Wasservögel im Flug über dem Ufer der Elbinsel Krautsand.

Auftaktveranstaltung im Naturschutzgroßprojekt Krautsand

Stand: 28.08.2026

Übergabe des Förderbescheids durch Bundesumweltminister Carsten Schneider und Umweltminister Christian Meyer

Im Naturschutzgroßprojekt Krautsand geht es jetzt richtig los. Zum Auftakt der Umsetzungsphase haben Bundesumweltminister Carsten Schneider und der niedersächsische Umweltminister Christian Meyer heute in Wischhafen den Förderbescheid an den WWF und die NABU-Stiftung Nationales Naturerbe übergeben. Der Bund und das Land Niedersachsen fördern die Umsetzung der Renaturierungsmaßnahmen zusammen mit 13.880.984 Euro. Im nächsten Schritt werden nun die für die Renaturierung benötigten Flächen durch die NABU-Stiftung gekauft und für die Umsetzung der Maßnahmen durch den WWF das Projektteam aufgestockt.

WWF-Naturschutzvorständin Kathrin Samson: „Wir freuen uns sehr, dass wir auf Krautsand jetzt mit der Umsetzung der geplanten Maßnahmen beginnen können. Die ehemalige Insel Krautsand gehört zur Tideelbe. Das wunderschöne Mosaik aus Land und Wasser, das Krautsand ausmacht, wollen wir in ein echtes Naturparadies zurückverwandeln und den Einfluss von Ebbe und Flut wiederherstellen und vergrößern. So bekommen Fische, Kleinkrebse, Vögel und Insekten, aber auch seltene Pflanzen wieder bessere Lebensbedingungen. Die Artenvielfalt von Krautsand, die typisch für ein Ästuar ist, hat eine besondere Bedeutung für den Naturschutz in Deutschland. Mit der Renaturierung von tidebeeinflussten Lebensräumen leisten wir auch einen wichtigen Beitrag zur Wiederherstellung bedrohter Küstenökosysteme.“

Bundesumweltminister Carsten Schneider: „Der Unterlauf der Elbe ist die größte von den Gezeiten geprägte Flussmündung in Deutschland und eine der größten in Europa. In den letzten Jahrzehnten ist diese Flussmündung vom Menschen stark verändert worden. Durch Deiche sind viele Überflutungsflächen verlorengegangen. Nebenarme der Elbe wurden abgetrennt und die Fahrrinne für die Schifffahrt vertieft. Wenn wir der Natur jetzt wieder mehr Raum geben, hat das viele positive Effekte. Seltene Tier- und Pflanzenarten gewinnen mehr Lebensraum, wiedervernässte und naturnahe Feuchtgebiete binden Kohlenstoff und speichern Wasser. Damit erhöhen wir die Widerstandsfähigkeit unser Naturräume gegenüber Dürre, Hitze und Hochwasser. Das ist genau der richtige Ansatz, den wir angesichts des diesjährigen Hitzesommers auch in anderen Regionen brauchen: das Wasser wieder in der Landschaft halten und damit die Vorsorge vor extremen Folgen des Klimawandels verbessern.“

Niedersachsens Umweltminister Christian Meyer: „Mit dem Naturschutz-Großprojekt Krautsand setzen wir ein starkes Zeichen für die Wiederherstellung unserer natürlichen Lebensgrundlagen. Im einzigartigen Elbeästuar, wo Süß- und Salzwasser aufeinandertreffen, entstehen wertvolle Lebensräume und bedrohte Arten bekommen neue Chancen. Gleichzeitig zeigt das Projekt, dass Naturschutz, Küstenschutz und Gewässerunterhaltung gemeinsam gedacht und umgesetzt werden können.“

Die Landschaft in Krautsand ist geprägt von zwei Nebenelben, Grünland mit Gräben, Prielen und Ufersäumen. Diese haben allerdings viele ökologische Defizite. Die teils EU-rechtlich geschützten Gewässer sind durch die Auswirkungen der Vordeichungen und Elbvertiefungen so verschlickt und abgeschnitten von der Tideelbe, dass sie ihre Funktion als Lebensraum für Fische sowie Wat- und Wasservögel nur noch eingeschränkt erfüllen. Die landwirtschaftliche Nutzung und das Wassermanagement auf den Grünländereien steht auf vielen Flächen nicht im Einklang mit den Bedürfnissen der geschützten Vögel im EU-Vogelschutzgebiet.

Der WWF Deutschland will die Lebensräume gemeinsam mit der NABU-Stiftung Nationales Naturerbe und den lokalen Akteuren vor Ort nachhaltig schützen und neue schaffen. Unter dem Motto „Gemeinsam die Vielfalt der Tideelbe schützen“ soll das Projekt den einzigartigen Naturraum der Flusslandschaft beleben, Nebenarme als Lebensräume für Tiere und Pflanzen revitalisieren, ehemalige Priele wieder an das Tidegeschehen anschließen und das von Gräben durchzogene Grünland für typische Arten der Kulturlandschaft, wie etwa Wiesenvögel, aufwerten. Die Maßnahmen schaffen auch einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz.

Im Vergleich zu anderen Agrarlandschaften findet sich auf Krautsand noch eine hohe Artenvielfalt. Hier leben viele seltene Tiere und Pflanzen, darunter Vögel wie Kiebitz, Rotschenkel und Großer Brachvogel, Fische wie die Finte und der Schlammpeitzger, Säugetiere wie die Wasserfledermaus, Amphibien wie der Seefrosch, Insekten wie die Grüne Mosaikjungfer und auch seltene Pflanzen wie die Sumpfdotterblume. Hier existieren über 40 Arten, die in Deutschland auf der Roten Liste stehen, 30 Arten sind europaweit geschützt.

Die Projektfinanzierung erfolgt durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesumweltministeriums (BMUV), durch das Nieder­sächsische Umweltministerium sowie durch den WWF und die NABU-Stiftung Nationales Naturerbe.

Weitere Informationen:
Bildmaterial von der Übergabe und aus dem Projektgebiet können Sie hier herunterladen.

Weiterführende Infos zum Projekt: Naturschutzgroßprojekt Krautsand und WWF-Flyer-Artenparadies-Krautsand.pdf
 

WWF-Logo

Kontakt

Freya Duncker

Pressesprecherin

Meeresschutz und Biodiversität / Hamburg

  • Amur-Tiger © Ola Jennersten / WWF Schweden Bedrohte Arten

    Der Rückgang der biologischen Vielfalt wird maßgeblich durch menschliches Handeln verursacht. Der WWF setzt sich weltweit für den Schutz bedrohter Arten ein. Erfahren Sie mehr zum Artenschutz

  • Feldberger Seenlandschaft © Ralph Frank / WWF Deutschland

    Im Norden, Süden, Osten und Westen Deutschlands ist der WWF aktiv und engagiert sich für den Erhalt wertvoller Landschaften, die für zahlreiche Arten wichtiger Lebensraum sind. Mehr zu deutschen Naturschutz-Projekten

  • Mähdrescher auf dem Feld © Getty Images Landwirtschaft, die nachhaltig ist

    Die industrielle Landwirtschaft hat heute eine Vielzahl von negativen Auswirkungen auf unsere Umwelt. Mehr zum Thema Landwirtschaft