Wie unter einem Brennglas hat sich in Zeiten der Covid-19-Pandemie die Zerbrechlichkeit unserer Lebens- und Wirtschaftsweise offenbart: Die Herausforderungen und Chancen für Naturschutz, Ernährungssicherheit, Energieversorgung und Gesundheitsversorgung sind gewaltig.

Darüber müssen wir reden – im Online-Video-Talk vom WWF in Zusammenarbeit mit dem SKPlab und t-online.de.

Wir diskutieren mit unseren Gästen, wie wir die Erde besser machen können.

#WWFthink

Im Mittelpunkt von #WWFthink stehen neue Ideen, wissenschaftliche Erkenntnisse und innovative Vorschläge. Das Themenspektrum ist breit: Lösungsansätze zum Schutz vor Pandemien, die nachhaltige Gestaltung von Digitalisierung, die Entwicklung von nachhaltigen Finanzsystemen (Green Finance) und Strategien für ökologisches und soziales Wirtschaften.

#WWFthink Folge 6 - Green Finance

#WWFthink Folge 6 vom 26.05.2021:

Green Finance – wie wir nachhaltiger mit unserem Geld umgehen

Geld ist genug da. Auf fast 1,8 Billionen Euro belaufen sie die Bankeinlagen der deutschen Haushalte aktuell. Ersparnisse, die darauf warten, investiert zu werden. Allerdings ist das oft gar nicht so einfach, vor allem, wenn die Mittel nachhaltig angelegt werden sollen. Bei der Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft spielt der Finanzsektor eine zentrale Rolle, darüber war man sich in der Runde weitgehend einig. Gleichzeitig bleibt noch viel zu tun, den Sektor „grüner“ aufzustellen.

Vor dieser Herausforderung steht auch die Bundesregierung. Aktuell bemüht man sich, europaweit einheitliche Kriterien für grüne Investments zu definieren. Allerdings scheiden sich schon an der Frage, was eigentlich nachhaltig ist, die Geister. Jörg Kukies, Staatssekretär im Bundesministerium der Finanzen, beschrieb dies an den unterschiedlichen Haltungen der verschiedenen Regierungen in der EU zu energiepolitischen Investitionen. Die Finanzierung von Atom- oder Gas werde in Frankreich z.B. völlig anders bewertet als in Deutschland. Eine wirklich objektive Bewertung sei daher nach wie vor schwierig.

Die Panelist:innen der WWFthink Folge Green Finance © Lars M. Heitmüller
Die Panelist:innen der WWFthink Folge Green Finance © Lars M. Heitmüller

Für Matthias Kopp, Leiter des Fachbereich Sustainable Finance beim WWF Deutschland, steht ohnehin nicht die Bewertung verschiedener grüner Finanzprodukte im Vordergrund, sondern es gelte, den Markt in der Breite nachhaltiger aufzustellen. „Es geht nicht darum, mehr Geld in die Nische zu kippen und die Aktien von einigen Windenergieherstellern durch die Decke zu treiben, sondern wir müssen Kapital dahin bringen, wo die Transformation stattfindet.“

Hier kommen die Banken ins Spiel. Silke Stremlau, Vorständin der Hannoverschen Kassen, unterstrich: „Geld hat immer eine Wirkung, auch wenn ich es ganz klassisch auf dem Tagesgeldkonto lasse. Ich kann es aber auch in erneuerbare Energien, ökologische Landwirtschaft oder in Bildung investieren. Dann hat es eine höhere Wirkung.“ Inzwischen gebe es für fast alle konventionellen Geldanlagen Alternativen.

Ähnlich sah das auch Christian Achilles, Leiter Kommunikation und Medien des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes. Entscheidend ist für ihn aber nicht, wie grün eine Bank ist, sondern vielmehr, ob sie in der Lage ist, ihren Kund:innen nachhaltige Anlagen anzubieten und diese gut zu erklären. „Ganz wichtig ist, ob das Kreditinstitut in der Lage ist, die Anforderung bei den Kreditnehmer:innen auch durchzusetzen. Jede:r Einzelne kann mit seinem Geld vielleicht nur wenig bewegen, aber die 50 Millionen Sparkassen-Kund:innen zusammen können alles verändern.“

Insgesamt wurde in der Diskussion deutlich, dass im Finanzsektor einiges in Bewegung geraten ist. Das ist auch gut so, denn es ist offensichtlich, dass der Sektor eine Schlüsselrolle spielt, um eine nachhaltige Weiterentwicklung von Wirtschaft und Gesellschaft voranzutreiben.

