Über 50 Prozent der Fläche Deutschlands wird für landwirtschaftliche Zwecke genutzt. Landwirtschaft prägt den Lebensraum von Tieren und Pflanzen. Naturschutzexperten beobachten mit großer Sorge, dass insbesondere in landwirtschaftlich genutzten Flächen die Artenvielfalt immer mehr zurückgeht. Das will das Modellprojekt „Landwirtschaft für Artenvielfalt“ ändern.

Europäischer Hase © iStock / GettyImages
Europäischer Hase © iStock / GettyImages

Selbst ehemals weit verbreitete Arten wie der Feldhase oder das Braunkehlchen bekommt man in Deutschland immer seltener zu Gesicht. Auch viele Ackerwildkräuter verschwinden mehr und mehr aus dem Landschaftsbild. Zahlreichen Insekten und Amphibien ergeht es ebenso.

Dabei gibt es durchaus Möglichkeiten, landwirtschaftliche Flächen so zu bewirtschaften, dass diese Lebens- und Rückzugsraum für wildlebende Tier- und Pflanzenarten bieten. Insbesondere der Ökologische Landbau bietet hier großes Potenzial. Leider sind entsprechende Kriterien und Maßnahmen zum Erhalt und zur Förderung der biologischen Vielfalt nicht konkret und systematisch in die Richtlinien der ökologischen Verbände integriert. Trotz Empfehlung des Sachverständigenrats für Umweltfragen der Bundesregierung: Ein „Naturschutz-Siegel“ als Zusatz in den Anbaurichtlinien für den Ökologischen Landbau fehlt bislang.

Hier setzt das Modellprojekt „Landwirtschaft für Artenvielfalt“ an: In Zusammenarbeit mit dem Ökologischen Anbauverband Biopark und mit EDEKA arbeitet der WWF Deutschland an der Entwicklung eines neuen Standards „Landwirtschaft für Artenvielfalt“. Wissenschaftlich begleitet und umgesetzt wird das Projekt vom ZALF e.V. (Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung). Landwirtschaft für Artenvielfalt ist offizielles Projekt der UN-Dekade für Artenvielfalt. Die Auszeichnung wird an Projekte verliehen, die sich in nachahmenswerter Weise für die Erhaltung der biologischen Vielfalt einsetzen.

Grundlage für das Naturschutzmodul ist ein Katalog mit über 100 Naturschutzmaßnahmen und -leistungen. 40 Experten aus den Bereichen Naturschutz und Landwirtschaft waren sowohl an der Erarbeitung der einzelnen Naturschutzmaßnahmen als auch deren Bewertung beteiligt.  

Kein landwirtschaftlicher Betrieb ist wie der andere. Um die Artenvielfalt auf gesamtbetrieblicher Ebene möglichst wirkungsvoll zu erhöhen, unterstützen daher naturschutzfachliche Berater die Landwirte bei der Zusammenstellung und Umsetzung ihres individuellen Maßnahmenpakets. Jede zur Auswahl stehende Naturschutzmaßnahme ist mit einer Punktzahl hinterlegt. Die Punktzahl basiert auf der Einschätzung, wie effektiv die Maßnahme für den Schutz von wildlebenden Tier- und Pflanzenarten sowie deren Lebensräumen ist. Um das Naturschutzmodul zu erreichen, muss jeder Betrieb eine Mindestpunktzahl erreichen.

Acker mit Wildblumen © photonaj / iStock / Getty Images Plus
Acker mit Wildblumen © photonaj / iStock / Getty Images Plus

Die Naturschutzmaßnahmen beziehen sich auf die Bereiche Ackerland, Grünland – also Wiesen und Weiden – und Landschaftselemente, wie Hecken oder Tümpel. Sie zielen auf verschiedene Arten und deren unterschiedlichen Ansprüche an ihre Lebensräume ab. So ermöglichen zum Beispiel Maßnahmen zur Auflockerung der Getreidebestände eine gute Entwicklung von Ackerwildkräutern, wie der Kornblume oder dem Sand-Mohn. Sie bieten außerdem Nist- und Nahrungsraum für Feldvögel oder Feldhasen. Auch das Stehenlassen von ungemähten Streifen oder Säumen an den Feldrändern steigert die Vielfalt der Arten. Sie ziehen nektarsuchende Insekten an und bieten Schutz für bodenbrütende Vögel. Die Vorgabe, Teile des Grünlandes für acht Wochen während der Brutzeit im Frühjahr nicht zu nutzen oder zu bearbeiten, hilft Feldvögeln wie Feldlerche oder Wiesenpieper. Innerhalb dieser Zeit können sie ihre Brut sicher aufziehen. Spätblühende Kräuter können zur Samenreife gelangen, wenn nach der Getreideernte nicht sofort der Boden bearbeitet wird. Sind rings um Tümpel im Sommer ungenutzte Bereiche vorhanden, finden Amphibien wie die stark gefährdete Rotbauchunke an Land ihre notwendigen Rückzugsräume. Das Naturschutzmodul berücksichtigt bei der Punktevergabe auch, ob wichtige Biotope wie zum Beispiel artenreiche Nasswiesen existieren und wie es um das Vorkommen ausgewählter Arten wie zum Beispiel hochgradig gefährdeter Ackerwildkräuter steht.  

