Eine Nahaufnahme von Bananen die übereinander gestapelt liegen.

Das gemeinsame Bananenprogramm von WWF und EDEKA-Verbund

Bananen sind nach Äpfeln das beliebteste Obst in Deutschland mit über 1,3 Millionen Tonnen Import jährlich. Sie wachsen in Ländern rund um den Äquator auf Farmen, die viel Wasser, Dünger und im konventionellen Anbau Pestizide verwenden. Um die mit diesem Anbau verbundenen ökologischen Auswirkungen gezielt zu verringern, haben WWF und EDEKA ein gemeinsames Bananenprogramm gestartet.

Anteile von konventionellen und Bio-Bananen im Einkauf deutscher Haushalte in 2024. Quelle: Ökolandbau.de, Das Informationsportal
Anteile von konventionellen und Bio-Bananen im Einkauf deutscher Haushalte in 2024. Quelle: Ökolandbau.de, Das Informationsportal © WWF

Der konventionelle Anbau der Südfrüchte geht mit einer Vielzahl an ökologischen und sozialen Problemen einher: Die Pflanzen werden mit hohen Mengen von Pestiziden vor Insekten, Beikraut und Pilzbefall geschützt. Zugleich wird das Wachstum der Bananen mit viel Dünger und in einigen Regionen mit Bewässerung gefördert – was zu Wasserknappheit führen kann. Die Arbeitsbedingungen sind in vielen Exportländern durch prekäre Arbeitsverhältnisse und gesundheitliche Risiken geprägt.

Die Nachfrage nach konventionellen Bananen ist jedoch weiterhin groß: Mehr als 85 Prozent der in Deutschland verzehrten Bananen stammen aus dieser Anbauform.

Bio-Bananen lassen sich aus klimatischen Gründen nicht in großen Mengen überall anbauen. Die Erkenntnis, dass es daher dringend Lösungen für den konventionellen Anbau braucht, war der Ausgangspunkt für WWF und EDEKA. Gemeinsam fördern die Partner seit 2014 langfristig angelegte Strategien und Partnerschaften für die Weiterentwicklung des Bananenanbaus.

Um teilzunehmen, müssen alle Farmen bereits Rainforest-Alliance-zertifiziert sein. Danach beginnt die Arbeit, um die zusätzlichen Programmmaßnahmen zu erfüllen: Zusammen mit unabhängigen Expert:innen haben WWF und EDEKA knapp 80 Maßnahmen für gute landwirtschaftliche Praxis entwickelt, die auf sechs Themenfelder einzahlen. (Hinweis: Die detaillierte Übersicht der Maßnahmen wird derzeit aktualisiert und steht ab Anfang 2027 an dieser Stelle zum Download zur Verfügung.) Fortschritte und die Einhaltung der Maßnahmen werden zweimal jährlich durch ein Monitoringteam auf den Programmfarmen überprüft.

Um den konventionellen Bananenanbau gezielt zu verbessern, setzt das Programm an sechs zentralen Hebeln an:

  • Schutz und Förderung der Biodiversität
  • Überwachung und Verminderung des Wasserverbrauchs
  • verbesserter Umgang mit Abfällen
  • der verantwortungsvollere und möglichst reduzierte Einsatz von Pflanzenschutzmitteln sowie Schutz des Bodens
  • Treibhausgasemissionen erfassen und reduzieren
  • Schutz der Mitarbeiter:innen-Rechte sowie Optimierung von Sicherheits- und Gesundheitsschutz

Was zunächst als Modellprojekt begann, wurde 2025 auf eine neue Stufe gehoben: Mehr Bananen auf mehr Anbauflächen in noch mehr Ländern: Mit der Ausweitung werden die Früchte bei EDEKA und Netto Marken-Discount im Preiseinstiegssegment angeboten. Damit erreichen sie einen deutlich größeren Kund:innenkreis. Unser Programm steigert damit seinen Wirkkreis und seine Reichweite enorm – mit Farmen in Costa Rica, Ecuador, Kamerun, Belize und Kolumbien.

Das Prinzip Mengenausgleich:

Der EDEKA-Verbund nimmt aufgrund von Qualitätsspezifikationen wie Größe oder Aussehen nicht immer alle Früchte der Programmfarmen ab. Daher können Bananen von Programmfarmen und Bananen von Ausgleichsfarmen der Lieferanten im EDEKA- und Netto-Markt vermischt werden. Auch diese Farmen erfüllen schon jetzt Mindestanforderungen, wie eine Rainforest Alliance Zertifizierung, und werden bis zum Jahr 2030 auf das Programmfarm-Niveau weiterentwickelt.