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#WWFthink Folge 5 vom 25.02.2021:

Die Meere vor dem Kollaps – ist genug Fisch für alle da?

Die Meere sind unter Druck und ihr Schutz ist zweifelllos eine der großen umweltpolitischen Aufgaben der kommenden Jahre. Darin waren sich die Teilnehmenden bei der fünften Folge von WWFthink einig. „Die Meere vor dem Kollaps – ist genug Fisch für alle da?”, war die Leitfrage der fünften Ausgabe des WWF-Webvideotalks. Denn die Zahlen der UN-Behörde für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) sind eindeutig: Über ein Drittel der Bestände weltweit sind sind überfischt. Auch an Deutschlands Küsten ist Verbesserungsbedarf. Ablesen lässt sich dies am Bespiel der nach wie vor intensiven Fischerei im Nationalpark Wattenmeer. Trotz des hohen Schutzstatus warten Naturschützer seit 16 Jahren auf die Beschränkung der Fischerei und anderer Nutzungen in diesem Gebiet. 

Jan Philipp Albrecht, Minister für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt, Natur und Digitalisierung des Landes Schleswig-Holstein, sieht Handlungsbedarf für die Politik. Seine Meinung: Die Europäische Fischereipolitik habe sich positiv entwickelt und könne sich sehen lassen trotz vieler Partikularinteressen. Vor dem Hintergrund der globalen Zusammenhänge habe er neben der Naturschutzperspektive immer auch die ökonomischen Interessen der Fischer:innen im Auge.

#WWFthink Folge 5 © WWF
#WWFthink Folge 5 © WWF

Die Frage nach Angebot und Nachfrage, nahm in der Diskussion breiten Raum ein. Für die Spitzenköchin Maria Groß und Chefin des Restaurants “Bachstelze” wird der Run auf möglichst exotische Fischarten und damit die Überfischung vieler Bestände durch entsprechendes Marketing angeheizt. Kombiniert mit einer aggressiven Preispolitik habe dies zu der Misere geführt. Sie selbst bietet in ihrem Restaurant nur noch Gerichte von einheimischen Arten an. „Die heimischen Fische müssen wieder mehr hofiert werden. Essen ist politisch.“ 

Rolf Lange, Leiter des Geschäftsbereichs Unternehmenskommunikation des EDEKA-Verbunds erklärte, dass man bei Edeka seit Jahren nachhaltigen Fischfang unterstütze und zertifizierten Fisch anbiete. Besonders heikle Produkte wie Schillerlocke oder Aal seien ausgelistet. Allerdings stoße man bei der Preisgestaltung an Grenzen, sonst gingen die Kunden zur Konkurrenz. „Fragt man die Leute, ob sie bereit wären, für nachhaltige Produkte mehr Geld auszugeben, wird diese Frage in der Regel bejaht. Stehen sie dann jedoch vor der Kühltheke, greifen sie dennoch zum günstigsten Produkt.“ 

In der Debatte machte Heike Vesper, Leiterin des WWF Fachbereichs Meeresschutz klar, dass die Konsument:innen sowohl Teil des Problems als auch Teil der Lösung sein können. „Wir müssen uns von dem sorglosen Umgang mit unseren natürlichen Ressourcen verabschieden“. Es brauche ein Orchester und nicht Einzelinstrumente: „Die Menschen müssen ihr Verhalten ändern, Aufgabe der Politik ist es, für die entsprechende Spielregeln zu sorgen und die Industrie muss innovative Konzepte voranreiben, um den Kollaps der Meere abzuwenden.“ 

#WWFthink Folge 4 vom 20.01.2021:

Vom Acker auf den Teller – wie lassen sich Lebensmittel nachhaltiger herstellen?

#WWFthink mit einer Spezial-Ausgabe zur Internationalen Grünen Woche: Vom Acker auf den Teller – wie lassen sich Lebensmittel nachhaltiger herstellen? Hochkarätig besetzt und diskussionsfreudig. Wegen des durch die COVID-19-Pandemie begründeten Lockdowns wurde #WWFthink diesmal nicht aus dem SKPlab gesendet, sondern alle Teilnehmer:innen wurden per Video zugeschaltet.

