Dem Gebäudesektor kommt mit seinem hohen Ressourceneinsatz, Flächenbedarf, Abfallmengen und Energieverbrauch sowohl in der Herstellungs-, Bau- als auch in der Nutzungsphase eine bedeutende Rolle im Klima- und Ressourcenschutz sowie im Schutz unserer Ökosysteme zu. Denn europaweit werden enorme Mengen an Zement, Stahl, Aluminium und Kunststoff für den Gebäudebau verbraucht.

Holzhaus © Imago / Jochen Tack
Holzhaus © Imago / Jochen Tack

Nur wenig wird hierbei durch Sekundärrohstoffe gedeckt, denn der Bausektor hat kaum hochwertiges Recycling und verursacht in Deutschland jährlich über die Hälfte des gesamten Abfallaufkommens. Zudem führen die Versiegelung der Flächen und der Ressourcenabbau weltweit zu Eingriffen in die Ökosysteme.

Gleichzeitig ist der Gebäudesektor für 1/3 des Energieverbrauchs in Deutschland verantwortlich. Neben der Energie für die Gebäudenutzung durch Heizen und Kühlen, spielt die graue Energie eine entscheidende Rolle. Laut Bundes-Klimaschutzgesetz muss der Gebäudesektor seine Gesamtemissionsmenge bis 2030 etwa halbieren.

Was ist graue Energie?

Als graue Energie wird die Primärenergie bezeichnet, die für die Produktion von Baumaterialien sowie die Verarbeitung, den Transport, den Bau sowie den Rückbau des Gebäudes und die Entsorgung der Materialien notwendig ist.

Zirkuläre Maßnahmen für den Wandel

Aspekte und Vorteile der Circular Economy (eigene Darstellung)
Aspekte und Vorteile der Circular Economy (eigene Darstellung)

Die Circular Economy stellt einen zentralen Hebel dar, den Sektor nachhaltig umzugestalten und ein Wirtschaften innerhalb planetarer Grenzen zu ermöglichen.

Circular Economy im Gebäudesektor bedeutet:

  • Vermeidung & Reduzierung: Gebäudebestand erhalten, sanieren, weiter- und umnutzen; Gebäude durch zirkuläres Design so konzipieren, dass sie von Anfang modular, langlebig, reparierbar und recyclebar sind
  • Teilen: Gebäude durch alternative Nutzungsformen wie Co-Working intensiver nutzen
  • Wiederverwendung: Gebäudeteile und Materialien wie Fenster oder Stützbalken in anderen Bauprojekten wiederverwenden
  • Reparatur: Gebäude regelmäßig instand halten durch Reparaturen und (energetische) Sanierungen
  • Remanufacturing: Gebäudekomponenten und Bauteile wie Bodenplatten wiederaufbereiten und zurück in den Umlauf bringen
  • Recycling: beim Rückbau Baumaterialien sortenrein trennen und hochwertig recyclen

Durch Circular-Economy-Maßnahmen im Gebäudesektor kann Deutschland seine Klimaschutzziele erreichen, Abfallmengen und Ressourcenverbrauch reduzieren, Flächen erhalten und wirtschaftlich nachhaltiger bauen. So werden die Ökosysteme entlastet, deren Belastungsgrenzen respektiert und weniger Emissionen freigesetzt, als es innerhalb einer lineare Wirtschaftsweise möglich ist.

  • CEWI-Logo © CEWI Circular Economy für Gebäude und Automobil

    Mit dem Vorhaben CEWI gestaltet der WWF die zirkuläre Transformation des Sektors hin zu einer klimaneutralen und ressourceneffizienten Wirtschaft. Weiterlesen...

Was die Politik jetzt tun sollte

Ein Umbau des Gebäudesektors in eine Circular Economy ist sowohl klima- als auch ressourcentechnisch unumgänglich. Das Thema wurde seitens der politischen Entscheidungsträger:innen lange ignoriert. Mittlerweile gibt es erste rechtliche Rahmenbedingungen, die sich der Notwendigkeit einer Transformation des Sektors annehmen. Gleichzeitig werden jedoch wichtige Veränderungen noch nicht adressiert. 

Daher muss die Politik auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene:

  • Den Gebäudebestand erhalten und sanieren. 
  • Der Neubau von Beginn an zirkulärer konzipieren. 
  • Wiederverwendung auf allen Ebenen des Gebäudesektors fördern. 
  • Öffentliche Gebäude und Beschaffung als zentrale Hebel nutzen. 

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Silke Küstner

Project Manager Circular Economy