Anlässlich der 15. Trilateralen Regierungskonferenz zum Schutz des Wattenmeers im dänischen Esbjerg würdigt der WWF bisherige Naturschutzerfolge. Gleichzeitig warnt der WWF: Die fortlaufende Förderung von Gas und Öl im und am Wattenmeer schädigt das weltberühmte Ökosystem, heizt die Klimakrise an und hält die Menschen in der fossilen Kostenfalle. Die Verbrennung fossiler Energieträger beschleunigt den globalen Meeresspiegelanstieg – eine Entwicklung, die für die sensiblen Wattflächen und Inseln an der Nordseeküste zur existenziellen Bedrohung wird. Der WWF fordert daher, die Gas- und Ölförderung im und am Wattenmeer bis spätestens 2030 komplett einzustellen.
„Das Wattenmeer ist doppelt bedroht: Der Betrieb von Förderplattformen ist ein großes Risiko für die geschützte Natur in der Region. Das Verbrennen fossiler Rohstoffe befeuert die Klimakrise und den Meeresspiegelanstieg so drastisch, dass Teile des Wattenmeeres zu versinken drohen. Die Bundesregierung steht in der Pflicht, dieses einzigartige Weltnaturerbe langfristig zu erhalten und die Erderhitzung einzudämmen. Dafür muss sie die Förderung und das Verbrennen fossiler Energien beenden und die Energiewende entschlossen umsetzen“, sagt Jannes Fröhlich, Programmleiter Wattenmeer beim WWF Deutschland. Auch die für die Energiewende notwendigen Windparks in der Nordsee müssen so geplant werden, dass Bau und Betrieb naturverträglich erfolgen. Dazu gehört, dass die Kabeltrassen der Offshore-Windparks das Wattenmeer möglichst meiden. Das UNESCO-Welterbekomitee hat bereits auf die Risiken für den Welterbestatus durch zunehmende Infrastrukturbauten aufmerksam gemacht.
Das erhitzte Klima bedroht das Wattenmeer in seiner Existenz. Vor dem Deich könnten Millionen arktische Zugvögel einen überlebenswichtigen Rastplatz verlieren, während binnendeichs das Marschland absackt. „Angesichts des steigenden Meeresspiegels ist wirksamer Küstenschutz unausweichlich, aber er muss stärker mit der Natur arbeiten, statt hauptsächlich auf eine festgelegte Deichlinie zu setzen”, betont WWF-Experte Jannes Fröhlich.
In Deutschland müssen die zuständigen Landesregierungen in Niedersachsen und Schleswig-Holstein stärker umdenken: Ergänzend zu bewährten Systemen gilt es, verstärkt auf naturbasierte Lösungen wie Sandaufspülungen zu setzen. Pilotprojekte müssen ausprobieren, wie man künftig mehr mit der Dynamik der Natur arbeiten kann, statt gegen sie – etwa durch Gezeitenpolder. Langfristig lassen sich das Weltnaturerbe und die Sicherheit der Menschen nur erhalten, wenn die Küste vor und wo möglich auch das Marschland hinter den Deichen über kontrollierten Salzwassereinfluss mit dem steigenden Meer mitwachsen können. Dänemark, Deutschland und die Niederlande müssen gemeinsam einen Wandel anstoßen, der das Mitwachsen und die ökologische Verbindung zum Hinterland verbessert.
Einen echten Wandel braucht auch die Natur unter Wasser. „Die Unterwasserwelt des Wattenmeers bleibt ein großes Sorgenkind: Selbst nach Jahrzehnten des Schutzes fehlen ausreichende fischereifreie Zonen und ungestörte Bereiche”, so WWF-Experte Fröhlich. Um verloren gegangene Lebensräume und Arten, wie die Sandkorallen, wieder aufleben zu lassen, müssen ganze Tidebecken und große Gebiete in der Nordsee strikt geschützt werden. In Deutschland müssen die Landesregierungen in Niedersachsen und Schleswig-Holstein ambitioniert vorangehen und große fischereifreie Gebiete einrichten. Denn die jetzige Praxis der Krabbenfischerei im Wattenmeer ist nicht rechtskonform. Sie widerspricht insbesondere den Anforderungen des Bundesnaturschutzgesetzes, der EU-Habitatrichtlinie sowie der EU-Wiederherstellungsverordnung der Natur, kritisiert der WWF.
Länderübergreifende Wattenmeerkonferenz beginnt am 27. Mai in Esbjerg
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Meeresschutz - ohne Meer kein Leben