Die Diskussion nimmt sofort Fahrt auf. Denn es läuft etwas schief auf unseren Äckern. Wir haben Lebensmittel im Überfluss, doch der Preis dafür ist hoch: Artensterben, belastetes Grundwasser und der weiter fortschreitende Klimawandel. Umgekehrt sehen sich die Bauern zu Unrecht an den Pranger gestellt und klagen über immer neue Anforderungen an Umweltschutz und Tierwohl. Es muss sich etwas ändern in der europäischen Agrarpolitik, darin waren sich die Teilnehmenden bei #WWFthink einig. Die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) ist hier ein wesentlicher Hebel. Auch auf die von der Bundesregierung eingesetzte Zukunftskommission Landwirtschaft setzten die Teilnehmenden große Hoffnung. Ein Königsweg in dem agrar- und umweltpolitischen Dilemma zeichnete sich allerdings noch nicht ab. Es ist ein „Langstreckenlauf” zur nachhaltigen Landwirtschaft.

Wolfram Günther, sächsischer Staatsminister für Energie, Klimaschutz, Umwelt und Landwirtschaft und Vorsitzender der Agrarminister-Konferenz (AMK) zeigte die Zwänge auf, in denen viele Bauern stecken. Die Preisgestaltung orientiere sich am Weltmarkt und der Handel übe großen Preisdruck aus, zugleich würden von den Landwirt:innen gesellschaftliche Leistungen gefordert, die die Gesellschaft auch honorieren müsse. Hier müsse man ansetzen.

Hans-Joachim Fuchtel, parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, warnte davor, bei der Sicht auf die Problemlage nur auf die Landwirtschaft zu schauen. Man müsse immer auch das Verbraucher:innenverhalten einbeziehen. Die Nachfrage bestimme ganz wesentlich das Angebot. Grundsätzlich zeigte sich der Politiker froh, dass auch weiterhin europäische Gelder für die Unterstützung der Landwirtschaft zur Verfügung stehen.

ÄhnIich sah das Linda Kelly, Landwirtin des Jahres 2019. Sie schilderte den Druck, unter dem viele ihrer Kolleg:innen stehen. Nur wenn man die Bäuer:innen nicht verheize, könne man gesunde Lebensmittel erwarten. Die Biobäuerin plädierte dafür, im Zweifel konventionell erzeugten Produkten den Vorzug zu geben, anstatt Bioware über den halben Globus zu transportieren.

„Mehr Regionalität wagen“, ein Ansatz, in dem sich die Runde weitgehend einig war. Kathrin Muus, Bundesvorsitzende der Deutschen Landjugend plädierte für eine Ausweitung der Direktvermarktung, auch wenn sich das nicht auf alle Erzeugnisse übertragen lasse. Es gehe um die Schaffung eines praxistauglichen gesellschaftlich akzeptierten Modells. Ein Baustein davon dürfte die Schaffung regionaler Wertschöpfungsketten sein, mit der sich mehr Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft etablieren lasse.  

Es wurde zugleich deutlich, dass es auch bei einer zukünftigen Agrarpolitik aufs Geld, insbesondere auf dessen Verteilung, ankommen wird. Christoph Heinrich, Vorstand Naturschutz, WWF Deutschland, wies darauf hin, dass 80 Prozent der europäischen Agrarsubventionen nur einem sehr kleinen Teil der Betriebe zugute kämen. Ziel müsse sein, stärker die gesellschaftlichen Leistungen der Landwirtschaft zum Beispiel im Naturschutz zu honorieren.  Der WWF sei beispielsweise für einen Mindestanteil der nichtproduktiven Flächen von 5 bis 10 Prozent, wobei die Flächen tatsächlich ungenutzt bleiben müssen. Nur so sei überhaupt ein Effekt auf die Artenvielfalt zu erzielen.

 

#WWFthink Folge 3 vom 10.12.2020:

Genuss mit Nebenwirkungen - wie unser Konsum die Umwelt schädigt und wie wir Abhilfe schaffen können

Diese Diskussion hatte es in sich. Bundesminister Dr. Gerd Müller, WWF CEO Eberhard Brandes, WWF Jugendrätin Lilith Diringer und Anne Kathrin Göbel, die Leiterin der CSR-Abteilung beim Handelsverband HDE, debattierten heftig, aber fair und respektvoll. Natürlich wollen weder Verbraucher:innen noch Unternehmen Produkte, die unter Verletzung von Menschenrechten oder Umweltstandards hergestellt worden sind. Doch deutlich wurde, dass allzu oft nicht so genau hingesehen wird, wie das T-Shirt für zwei Euro oder die Billigbanane produziert werden. Ein Nationales Lieferkettengesetz könnte für Transparenz sorgen und ein Hebel sein, um Abhilfe zu schaffen.

