Ob hungrige Kinder oder grummelnder Magen, jeden Tag sind wir mit der immer gleich drängenden Frage konfrontiert – was essen wir heute? Meistens entscheiden wir danach, was uns schmeckt, wofür das Budget diesen Monat noch reicht, was schnell geht oder welche Reste dringend noch verwertet werden sollten. Aber eine Frage dürften sich die wenigsten von uns bei der Essensplanung gestellt haben: In welchem Gericht steckt am wenigsten Regenwald?

Der Wald auf unserem Teller

Viele Lebensmittel, die auf unserem Teller landen, sind direkt oder indirekt mit der Abholzung von Urwäldern und der Zerstörung von wertvollen Ökosystemen verknüpft. Weltweit verschwindet jedes Jahr rund 10 Millionen Hektar Wald. Der Großteil davon wird für die Ausbreitung landwirtschaftlicher Flächen abgeholzt, vor allem für den Anbau von Soja, Palmöl, die Rinderzucht, Holzplantagen oder den Anbau von Kaffee und Kakao.

Die Europäische Union trägt dabei als Vizeweltmeisterin der importierten Waldzerstörung eine entscheidende Verantwortung: Was wir konsumieren, treibt anderswo die Naturzerstörung voran. In den kommenden Monaten wird die Europäische Union ein Gesetz verabschieden, dass den europäischen Anteil an der weltweiten Waldzerstörung stoppen soll. Wenn das Gesetz ehrgeizig genug ist, könnte es ein Meilenstein für den Schutz der Wälder und anderer waldnaher Ökosysteme werden!

Der bisherige Entwurf geht in die richtige Richtung, hat aber auch erhebliche Schwachstellen, die die EU-Mitgliedsstatten, also auch Deutschland, schließen müssen. Die kommenden Monate sind entscheidend. Die Politik muss klare Rahmenbedingungen und Verbindlichkeiten für Unternehmen und damit auch für Verbraucher schaffen.

Bis dies der Fall ist, hat auch jede:r einzelne von uns es in der Hand, gegen die globale Waldvernichtung in unserem Alltag vorzugehen. Im Rahmen der Kampagne #Together4Forests zeigt der WWF, wie das geht und startet deswegen die Mitmach-Aktion „Das entwaldungsfreie Dinner". Anhand von fünf Rezepten zeigen wir, worauf Sie beim Einkauf achten müssen, um lecker und gesund zu kochen und dabei Natur und Klima schützen.

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Das Gewinnspiel ist beendet. Die Gewinner:innen wurden persönlich benachrichtigt.

Soja, Fleisch und Co. – die größten Entwaldungstreiber

Brandrodung für Sojaanbau im Cerrado © Andre Dib / WWF Brazil
Brandrodung für Sojaanbau im Cerrado © Andre Dib / WWF Brazil

Soja, Palmöl, Rindfleisch, Kakao und Kaffee sind neben Holz Haupttreiber für die globale Entwaldung und den Verlust natürlicher anderer Ökosysteme. Der größte Teil der Waldzerstörung geht dabei auf das Konto des Sojaanbaus.

Seit 2001 wurden acht Millionen Hektar natürlicher Vegetation für den Anbau von Soja vernichtet, in Südamerika ist er derzeit eine der profitabelsten Nutzungen landwirtschaftlicher Flächen. Die Folge: tropische Wälder und artenreiche andere Ökosysteme wie Savannen, Grasland und Feuchtgebiete, die enorme Mengen an Kohlenstoff im Boden binden, werden gerodet und in Äcker umgewandelt, was riesige Mengen an Treibhausgasen in der Atmosphäre freisetzt. Gleichzeitig sinkt die Fähigkeit dieser zerstörten Ökosysteme, Kohlendioxid aufzunehmen. So wird der Klimawandel förmlich angeheizt.

Soja Bohnen aus dem Cerrado, Brasilien © Ana Paula Rabelo / WWF UK
Soja Bohnen aus dem Cerrado, Brasilien © Ana Paula Rabelo / WWF UK

Doch was ist an Soja so wertvoll, und was passiert mit den Massen an Soja, die produziert werden?

Soja ist eine der wichtigsten Proteinquellen in unserer globalen Nahrungsmittelversorgung und wird vorwiegend in dreierlei Form gehandelt – als Sojabohnen, Sojamehl und Sojaöl. Allerdings merken wir nicht, wie viel wir davon konsumieren, da der Großteil zunächst an landwirtschaftliche Nutztiere verfüttert wird.

Fast 75 Prozent der weltweiten Sojabohnenernte landen in den Futtertrögen von Nutztieren, vor allem auch in Deutschland oder werden in Aquakulturen verfüttert. Viel Soja steckt also in Fleisch oder Fisch, aber auch in anderen tierischen Produkten wie Eiern, Milch oder Käse.

Nur 15 Prozent des weltweit produzierten Sojas landet direkt in Lebensmitteln wie Tofu oder Sojamilch. Die restlichen 10 Prozent verteilen sich auf Industrie und Brennstoff – Soja versteckt sich somit in vielen Produkten, in denen man es nicht erwartet, wie Kosmetika, Seife oder im Biokraftstoff.

Übrigens: Lebensmittel aus Soja, die in Deutschland verkauft werden, kann man guten Gewissens essen. Sie bestehen aus gentechnikfreiem Soja aus deutscher bzw. europäischer Produktion, oft sogar in Bio-Qualität. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Tofu-Rezept in Deutschland mit dem Verlust von Regenwald in Südamerika zusammenhängt, ist also sehr gering.

Cerrado, Brasilien © David Bebber / WWF-UK
Cerrado, Brasilien © David Bebber / WWF-UK

In Brasilien ist die Lage besonders dramatisch. Dort ist neben dem Regenwald vor allem der Cerrado betroffen.

Die Savannenlandschaft ist eines der artenreichsten und gefährdetsten Ökosysteme der Erde. Nur die Hälfte der ursprünglichen Vegetation des Cerrado ist noch erhalten. Soja macht mehr als 80 Prozent der Anbauflächen des Cerrado aus und ist für die Zerstörung von etwa 100.000 Hektar pro Jahr verantwortlich.

Der Cerrado ist ein Paradebeispiel dafür, wie sich der Sojaanbau immer mehr auf Savannenlandschaften, Feuchtgebiete und weitere wertvolle Ökosysteme ausbreitet. Nur sind genau diese Ökosysteme in dem Vorschlag des EU-Gesetzes zum Stopp der europäisch verantworteten globalen Entwaldung und Naturzerstörung nicht von Anfang an enthalten. Stattdessen soll erst nach zwei Jahren geprüft werden, ob auch andere Ökosysteme wie die Cerrado-Savanne mit einbezogen und somit mit geschützt werden soll. Aus unserer Sicht viel zu spät!

Erfahren Sie mehr warum der Gesetzesentwurf erhebliche Lücken hat, und was die Mitgliedsstaaten tun müssen, um diese zu schließen  in unserer Analyse.

Das entwaldungsfreie Dinner: so viele haben bereits mitgemacht!

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  • Faultier hangelt sich von Baum zu Baum © gettyimages Helfen Sie dem WWF: Spenden Sie!

    Jährlich verlieren wir mindestens 14 Millionen Hektar Wald – weltweit. So massiv die Zerstörung, so groß und vielfältig ist die Aufgabe, sie zu stoppen. Jetzt Spenden

  • Bastardschildkröte im Pazifik © naturepl.com / Solvin Zankle / WWF Halten Sie sich auf dem Laufenden

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