Internationaler Tag der Ozeane am 8. Juni

Der Tag der Ozeane am 8. Juni feiert die blaue Welt, die rund 70 Prozent der Erdoberfläche bedeckt. Ohne die Meere gibt es kein Leben auf der Erde, doch unsere Lebensgrundlage ist aus dem Gleichgewicht geraten. Die Ozeane sind zu heiß und zu sauer, sie leiden unter Verschmutzung und Übernutzung durch den Menschen und das Artensterben schreitet massiv voran. Ein Ausweg aus der Misere ist trotzdem in Sichtweite. Wegweisende internationale Abkommen könnten die Meere in Zukunft besser schützen. Der WWF appelliert an die Vertragsstaaten, inklusive der deutschen Bundesregierung, die darin enthaltenen Maßnahmen schnellstmöglich umzusetzen, um das Steuer zum Erhalt unserer blauen Lunge herumzureißen. 

„Meeresschutz ist oft ein Marathon und in den letzten Jahren hat es die Weltgemeinschaft geschafft, unglaublich wichtige Abkommen zum Schutz der Meere auf den Weg zu bringen. Darüber darf man sich am Tag der Ozeane freuen. Das Weltnaturabkommen sieht vor, 30 Prozent der weltweiten Meeresfläche bis 2030 unter Schutz zu stellen. Das UN-Hochseeschutzabkommen macht unter anderem erstmalig den Weg für Meeresschutzgebiete auf der Hohen See frei. Und das Abkommen der Welthandelsorganisation (WTO) zur Einschränkung schädlicher Fischereisubventionen verbietet staatliche Zuschüsse für illegale Fischerei, unregulierte Hochseefischerei und den Fang überfischter Bestände. Die Abkommen werden erst wirksam, wenn die darin vereinbarten Ziele erreicht werden. Sie geben aber schon heute Hoffnung auf eine bessere Zukunft für unsere Ozeane“, so Anna Holl Buhl, Expertin für Meerespolitik beim WWF Deutschland. 

Um die Abkommen zum Erfolg zu führen, fordert der WWF, die Ambitionen beim internationalen Meeresschutz maßgeblich zu verstärken: 

  • Das 30-Prozent-Ziel: Die Ausweisung von Schutzgebieten hat in den letzten Jahrzehnten zugenommen, bis zur 30-Prozent-Marke ist es aber noch ein weiter Weg. Die meisten Länder, auch Deutschland und die EU, setzen das Abkommen in ihren nationalen Gewässern nicht schnell genug um. Durch das UN-Hochseeschutzabkommen könnten große Schutzgebiete auf dem Meer außerhalb nationaler Ländergrenzen hinzukommen. Dafür ist es jetzt wichtig, dass Netzwerke von Meeresschutzgebieten ausgewiesen oder ausgeweitet und ihre effektive Verwaltung organisiert werden. Die Vernetzung der Schutzgebiete ist besonders bedeutsam, damit zum Beispiel wandernde Arten wie Wale auf ihren Migrationsrouten sicher sind.  

  • Moratorium für Tiefseebergbau: In der Tiefsee lagern wertvolle Metalle und seltene Erden. Durch den technologischen Fortschritt steigt das Interesse einiger weniger Länder und Unternehmen, diese Lagestätten zu erkunden und die Mineralien zu fördern. Für die Meere und auch für uns Menschen hätte das unkalkulierbare und zerstörerische Folgen. Tiefseebergbau ist eine vermeidbare Umweltkatastrophe. Deshalb fordert der WWF ein Moratorium für Tiefseebergbau, bis ausreichend wissenschaftliche Erkenntnisse vorliegen und nachgewiesen ist, dass ein Abbau von mineralischen Ressourcen in der Tiefsee ohne Schäden an der Meeresumwelt durchgeführt werden kann. Für den internationalen Meeresschutz ist dies enorm wichtig. Deshalb muss sich Deutschland verstärkt auf dem internationalen Parkett für eine vorsorgliche Pause für Tiefseebergbau einsetzen.  