Gerd Müller, Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit ist ein Verfechter eines solchen Gesetzes. Die Zeit der Bekundungen und Absichtserklärungen sei vorbei. „Freiwilligkeit führt nicht zum Ziel, jetzt muss eine gesetzliche Regelung her.“ Woran es fehle, sei der politische Wille und die Umsetzung. Hier setze der Gesetzentwurf an. An die Unternehmensverbände gerichtet beklagte er: „Leider ist der Gegenwind massiv, wenn es ernst wird.“

Anne-Kathrin Göbel wies diese Kritik zurück. „Wir sind keine Totalverweigerer. “ Aber die Politik müsse Vorgaben, machen, die für kleine und mittlere Betriebe handhabbar seien. Es gebe „ eine wahnsinnige Fülle an schlechten Gesetzen, die gut gemeint sind, aber in der Breite nicht umsetzbar sind.“ Überdies sei eine nationale Gesetzgebung nicht zielführend, da es sich um globalisierte Lieferketten handele. Deshalb sei eine internationale Lösung die bessere Wahl.

Lilith Diringer vom WWF Jugendrat wunderte sich, über die aktuelle Diskussion. Im Grunde sei es doch eine Selbstverständlichkeit, dass die Einhaltung der Menschenrechte über die gesamte Lieferkette sichergestellt werden müsse. Sie plädierte für eine konsequente Anwendung des Verursacherprinzips und forderte ein Menschenrecht auf gesunde Umwelt. Deutschland solle mit gutem Bespiel voran gehen. Davon versprach sie sich letztlich sogar Wettbewerbsvorteile.

Ähnlich sah das auch Eberhard Brandes. Der Geschäftsführer vom WWF Deutschland plädierte für ein Gesetz, dass sich nicht auf Menschenrechte beschränkt, sondern „ganz klar auch Umweltaspekte einbezieht“. Diese Erkenntnis werde sich auch bei vielen Unternehmen durchsetzen. Denn jedem der rechnen könne, müsse klar sein, dass man nicht auf Dauer so weiter machen könne wie bisher. Er trat zugleich für ein gemeinsames Agieren von Politik, Wirtschaft und Konsumenten ein. „Es braucht eine übergreifende Allianz unterschiedlicher Akteure, um solche wichtigen Anliegen auch gesetzlich abzusichern.“

Grundsätzlich wurde in der Diskussion klar, dass es beim Thema Lieferketten kein Technik- oder Wissensdefizit gibt, sondern es bei der Umsetzung stockt. Einigkeit herrschte bei den Panellisten darüber, dass eine internationale Gesetzgebung sicherlich hilfreich wäre. Minister Müller brachte es aber auf den Punkt: „Dann bekommen wir es aber in den nächsten 20 Jahren nicht geregelt.“ Deshalb sei Deutschland jetzt bei gesetzlichen Regelungen gefordert.

#WWFthink Folge 2 vom 12.10.2020:

Generation Loser? Verlieren die Jungen in Zeiten von Corona und Klimakrise doppelt?

Dass sich die aktuelle Generation der unter 30-Jährigen tatsächlich als Generation der Verlierer erweisen wird, sahen die Teilnehmer:innen der zweiten Folge nicht. Sie sehen vor allem die Chancen, die aus dieser Ausnahmesituation entstehen. In der Diskussion wurde aber sehr deutlich, dass die Interessen von jungen Menschen bei vielen Entscheidungen, die ihre Lebenswirklichkeit betreffen, nicht ausreichend berücksichtigt werden. Die Weichen für wichtige Zukunftsfragen, etwa den Klimaschutz, werden von Menschen jenseits der 50 gestellt. Mit den Konsequenz ihrer Entscheidungen z.B. zum Klimaschutz werden aber vor allem die kommenden Generationen leben müssen.

Die Ausgrenzung junger Interessen werde gerade in Zeiten der Pandemie deutlich. Die EU-Abgeordnete Delara Burkhardt trat dem Vorwurf entgegen, die Jüngeren seien eine Generation der „ignoranten Superspreader“. Die gesundheitlichen Gefahren seien zwar geringer, aber die psychologischen und wirtschaftlichen Folgen für Schüler und Studenten schlagen aufgrund deren Lebensrealität oft besonders hart zu. Das spiele sich in der politischen Diskussion kaum wieder. „Die Perspektiven von jungen Leuten werden z.B. in den diversen Konjunkturpaketen zu wenig beachtet“, so die SPD-Politikerin.