Dabei ist gesichert, dass immer nur genauso viele Früchte unter dem Programmclaim verkauft werden, wie insgesamt unter Programmbedingungen angebaut werden. Auf diese Weise können die nachhaltigeren Anbaumethoden bis 2030 schrittweise gefördert werden, während gleichzeitig die steigende Kundennachfrage bedient wird. Der Mengenausgleich basiert auf einem klar definierten Prozess, der vom TÜV Rheinland im Rahmen der Zertifizierung „TR Geprüfter Prozess“ unabhängig geprüft und bestätigt wurde.

Einblicke in die Praxis: Beispiele der Arbeit im Bananenprogramm:

Fortschrittevaluierung

Beim halbjährlich stattfindenden Programmmonitoring wird die Erfüllung der Programmmaßnahmen vor Ort im Feld durch Interviews mit Arbeiter:innen und durch Dokumentenabgleich überprüft. Anders als in Zertifizierungs-Audits werden die Farmen dabei zusätzlich zur Umsetzung der Programmmaßnahmen beraten. Das schafft den Rahmen, um Anbaumethoden und das Farmmanagement stetig verbessern zu können und Mitarbeiter:innen kontinuierlich in nachhaltigeren Praktiken zu schulen.

Wird bei Monitorings festgestellt, dass Farmen Programmmaßnahmen nicht oder nur teilweise umsetzen, erhalten sie die Möglichkeit, nachzubessern. Sollte die Farm eine erneute Prüfung nicht bestehen und die Mängel nicht beseitigt haben, besteht die Möglichkeit, sie bis zur Erfüllung der entsprechenden Kriterien zunächst zeitweilig zu suspendieren – oder sie wird, bei schwereren Verstößen über eine längere Zeit, komplett aus dem Programm ausgeschlossen.

Tropical Race 4 (TR4 ) bedroht den Bananenanbau

Von Panama und Costa Rica aus verbreitete sich 1890 die sogenannte "Panamakrankheit“, eine Pilzerkrankung, die schnell globale Ausmaße annahm. Sie raffte die damals angebaute Bananen-Sorte „Gros Michel“ komplett dahin und führte zu enormen Ernteausfällen. Inzwischen befällt der mutierte Pilz als sogenannter „Tropical Race 4“ (TR4) auch die Cavendish-Sorte. Angefangen in Südostasien in den 1990er Jahren, breitete sich der TR4-Pilz über Australien, Afrika und den arabischen Raum aus. Im August 2019 wurde der erste Fall in Südamerika bestätigt. Seitdem werden strikte Regeln zur Eindämmung der Ausbreitung des Pilzes eingeführt, denn der Pilz ist resistent gegen Fungizide, kann dreißig bis vierzig Jahre im Boden überleben und die Sporen sind leicht übertragbar.

Water-Stewardship beim Bananenanbau

In Kolumbien hat der WWF mit seinen regionalen Partnern und anderen Wassernutzer:innen sowie u.a. der Unterstützung von EDEKA im Anbaugebiet zwischen Sierra Nevada und Ciénaga Grande eine „Water-Stewardship-Plattform“ (Plataforma de Cooperación y Custodia del Agua, PCCA) eingerichtet. Damit können die Wassernutzer:innen in der Region ihren Wasserverbrauch kontrollieren und verringern, mit dem Ziel Ökosysteme zu erhalten, um die Wasserqualität zu sichern. Farmen, Firmen, Behörden und Vertreter:innen der Bevölkerung des Einzugsgebiets sprechen sich bei der Nutzung ab und nehmen Rücksicht aufeinander. Eine vergleichbare Plattform, bei der die lokalen Programmfarmen mitarbeiten, befindet sich im Aufbau unter der Leitung des WWF Ecuador.

Interview mit Isabel Pleisnitzer, Leiterin des Anbauprojekts Banane beim WWF Deutschland:

Warum arbeitet der WWF daran, konventionelle Früchte zu verbessern?

