Massentourismus in der Türkei © Michel Gunther / WWF

Tourismus bleibt auf Kurs – aber in die falsche Richtung

Stand: 25.09.2026

WWF fordert zum Welt-Tourismustag ein Umsteuern

Extreme Hitze, Waldbrände, überfüllte Reiseziele mit großen Müll- und Abwasserproblemen, Wasserknappheit und wachsende Proteste gegen Massentourismus: Die Reisesaison 2026 hat gezeigt, wie stark der Tourismus von der Natur – und Klimakrise betroffen ist und gleichzeitig selbst massiv zu Umweltproblemen beiträgt. Anlässlich des Welttourismustags am 27. September fordert der WWF Deutschland ein Umsteuern.

Denn der Tourismussektor wächst weltweit immer weiter, allerdings nicht in verantwortungsvoller Weise, sondern zu Lasten von Natur und Umwelt: Der internationale Flugverkehr erreichte im laufenden Jahr bereits neue Höchststände. Weltweit entstehen Tausende neue Hotels, und die Kreuzfahrtbranche baut ihre Kapazitäten weiter aus. Die Nachfrage steigt und fordert neue Investitionen und Standorte.

„Die Krisen verschärfen sich, doch der Tourismus macht weitgehend weiter wie bisher. Mehr Flüge, mehr Betten und mehr Kapazitäten treffen auf Destinationen, die vielerorts längst an ihre Grenzen kommen. Tourismus bleibt auf Kurs, aber dieser Kurs muss sich ändern.“

Martina von Münchhausen, Tourismus-Expertin beim WWF Deutschland

Zwar investieren einige Branchenvertreter in Maßnahmen, die Verbrauch und Übernutzung senken, wie jüngst etwa ein WWF-Bericht zur Kreislaufwirtschaft in der Hotellerie gezeigt hat. Doch positive Tendenzen wie ressourcenschonende Maßnahmen und effiziente Technologien bei Klima- und Umweltschutz werden durch starkes Wachstum überlagert. Die Folgen sind zusätzlicher Ressourcenverbrauch, steigende Emissionen, mehr Abfall und Belastungen für sensible Ökosysteme. Durch die Ausbreitung des Tourismus schwinden immer mehr natürliche Lebensräume und die in ihnen lebenden Tier - und Pflanzenarten.

Zum Welttourismustag am 27. September fordert der WWF Deutschland deshalb mehr Verantwortung auf allen Ebenen:

  • Die Tourismuswirtschaft muss ihre Angebote grundlegend nachhaltiger gestalten: Klima- und Naturschutz gehören in die gesamte Wertschöpfungskette. Unternehmen müssen zudem mehr Verantwortung für ihre Destinationen übernehmen, auch jenseits der eigenen Hotelanlagen in Form von Allianzen und Partnerschaften.
  • Die Politik muss nachhaltigen Tourismus stärker als Instrument für nachhaltige Entwicklung nutzen: Dazu gehören klare ökologische Grenzen, eine klimafreundliche und bezahlbare Mobilität, Schutzgebiete, Beteiligung lokaler Gemeinden und eine gerechtere Verteilung der wirtschaftlichen Vorteile.
  • Auch Reisende sind gefragt: Preis und Komfort sollten nicht die einzigen Kriterien bei der Wahl von Reiseziel und Anbieter sein. Umweltauswirkungen, Ressourcenverbrauch und die Situation der Bevölkerung und Menschenrechtsverletzungen vor Ort sollten ebenfalls bedacht werden.

Mit Blick auf die bevorstehende UN-Weltnaturschutzkonferenz COP17 fordert der WWF insbesondere die Tourismusbranche auf, sich stärker für den Schutz der Natur einzusetzen. Dabei sollte Vermeiden und Reduzieren durchaus „wörtlich“ genommen werden.

„Natur darf nicht nur die Kulisse sein, mit der Reisen verkauft werden. Wer von intakten Landschaften, Stränden und Meeren wirtschaftlich profitiert, muss auch zu ihrem Schutz beitragen und nicht zu ihrem Verschwinden “, so von Münchhausen.

 

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