An diesem Punkt setzte die Unternehmerin und Bestseller-Autorin Diana Kinnert an. Es werde alles getan, um ein altes System aufrechtzuerhalten, anstatt perspektivisch auf neue Konzepte und Modelle zu setzen. Dies zeige sich nicht nur in der Wirtschaftspolitik sondern bereits in der Bildungspolitik, die soziale Gräben noch vertiefe.

Auf diesen Punkt wies auch Jamal Lkhaouni, Mitglied des WWF-Jugendrats hin. Er forderte eine Reform des BaföGs und eine Mitsprache auf Augenhöhe. Eine Beteiligung fürs Schaufenster sei nicht genug.

Grundsätzlich wiesen alle Panelisten darauf hin, dass die Beteiligung junger Menschen noch stark ausbaufähig ist. In der Diskussion wurde beklagt, dass junge Menschen in Parlamenten und Unternehmen unterrepräsentiert seien. Dadurch gehen Entscheidungen häufig an den Interessen der Jüngeren vorbei. Deshalb war man sich in der Runde einig, dass eine Herabsetzung des Wahlalters überfällig sei.

Mit mehr Präsenz im Parlament sei es aber nicht getan Der Marsch durch die Institutionen dauere zu lange, hob Nick Heubeck von fridays for future hervor. „Angesichts der Dringlichkeit der Probleme müssen wir die Leute zum Handeln bewegen, die jetzt an der Entscheidungsmacht sind“

Im Ergebnis wurde deutlich, dass aus Sicht der Gäste die Chancen überwiegen - trotz aller Einschränkungen während der Pandemie. Herausragend die Diskussionskultur der jungen Panelist:innen. Nicht roboterhaft stumpf die Botschaft durchdrücken, sondern zuhören und eingehen auf die anderen Gesprächsteilnehmer und ihre Ideen reflektieren. So entsteht erfreulicherweise eine neue Gesprächskultur jenseits des eingeübten Talkshow-Verhaltens.

#WWFthink Folge 1 vom 18.6.2020:

Die Bedrohung aus dem Regenwald - wie wir uns besser vor Pandemien schützen können

Naturschutz und die Bewahrung von Ökosystemen ist ein zentrales Element, um künftigen Pandemien vorzubeugen. In dieser Einschätzung waren sich die Teilnehmer:innen beim ersten Online-Talk #WWFthink einig. 

Bundesumweltministerin Svenja Schulze unterstrich, dass der Verlust der Biodiversität keineswegs nur ein Problem in anderen Teilen der Welt sei, sondern dass Deutschland hier eine große Mitverantwortung trage. Die intensive Tierhaltung hänge direkt mit der Zerstörung der Natur zum Beispiel in Südamerika zusammen. Das dort angebaute Soja lande hier in den Futtertrögen und das Fleisch werde später nach China exportiert. „Das alles ist nicht nachhaltig,“ so die Ministerin. 

Die Virologin Sandra Junglen von der Charité Berlin erläuterte, dass viele neue Viruserkrankungen, darauf zurückzuführen seien, dass Ökosysteme durch menschliche Eingriffe aus dem Gleichgewicht gebracht werden. Eine intakte Natur könne hingegen helfen, den Ausbruch von Krankheiten zu verringern.

Diese Erkenntnis wurde auch von Arnulf Köhncke, Artenschützer beim WWF ausgeführt. Durch die Zerstörung natürlicher Ökosysteme, den Verlust biologischer Vielfalt und den illegalen Wildtierhandel ist also nicht nur die Gesundheit unseres Planeten, sondern auch unsere eigene in Gefahr. „Das Problem ist nicht, die Natur, die uns bedroht, sondern das Problem ist die Zerstörung der Natur“. 

In der Diskussion wurde die internationale Dimension der Thematik deutlich. Durch die aktuelle Corona Pandemie, sei das Bewusstsein für die Herausforderung gewachsen. Svenja Schulze nannte in diesem Zusammenhang die EU-Verhandlungen zum European Green Deal und im Landwirtschaftsbereich, die so genannte „Farm to fork“ Strategie. Es bleibe aber gerade für die anstehende deutsche Ratspräsidentschaft noch viel zu tun. Es gelte, die unterschiedlichen Interessen der Mitgliedsstaaten unter einen Hut zu bringen. Zentral sei darüber hinaus die Finanzierungsfragen zu lösen.