Wie unter einem Brennglas hat sich in Zeiten der COVID19-Pandemie die Zerbrechlichkeit unserer Lebens- und Wirtschaftsweise offenbart: Die Herausforderungen und Chancen für Naturschutz, Ernährungssicherheit, Energieversorgung und Gesundheitsversorgung sind gewaltig. Darüber müssen wir reden - im Online-Video-Talk vom WWF in Zusammenarbeit mit dem SKPlab und t-online.de.

Wir diskutieren mit unseren Gästen, wie wir die Erde besser machen können.

#WWFthink

Im Mittelpunkt von #WWFthink stehen neue Ideen, wissenschaftliche Erkenntnisse und innovative Vorschläge. Das Themenspektrum ist breit: Lösungsansätze zum Schutz vor Pandemien, die nachhaltige Gestaltung von Digitalisierung, die Entwicklung von nachhaltigen Finanzsystemen (Green Finance) und Strategien für ökologisches und soziales Wirtschaften.

#WWFthink Folge 4 am Mittwoch, 20. Januar 2021 um 14 Uhr

Vom Acker auf den Teller - wie lassen sich Lebensmittel nachhaltiger herstellen?

Die Produktion von Nahrungs- und Futtermitteln sorgt für ein reichhaltiges Angebot an Lebensmitteln und füllt unsere Supermarktregale und Kühlschränke. Aber sie macht uns nicht nur satt, sondern stellt den Planeten auch vor riesige Herausforderungen: 70 Prozent der Verluste an biologischer Vielfalt sind auf sie zurückzuführen. Fast ein Drittel der globalen Treibhausgasemissionen werden durch die Produktion von Nahrungs- und Futtermitteln verursacht.

Wir brauchen neue Ideen und Ansätze für eine nachhaltige Ernährung. #WWFthink sucht als Partner der Grünen Woche Berlin im Rahmen des offiziellen Programms das Menü der Zukunft: Wie können wir uns nachhaltiger ernähren? Wie können wir die Produktion verändern? Wie beenden wir die Lebensmittelverschwendung? Welche Alternativen gibt es zu konventionellen Angeboten?

Unsere Gäste:

  • Hans-Joachim Fuchtel, parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft
  • Wolfram Günther, sächsischer Staatsminister für Energie, Klimaschutz, Umwelt und Landwirtschaft
  • Linda Kelly, Bio-Landwirtin
  • Kathrin Muus, Bundesvorsitzende Deutsche Landjugend e.V.
  • Christoph Heinrich, Vorstand Naturschutz, WWF Deutschland

Gastgeber: Marco Vollmar, Geschäftsführer Kommunikation, WWF Deutschland

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#WWFthink Folge 3 vom 10.12.2020:

Genuss mit Nebenwirkungen - wie unser Konsum die Umwelt schädigt und wie wir Abhilfe schaffen können

Diese Diskussion hatte es in sich. Bundesminister Dr. Gerd Müller, WWF CEO Eberhard Brandes, WWF Jugendrätin Lilith Diringer und Anne Kathrin Göbel, die Leiterin der CSR-Abteilung beim Handelsverband HDE, debattierten heftig, aber fair und respektvoll. Natürlich wollen weder Verbraucher:innen noch Unternehmen Produkte, die unter Verletzung von Menschenrechten oder Umweltstandards hergestellt worden sind. Doch deutlich wurde, dass allzu oft nicht so genau hingesehen wird, wie das T-Shirt für zwei Euro oder die Billigbanane produziert werden. Ein Nationales Lieferkettengesetz könnte für Transparenz sorgen und ein Hebel sein, um Abhilfe zu schaffen.