Isabel Pleisnitzer © Kathrin Tschirner / WWF
Isabel Pleisnitzer © Kathrin Tschirner / WWF

In Deutschland ist derzeit etwa jede siebte verkaufte Banane eine Bio-Banane. Der weitaus größere Teil des Marktes entfällt also weiterhin auf konventionell angebaute Bananen. Der konventionelle Bananenanbau jedoch bringt gerade in den Anbauregionen ökologische und soziale Herausforderungen mit sich. Genau da setzen wir mit unserem Programm an. Gemeinsam mit den beteiligten Farmen erproben wir konkrete Ansätze, um Umweltbelastungen zu verringern und soziale Bedingungen im Anbau zu verbessern. Dabei sammeln wir Erfahrungen darüber, was in der Praxis funktioniert und wo es noch Hürden gibt. Dieses Wissen kann dann auch anderen Farmen als Orientierung dienen.

Woran arbeitet ihr gerade?

Wir haben unser Projekt 2025 stark ausgeweitet, um mehr Lieferanten und Farmen zu erreichen. Durch den Verkauf der Programmbanane im Preiseinstieg erreichen wir mehr Kund:innen, wir erreichen den Massenmarkt. Zugleich ist unsere Sichtbarkeit deutlich größer. Damit haben wir auch eine größere Hebelwirkung auf den gesamten Sektor.

Die wohl größte Änderung ist die Ausweitung auf neue Lieferanten und neue Länder, nämlich Kamerun und Belize. Damit einher geht die Entscheidung, die Bananen zunächst nach dem Mengenausgleich zu vermarkten.

Jedes neue Lieferland und jeder Lieferant bringt spezifische Anforderungen mit, die wir berücksichtigen – beispielsweise durch unterschiedliche ökologische Gegebenheiten in den diversen Regionen. Wir können viel von unseren Erfahrungen aus zehn Jahren Projektarbeit nutzen, trotzdem gibt es auch ganz neue Fragen.

Wofür ist der Mengenausgleich nötig?

Durch diesen Ansatz ermöglichen wir den Lieferanten, ihre Farmen nach und nach von Ausgleichs- zu Programmfarmen umzustellen. 2030 werden dann alle Bananen im Markt von Farmen stammen, die unsere Programm-Maßnahmen bereits vollständig umsetzen oder auf dem Weg dahin sind. Durch den Mengenausgleichs-Ansatz haben wir Zeit gewonnen, um die Farmen in das Programm einzugliedern und gleichzeitig die hohen Liefermengen zu erreichen, die für Preiseinstiegsprodukte benötigt werden.

Damit stehen wir intern vor der Herausforderung, dass die Farmen einen sehr unterschiedlichen Stand bei der Umsetzung unserer Maßnahmen haben. Die neuen haben ganz andere Herausforderungen als die Farmen in Kolumbien und Ecuador, die seit Jahren mit dabei sind. Aus diesem Grund haben wir auch unseren Maßnahmenkatalog bearbeitet und angepasst.

Was passiert konkret vor Ort auf den Farmen?

Die Liste ist lang, einige Beispiele: Die Banane braucht viel Wasser - rein rechnerisch benötigt eine einzelne große Frucht bis zu 160 Liter Wasser im Anbau. Wir haben die Farmen zu Investitionen in ihre Bewässerungssysteme oder in Wassersparmaßnahmen beim Waschen der Früchte ermutigt. Die Programmfarmen kontrollieren und verringern so ihren Wasserverbrauch.

Durch die Bepflanzung von Bewässerungskanälen soll vermieden werden, dass es Pestizidabdrift in die Kanäle gibt und das Süßwasser verschmutzt wird. Auf fast allen Programmfarmen in Ecuador und Kolumbien wurden schon Schutzzonen um aquatische Ökosysteme eingerichtet. Das bedeutet, das zwischen Flüssen und Bananenplantage ein Grünstreifen entstanden ist. Dazu mussten oft Bananenstauden entfernt werden. Dort finden heimische Pflanzenarten und Tiere jetzt einen Lebensraum.

Durch mechanische Methoden zur Beikrautbekämpfung gelang es bei Farmen, die schon länger dabei sind, Herbizide stets weiter zu reduzieren. Bei anderen Pestiziden, insbesondere zur Bekämpfung von Pilzen, ist der Weg nicht so leicht. Hier arbeiten wir daran, weniger giftige Stoffe zu verwenden, sie nicht präventiv einzusetzen, sondern nur nach Bedarf und so wenig wie möglich.

  • Mähdrescher auf dem Feld © Getty Images Landwirtschaft

    Der WWF setzt sich für tiefgreifende Reformen in der europäischen Agrarpolitik ein, weil die moderne Landwirtschaft die Artenvielfalt bedroht. Weiterlesen ...

Sylvia Ratzlaff

Pressereferentin / WWF Deutschland

Miriam Heimberg

Unternehmenskommunikation / EDEKA