Taucher mit Geisternetz, Eckernförde © Christian Howe / WWF

Pilotprojekt zu Geisternetzen in Schleswig-Holstein erfolgreich abgeschlossen

Stand: 04.08.2026

WWF fordert Aufbau einer landesweiten Melde- und Handlungskette für verlorene Fischernetze und deren Bergung / Einbindung von Küstenfischerei ein Schlüsselfaktor für Erfolg

In Kiel findet heute die Abschlussveranstaltung zum Pilotprojekt „Bergung verlorener Fischereigeräte in Schleswig-Holstein“ statt. Von 2023 bis 2026 hat das Küstenbundesland den WWF Deutschland dabei unterstützt, das Ausmaß von Geisternetzen systematisch zu erfassen, geeignete Methoden zu deren Lokalisierung und Bergung weiterzuentwickeln und eine Grundlage für eine langfristige, landesweite Strategie zu schaffen. Der Aufbau einer landesweiten Melde- und Handlungskette gehört zu den Empfehlungen, die der WWF für eine dauerhafte Eindämmung der Geisternetz-Problematik in der Verantwortung von Bund und Ländern erarbeitet hat. Als ein Schlüsselfaktor für den Erfolg hat sich die Zusammenarbeit mit der Küstenfischerei erwiesen.

„Wir freuen uns, das Projekt nach guter Zusammenarbeit mit dem Land Schleswig-Holstein, mehreren Fischereibetrieben der Region und dem lokalem Partner Submaris zu einem gelungenen Abschluss zu bringen. Das Projekt hat klar aufgezeigt, welche nächsten Schritte vor Bund und Küstenländern liegen. Wir empfehlen, eine landesweit funktionierende Handlungskette aufzubauen, die alle Schritte von der niedrigschwelligen Meldung eines verlorenen Netzes bis zur Bergung und Entsorgung abdeckt“, sagt Finn Viehberg, Leiter des WWF-Ostseebüros. „Die Zusammenarbeit von Sonarexperten und Küstenfischerei ist der Schlüssel, um die deutsche Ostsee von Geisternetzen zu befreien und sollte verstetigt werden. Als verantwortliche, koordinierende und beauftragende Schaltzentrale sind die Landesbehörden gefragt. Das Entfernen von Geisternetzen aus der Ostsee ist eine staatliche Aufgabe.“

Insgesamt habe sich der integrierte Ansatz, der moderne Technologien der Sonarsuche, wissenschaftliche Methoden und die praktische Erfahrung der Fischerei miteinander verbindet, bewährt. Die systematische Suche und Bergung verlorener Fischereigeräte ist technisch umsetzbar und organisatorisch realisierbar – dieses Erkenntnis müsse jetzt in dauerhafte Praxis überführt werden.

Verlorenes Fischereigerät stellt eine erhebliche Belastung für die Meeresumwelt dar, da die Netze und Reusen weiterhin unkontrolliert Organismen fangen können, zur Entstehung von Mikroplastik beitragen und enthaltene Materialien wie Blei zusätzliche ökologische Risiken bergen. Im Rahmen dieses Pilotprojekts wurden v.a. in der Lübecker Bucht, Flensburger Förde und Kieler Bucht über 35 km² Meeresboden mittels Seitensichtsonar untersucht und kartiert. Tauchteams haben über 200 identifizierte Verdachtsstellen überprüft. 39 Geisternetze mit einer Gesamtlänge von ca. 4500 Metern wurden erfolgreich aus den Küstengewässern der schleswig-holsteinischen Ostsee geborgen. Die Entfernung von verlorenem Fischereigerät schützt den Meeresboden, reduziert unnötigen Beifang und verhindert die Zersetzung der Netze zu Mikroplastik, das in die marine Nahrungskette gelangen könnte.

Das Pilotprojekt in Schleswig-Holstein wurde unterstützt vom Ministerium für Energiewende, Klimaschutz, Umwelt und Natur (MEKUN), dem Ministerium für Landwirtschaft, ländliche Räume, Europa und Verbraucherschutz (MLLEV), dem Landesamt für Umwelt (LfU) und dem Landesamt für Landwirtschaft und nachhaltige Landentwicklung (LLnL).

Seit 2013 engagiert sich der WWF Deutschland dafür, Geisternetze zu finden und zu bergen. Bisher hat die Organisation insgesamt 35 Tonnen Geisternetze aus der deutschen Ostsee entfernt. Gleichzeitig treibt der WWF die technologische Entwicklung beim Aufspüren von Geisternetzen voran:  Die KI-gestützte Analyseplattform GhostNetZero.ai ermöglicht eine schnellere Auswertung von Sonardaten und eine „Zweit-Auswertung“ von Sonardaten, die zu anderen Zwecken z.B. von Forschungseinrichtungen erhoben wurden.  Über die mobile App GhostNetZero können Fischer und Taucher Funde melden und dokumentieren.

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