Gerd Müller, Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit ist ein Verfechter eines solchen Gesetzes. Die Zeit der Bekundungen und Absichtserklärungen sei vorbei. „Freiwilligkeit führt nicht zum Ziel, jetzt muss eine gesetzliche Regelung her.“ Woran es fehle, sei der politische Wille und die Umsetzung. Hier setze der Gesetzentwurf an. An die Unternehmensverbände gerichtet beklagte er: „Leider ist der Gegenwind massiv, wenn es ernst wird.“

Anne-Kathrin Göbel wies diese Kritik zurück. „Wir sind keine Totalverweigerer. “ Aber die Politik müsse Vorgaben, machen, die für kleine und mittlere Betriebe handhabbar seien. Es gebe „ eine wahnsinnige Fülle an schlechten Gesetzen, die gut gemeint sind, aber in der Breite nicht umsetzbar sind.“ Überdies sei eine nationale Gesetzgebung nicht zielführend, da es sich um globalisierte Lieferketten handele. Deshalb sei eine internationale Lösung die bessere Wahl.

Lilith Diringer vom WWF Jugendrat wunderte sich, über die aktuelle Diskussion. Im Grunde sei es doch eine Selbstverständlichkeit, dass die Einhaltung der Menschenrechte über die gesamte Lieferkette sichergestellt werden müsse. Sie plädierte für eine konsequente Anwendung des Verursacherprinzips und forderte ein Menschenrecht auf gesunde Umwelt. Deutschland solle mit gutem Bespiel voran gehen. Davon versprach sie sich letztlich sogar Wettbewerbsvorteile.

Ähnlich sah das auch Eberhard Brandes. Der Geschäftsführer vom WWF Deutschland plädierte für ein Gesetz, dass sich nicht auf Menschenrechte beschränkt, sondern „ganz klar auch Umweltaspekte einbezieht“. Diese Erkenntnis werde sich auch bei vielen Unternehmen durchsetzen. Denn jedem der rechnen könne, müsse klar sein, dass man nicht auf Dauer so weiter machen könne wie bisher. Er trat zugleich für ein gemeinsames Agieren von Politik, Wirtschaft und Konsumenten ein. „Es braucht eine übergreifende Allianz unterschiedlicher Akteure, um solche wichtigen Anliegen auch gesetzlich abzusichern.“

Grundsätzlich wurde in der Diskussion klar, dass es beim Thema Lieferketten kein Technik- oder Wissensdefizit gibt, sondern es bei der Umsetzung stockt. Einigkeit herrschte bei den Panellisten darüber, dass eine internationale Gesetzgebung sicherlich hilfreich wäre. Minister Müller brachte es aber auf den Punkt: „Dann bekommen wir es aber in den nächsten 20 Jahren nicht geregelt.“ Deshalb sei Deutschland jetzt bei gesetzlichen Regelungen gefordert.

#WWFthink Folge 2 vom 12.10.2020:

Generation Loser? Verlieren die Jungen in Zeiten von Corona und Klimakrise doppelt?

Dass sich die aktuelle Generation der unter 30-Jährigen tatsächlich als Generation der Verlierer erweisen wird, sahen die Teilnehmer:innen der zweiten Folge nicht. Sie sehen vor allem die Chancen, die aus dieser Ausnahmesituation entstehen. In der Diskussion wurde aber sehr deutlich, dass die Interessen von jungen Menschen bei vielen Entscheidungen, die ihre Lebenswirklichkeit betreffen, nicht ausreichend berücksichtigt werden. Die Weichen für wichtige Zukunftsfragen, etwa den Klimaschutz, werden von Menschen jenseits der 50 gestellt. Mit den Konsequenz ihrer Entscheidungen z.B. zum Klimaschutz werden aber vor allem die kommenden Generationen leben müssen.

Die Ausgrenzung junger Interessen werde gerade in Zeiten der Pandemie deutlich. Die EU-Abgeordnete Delara Burkhardt trat dem Vorwurf entgegen, die Jüngeren seien eine Generation der „ignoranten Superspreader“. Die gesundheitlichen Gefahren seien zwar geringer, aber die psychologischen und wirtschaftlichen Folgen für Schüler und Studenten schlagen aufgrund deren Lebensrealität oft besonders hart zu. Das spiele sich in der politischen Diskussion kaum wieder. „Die Perspektiven von jungen Leuten werden z.B. in den diversen Konjunkturpaketen zu wenig beachtet“, so die SPD-Politikerin.

An diesem Punkt setzte die Unternehmerin und Bestseller-Autorin Diana Kinnert an. Es werde alles getan, um ein altes System aufrechtzuerhalten, anstatt perspektivisch auf neue Konzepte und Modelle zu setzen. Dies zeige sich nicht nur in der Wirtschaftspolitik sondern bereits in der Bildungspolitik, die soziale Gräben noch vertiefe.