  • Klimaschutz: Seit 1970 haben die Meere mehr als 90 Prozent der durch Treibhausgasemissionen verursachten Erderhitzung aufgenommen und sich erwärmt. Die Durchschnittstemperatur der Meeresoberflächen nimmt immer weiter zu und es häufen sich marine Hitzewellen, bei denen sich ganze Meeresregionen ungewöhnlich stark aufheizen. Diese Entwicklungen übertreffen selbst die Vorhersagen des Weltklimarats und lassen befürchten, dass kritische Kipppunkte früher erreicht werden als gedacht. Klimaschutz ist deshalb ein zentraler Hebel, um auch die Meere zu schützen. Für empfindliche Arten wie Korallen zählt jedes Zehntelgrad. Der WWF fordert deshalb, so schnell wie möglich aus fossilen  Energien auszusteigen.  

  • Nachhaltige Fischerei: Weltweit gilt ein Drittel der kommerziell genutzten Fischbestände als überfischt. Schädliche Subventionen sind ein Haupttreiber von Überfischung. Das WTO-Fischereisubventions-Abkommen muss für mehr Transparenz bei Fischereisubventionen und Fischereidaten, für stärkere globale Regeln sowie für eine gerechtere Bewirtschaftung von Fisch als globalem Gemeinschaftsgut sorgen. Dafür sind weitere Ratifizierungen, die Unterstützung ärmerer Länder und ein ergänzendes, zweites Abkommen zur Schließung bestehender Lücken hinsichtlich der Subventionen, die Überkapazitäten in den Flotten und damit Überfischung antreiben, notwendig. Fischereimethoden wie Grundschleppnetze zerstören außerdem empfindliche Lebensräume unter Wasser. Millionen Tonnen Fisch landen pro Jahr als Beifang im Netz und werden verletzt oder tot zurück ins Meer geworfen. Oft landen auch gefährdete Arten im Netz. Es liegt vor allem in der Verantwortung der Politik, die Fischerei zu reglementieren und vor allem zu kontrollieren. Ein wissenschaftlich fundiertes Fischereimanagement ist dafür unabdingbar. Der WWF setzt sich zudem für die Entwicklung und den stärkeren Einsatz selektiver Fanggeräte ein. 

„Die Meere können sich erholen. Wo der Mensch sie weniger belastet, offenbaren sie eine unvorstellbare Regenerationskraft. Bisher fehlt der politische Wille, die festgelegten Schutzmaßnahmen konsequent voranzutreiben. Der Fahrplan steht, jetzt muss es losgehen.   Nur so können wir die Meere und damit unsere Lebensgrundlagen bewahren,“, sagt Anna Holl Buhl. 

Hintergrund: 

Die Ozeane produzieren mehr als die Hälfte des Sauerstoffs, den wir atmen; sie tragen eine bedeutende Rolle im globalen Klimasystem und sind der Ursprung für den globalen Wasserkreislauf, der uns mit Niederschlägen und Süßwasser versorgt. Zudem bieten sie zahlreiche Einkommensmöglichkeiten und eine lebenswichtige Ernährungsversorgung für fast drei Milliarden Menschen, insbesondere in den Entwicklungsländern. Massive Hitzewellen, Überfischung, Verschmutzung, Zerstörung von Lebensräumen, die Klimakrise sowie der Industrialisierungsdruck mit dem Aufbau von Infrastrukturen schädigen unsere Ozeane zusehends. Jahrzehntelange Vernachlässigung, Missmanagement und Unterfinanzierung verstärken diese Bedrohungen noch.   

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Kontakt

Freya Duncker

Pressesprecherin

Meeresschutz und Biodiversität / Hamburg

  • Amur-Tiger © Ola Jennersten / WWF Schweden Bedrohte Arten

    Der Rückgang der biologischen Vielfalt wird maßgeblich durch menschliches Handeln verursacht. Der WWF setzt sich weltweit für den Schutz bedrohter Arten ein. Erfahren Sie mehr zum Artenschutz

  • Windkrafträder © Global Warming Images / WWF Weltweit für mehr Klimaschutz

    Dürren, Überflutungen, Stürme: Immer häufiger und heftiger führt die Klimakrise zu Tod und Verwüstung. Mehr zur WWF-Klimaschutzarbeit

  • Korallen (Indonesien) © GettyImages Meeresschutz - ohne Meer kein Leben

    Unser Planet ist blau – die Meere bedecken rund 70 Prozent der Erdoberfläche und sind von entscheidender Bedeutung für uns Menschen. Mehr zu Meere & Küsten