Der Seehund ist geschützt und kommt wieder in großer Zahl im Wattenmeer vor © Hans-Ulrich Rösner / WWF

40 Jahre Nationalpark Wattenmeer: Verbände fordern Aktionsprogramm für wirksamen Schutz

Stand: 18.08.2026

Zehn Umwelt- und Naturschutzverbände übergeben Positionspapier an Umweltminister Meyer

40 Jahre nach der Gründung des Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer ist das einmalige Schutzgebiet massiv bedroht. Zehn Umwelt- und Naturschutzverbände haben heute mit einer Protestaktion einen konsequenteren Schutz des einzigartigen Ökosystems gefordert. Anlässlich der Eröffnung der Ausstellung „Nationalpark wirkt!“ im Niedersächsischen Landtag übergaben sie Umweltminister Christian Meyer ein gemeinsames Positionspapier. Darin fordern sie ein Aktionsprogramm des Landes mit wirksamen Maßnahmen zum Schutz des Wattenmeers, mehr Raum für natürliche Prozesse und eine stärkere Begrenzung menschlicher Nutzungen.

Das Wattenmeer ist seit 1986 Nationalpark und seit 2009 UNESCO-Weltnaturerbe. Trotzdem steht das Ökosystem zunehmend unter Druck: Energie- und Rohstoffgewinnung, Kabel- und Pipelineinfrastrukturen, Schifffahrt, Fischerei, Küstenschutz und Tourismus wirken auf den sensiblen Naturraum ein. Die Verbände kritisieren, dass die kumulativen Auswirkungen dieser Nutzungen auf Planungen und Vorhaben bislang nicht ausreichend berücksichtigt werden.


„Trotz 40 Jahren Nationalpark und erreichter Erfolge, ist das Wattenmeer stark bedroht. Deshalb müssen wir dringend handeln: Das Wattenmeer braucht konsequenten Schutz statt immer neuer Eingriffe. Nutzungen müssen sich an den Belastungsgrenzen des Ökosystems orientieren. Natürliche Prozesse müssen Vorrang haben. Dafür braucht es klare politische Entscheidungen und ein verbindliches Aktionsprogramm zum Schutz des Wattenmeers“, so die neun Verbände.

Ein Schwerpunkt ihrer Forderungen ist der Umgang mit Energie- und Rohstoffgewinnung. Die Förderung von Öl und Gas im und am Wattenmeer schädigt das einzigartige Ökosystem und heizt die Klimakrise weiter an. Die derzeit geplanten Erdgasfördervorhaben vor der niedersächsischen Küste lehnen die Verbände daher strikt ab. Gleichzeitig verlangen sie, die Öl- und Gasförderung im und direkt am Weltnaturerbe spätestens bis 2030 zu beenden. Die Organisationen befürworten eine naturverträgliche Energiewende, fordern aber, dass der Ausbau der Offshore-Windenergie und insbesondere der Kabelanbindungen die Belastungsgrenzen des Wattenmeers berücksichtigt.


Beim Natur- und Artenschutz sprechen sich die Verbände für eine deutliche Ausweitung der Nullnutzungszonen aus. Bestehende Ruhezonen müssen konsequent vor Störungen geschützt werden, mindestens 75 Prozent der Nationalparkfläche sollten sich künftig ohne menschliche Nutzung entwickeln können. Wo Lebensräume bereits beeinträchtigt sind, soll zudem behutsam zur Förderung natürlicher Prozesse renaturiert werden. Wo menschliche Einflüsse die Natur weiterhin prägen, braucht es gezielte Managementmaßnahmen, um wertvolle Arten und Lebensräume zu schützen und die Ziele von Natura 2000 nachhaltig zu sichern. Wo anthropogene Einflüsse weiter wirksam sind, bedarf es verstärkter Managementmaßnahmen für Arten- und Biotopschutz, um die Ziele von Natura 2000 zu erreichen.

Wirksamer Küstenschutz ist angesichts des steigenden Meeresspiegels unausweichlich. Dieser muss jedoch stärker mit der Natur arbeiten als gegen sie. Die Verbände fordern daher einen echten Paradigmenwechsel hin zu einem naturbasierten Küstenschutz.


Beim Fischereimanagement sehen die Verbände ebenfalls Handlungsbedarf. Sie fordern großräumige, zusammenhängende fischereifreie Zonen. Mehr als 50 Prozent der ständig mit Wasser bedeckten Flächen sollen künftig frei von Fischerei sein. Zugleich müsse der notwendige Veränderungsprozess für die ansässigen Fischereibetriebe sozialverträglich gestaltet und finanziell unterstützt werden.


„Ein Nationalpark muss seinem Anspruch gerecht werden: Natur Natur sein lassen! Natur braucht Raum und natürliche Prozesse brauchen Schutz. Jetzt kommt es darauf an, die seit 40 Jahren geltenden Schutzziele konsequent umzusetzen. Dazu braucht es endlich konkrete politische Entscheidungen. Nur so lassen sich Nationalpark und Weltnaturerbe Wattenmeer für künftige Generationen bewahren“, unterstreichen die neun Verbände.

Beteiligte Umwelt- und Naturschutzverbände:

Biologische Schutzgemeinschaft Hunte-Weser-Ems e.V.

Bürgerinitiative „Rettet das Cux-Watt“

Bürgerinitiative „Saubere Luft Ostfriesland e.V.“

BUND Niedersachsen 

Der Mellumrat e.V. 

Initiative „Wattenmeer-Schutz Cuxhaven“

NABU Niedersachsen

Niedersächsischer Heimatbund

WAU (Wissenschaftliche Arbeitsgemeinschaft für Natur- und Umweltschutz, Jever)

WWF Deutschland

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Kontakt

Freya Duncker

Pressesprecherin

Meeresschutz und Biodiversität / Hamburg

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