Auf diesen Punkt wies auch Jamal Lkhaouni, Mitglied des WWF-Jugendrats hin. Er forderte eine Reform des BaföGs und eine Mitsprache auf Augenhöhe. Eine Beteiligung fürs Schaufenster sei nicht genug.

Grundsätzlich wiesen alle Panelisten darauf hin, dass die Beteiligung junger Menschen noch stark ausbaufähig ist. In der Diskussion wurde beklagt, dass junge Menschen in Parlamenten und Unternehmen unterrepräsentiert seien. Dadurch gehen Entscheidungen häufig an den Interessen der Jüngeren vorbei. Deshalb war man sich in der Runde einig, dass eine Herabsetzung des Wahlalters überfällig sei.

Mit mehr Präsenz im Parlament sei es aber nicht getan Der Marsch durch die Institutionen dauere zu lange, hob Nick Heubeck von fridays for future hervor. „Angesichts der Dringlichkeit der Probleme müssen wir die Leute zum Handeln bewegen, die jetzt an der Entscheidungsmacht sind“

Im Ergebnis wurde deutlich, dass aus Sicht der Gäste die Chancen überwiegen - trotz aller Einschränkungen während der Pandemie. Herausragend die Diskussionskultur der jungen Panelist:innen. Nicht roboterhaft stumpf die Botschaft durchdrücken, sondern zuhören und eingehen auf die anderen Gesprächsteilnehmer und ihre Ideen reflektieren. So entsteht erfreulicherweise eine neue Gesprächskultur jenseits des eingeübten Talkshow-Verhaltens.

#WWFthink Folge 1 vom 18.6.2020:

Die Bedrohung aus dem Regenwald - wie wir uns besser vor Pandemien schützen können

Naturschutz und die Bewahrung von Ökosystemen ist ein zentrales Element, um künftigen Pandemien vorzubeugen. In dieser Einschätzung waren sich die Teilnehmer:innen beim ersten Online-Talk #WWFthink einig. 

Bundesumweltministerin Svenja Schulze unterstrich, dass der Verlust der Biodiversität keineswegs nur ein Problem in anderen Teilen der Welt sei, sondern dass Deutschland hier eine große Mitverantwortung trage. Die intensive Tierhaltung hänge direkt mit der Zerstörung der Natur zum Beispiel in Südamerika zusammen. Das dort angebaute Soja lande hier in den Futtertrögen und das Fleisch werde später nach China exportiert. „Das alles ist nicht nachhaltig,“ so die Ministerin. 

Die Virologin Sandra Junglen von der Charité Berlin erläuterte, dass viele neue Viruserkrankungen, darauf zurückzuführen seien, dass Ökosysteme durch menschliche Eingriffe aus dem Gleichgewicht gebracht werden. Eine intakte Natur könne hingegen helfen, den Ausbruch von Krankheiten zu verringern.

Diese Erkenntnis wurde auch von Arnulf Köhncke, Artenschützer beim WWF ausgeführt. Durch die Zerstörung natürlicher Ökosysteme, den Verlust biologischer Vielfalt und den illegalen Wildtierhandel ist also nicht nur die Gesundheit unseres Planeten, sondern auch unsere eigene in Gefahr. „Das Problem ist nicht, die Natur, die uns bedroht, sondern das Problem ist die Zerstörung der Natur“. 

In der Diskussion wurde die internationale Dimension der Thematik deutlich. Durch die aktuelle Corona Pandemie, sei das Bewusstsein für die Herausforderung gewachsen. Svenja Schulze nannte in diesem Zusammenhang die EU-Verhandlungen zum European Green Deal und im Landwirtschaftsbereich, die so genannte „Farm to fork“ Strategie. Es bleibe aber gerade für die anstehende deutsche Ratspräsidentschaft noch viel zu tun. Es gelte, die unterschiedlichen Interessen der Mitgliedsstaaten unter einen Hut zu bringen. Zentral sei darüber hinaus die Finanzierungsfragen zu lösen.