchschnittliche proportionale Abnahme der erfassten Bestände seit 1970. In die Berechnung fließen schrumpfende, stabile und wachsende Populationen ein. 

Die Indexwerte verschiedener Berichtsausgaben sind nicht unmittelbar miteinander vergleichbar: Mit jeder Aktualisierung kommen zusätzliche Daten hinzu und der Untersuchungszeitraum verlängert sich. Der Living Planet Report 2026 betrachtet die Entwicklung von 1970 bis 2022. Auch im vorangegangenen Report 2024 wurde ein globaler Living Planet Index von -73 Prozent gemessen, er blieb 2026 unverändert negativ.
 

Weitere Informationen: 

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•         Zur Website: Living Planet Report 2026
 

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Kontakt

Freya Duncker

Pressesprecherin

Meeresschutz und Biodiversität / Hamburg

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