Wichtig ist auch: Wir alle können einen Unterschied machen. Wir können Mehrweglösungen in unsere Routinen integrieren, eigene Becher mitnehmen oder aktiv in unseren Lieblingscafés nachfragen. Viele Gastronomiebetriebe beklagen fehlendes Interesse ihrer Kundschaft und halten deshalb nur wenig Mehrwegbehälter bereit. Das können wir gemeinsam ändern!
Ob bei Großveranstaltungen, in der Gastronomie oder auf kommunaler Ebene: Praxisbeispiele zeigen, dass Mehrweg ohne großen Mehraufwand funktioniert, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Der WWF-Bericht „Kreislaufwirtschaft in der Praxis: Wo Mehrweg schon jetzt einfach funktioniert“ macht deutlich, wo das bereits gelingt und was jetzt passieren muss, damit Mehrweg zum Standard wird.
Was der WWF-Bericht zeigt
Die Umsetzungsallianz mehrweg.einfach.machen. (mem) wurde Ende 2022 gegründet, um Mehrwegsysteme im Außer-Haus-Konsum zu stärken.
Der WWF-Bericht „Kreislaufwirtschaft in der Praxis: Wo Mehrweg schon jetzt einfach funktioniert“ fasst die Erfahrungen aus drei Jahren zusammen und macht deutlich: Mehrweglösungen funktionieren; die Mehrwegangebotspflicht reicht jedoch nicht, Mehrweg To-Go in die Breite zu tragen und zum Standard zu machen.
Besonders gut funktionieren Mehrweglösungen heute schon dort, wo Angebote einfach zugänglich sind und die Rückgabe unkompliziert ist. Das zeigt sich vor allem bei Großveranstaltungen und Laufevents. Hier sollten Mehrweglösungen verpflichtend Standard sein. Bei sogenannten offenen Kreisläufen braucht es deutlich ambitioniertere Zielsetzungen und eine aktive Förderung, damit die Verpackungswende gelingt.
Erfolgreiche Beispiele aus der Praxis
Ein besonders beeindruckendes Beispiel ist das Projekt „Mehrweg im Labor Tempelhof“.
Bei den Konzerten der Band „Die Ärzte“ wurden mehr als 57.000 Einwegprodukte (Teller, Schüsseln, Messer, Gabeln) eingespart und ersetzt durch Mehrwegoptionen. Rund 548 Kilogramm Abfall konnten so eingespart werden. Die vielen Rückgabestellen machten die Mehrweglösungen komfortabel – das Feedback der Konzertbesucher:innen war sehr positiv.
Auch bei Laufveranstaltungen zeigte sich großes Potenzial. Beim Berliner Marathon (2023) und Halbmarathon (2022, 2024) konnten Mehrwegbecher zehntausende Einwegbecher ersetzen. Laufveranstaltungen eignen sich aufgrund ihrer hohen Teilnehmer:innenzahl, des hohen Getränkekonsums und der standardisierten Verpflegungsstationen sehr gut zum Einsatz von Mehrweg. Sollten 100 Prozent Mehrwegbecher ausgegeben werden, könnten bei einem Event mit 47.500 Läufer:innen, die an 60 Prozent der insgesamt 15 Ausgabestationen einen Wasserbecher nehmen, 1.800 Kilogramm Abfall gegenüber einem Einwegpappbecher mit PE-Beschichtung der gleichen Gebindegröße vermieden werden.
In der Gastronomie waren vor allem solche Anstöße erfolgreich, die Mehrweg zur einfachen Wahl machen. Dazu gehörten vor allem voreingestellte Mehrwegoptionen, aber auch Anreize für Mitarbeitende, Getränke in Mehrwegbechern statt Einweg proaktiv anzubieten. Diese Maßnahmen steigerten die Mehrwegnutzung, blieben aber oft auf einzelne Standorte begrenzt.
Nicht alle Ansätze waren gleich erfolgreich
Die Kampagne #MehrMehrweg hat eindrucksvoll gezeigt, wie viel Aufmerksamkeit und Reichweite für das Thema gewonnen werden kann.
Wichtige Impulse wurden sichtbar: Erfolgreiche Kommunikation entfaltet ihre Wirkung besonders dann, wenn sie über die Ökobubble hinausgeht und mit konkreten, leicht zugänglichen Lösungen im Alltag verbunden ist. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass der Anteil an Mehrwegverpackungen im To-Go Bereich nicht deutlich gesteigert werden konnte bzw. dazu keine Zahlen vorliegen.
Das Projekt „Mehrweg am Empfang“ lieferte gemischte Signale. Sieben Unternehmen in fünf Städten ermöglichten ihren Mitarbeitenden über vier Wochen die Rückgabe von Mehrwegbehältnissen direkt am Empfangscounter. Nur rund 70 Behältnisse wurden zurückgegeben – obwohl ein Großteil der Befragten die Initiative begrüßte.
Blick in die Zukunft
Mehrweg ist kein Nischenthema, sondern ein wichtiger Baustein der Kreislaufwirtschaft. Damit Mehrweglösungen im To-Go Bereich zur Norm werden und volle Mülleimer im öffentlichen Raum zu Ausnahmeerscheinung, braucht es konsequente Förderung und Umstellung, mehr und einfachere Rückgabemöglichkeiten, gute Kommunikation und die enge Zusammenarbeit in der Umstellung von Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft.
Den Kommunen kommt bei der Verpackungswende eine Schlüsselrolle zu. Im Rahmen der verfassungsrechtlich garantierten kommunalen Selbstverwaltung verfügen Kommunen über substanzielle Handlungsspielräume, insbesondere in den Bereichen Abfallwirtschaft, Veranstaltungsrecht, öffentliche Beschaffung und lokale Wirtschaftsförderung. Damit nehmen sie eine Schlüsselposition bei der praktischen Umsetzung und Durchsetzung von Kreislaufwirtschafts- und Mehrwegstrategien ein.
Die wichtigste Botschaft des WWF-Berichts lautet: Mehrweg funktioniert schon heute. Was es bei Veranstaltungen braucht, ist die konsequente Entscheidung umzustellen; im öffentlichen Raum braucht es klare Ziele und den politischen Willen, diese auch zu erreichen.
Wir alle machen den Unterschied
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