Über 50 Betriebe des Ökologischen Anbauverbandes Biopark in Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Sachsen-Anhalt erfüllen bereits die Auflagen des Naturschutzstandards. Eine Datenbank dokumentiert sämtliche durchgeführte Maßnahmen und nachgewiesene Arten. Auf ausgewählten Betrieben führen die naturschutzfachlichen Berater zusätzlich ein Monitoring der Bestandsentwicklung bestimmter Arten durch. Auf dieser Grundlage und mit steigender Erfahrung der Landwirte können die Auswahl und die Umsetzung der Maßnahmen stetig optimiert und die Effektivität für den Artenschutz gesteigert werden.

EDEKA unterstützt das Modellprojekt und garantiert den Erzeugern die Abnahme der landwirtschaftlich erzeugten Produkte. Beim Einkauf können Verbraucher das Engagement und die Mehrarbeit der Landwirte für die Artenvielfalt ebenfalls fördern: Alle Bio-Fleisch und Bio-Wurstwaren der Marke „Natur Pur“ sind auf Bio+Artenvielfalt-Produkte umgestellt und im Vertriebsgebiet von EDEKA Nord erhältlich. Auch Kartoffeln aus dem Projekt werden unter der Marke „Unsere Heimat Bio“ in den dortigen Märkten angeboten. Zu erkennen sind diese Produkte am Logo „Landwirtschaft für Artenvielfalt“.

Mit Abschluss des Modellprojekts soll die Grundlage geschaffen sein für eine breite Einführung und Nutzung des Standards „Landwirtschaft für Artenvielfalt“ durch Betriebe des Ökologischen Landbaus. Denn je mehr Bio-Landwirte mitmachen, desto besser für den Artenschutz.

EDEKA UND DER WWF

Fischer Thunfisch Philippinen mit EDEKA-Logo © Jürgen Freund / WWF
EDEKA und Fischerei
Beim Thema nachhaltige Fischerei arbeiten der WWF und EDEKA seit 2009 erfolgreich zusammen
Mehr erfahren
Holzstücke in Rumänien mit EDEKA Logo © James Morgan / WWF
EDEKA und Holz und Papier
Wälder liefern für viele Alltagsprodukte den Rohstoff Holz. Hier setzen WWF und EDEKA an.
Mehr erfahren
Windräder mit EDEKA-Logo © GettyImages / c Tobias
EDEKA und Klimaschutz
Für WWF und EDEKA ist Klimaschutz ein zentrales Thema auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit.
Mehr erfahren
Palmöl Früchte auf einer Plantage in Sumatra mit EDEKA Logo © James Morgan / WWF International
EDEKA und Palmöl
Palmöl steckt in vielen Produkten. Mit den Anbauflächen wachsen auch die Probleme.
Mehr erfahren
Bananen mit EDEKA Logo © David Lawson / WWF-UK
EDEKA und Bananen
WWF und EDEKA fördern einen sozialverträglichen Anbau konventioneller Bananen.
Mehr erfahren
Sojabohne mit EDEKA Logo © saraTM / iStock / Getty Images Plus
EDEKA und Soja
WWF und EDEKA unterstützen heimische Futtermittel und die Verbesserung der Sojaproduktion.
Mehr erfahren
Bewässerung in Marokko mit EDEKA Logo © Michel Gunther / WWF
EDEKA und Süßwasser
WWF und EDEKA analysieren Eigenmarkenprodukte auf Wasserrisiken in den Produktionsgebieten
Mehr erfahren
Glasbehälter mit EDEKA-Logo © GettyImages
EDEKA und Verpackungen
So nützlich Verpackungen sind: Ihre Herstellung und Entsorgung belastet die Umwelt.
Mehr erfahren
Landwirtschaft Maisfeld mit EDEKA Logo © Sonja Ritter / WWF
EDEKA und Beschaffungsmanagement
Der weltweite Anbau der Argrarrohstoffe verursacht ökologische und soziale Probleme.
Mehr erfahren
Edeka Eingang mit Kundin und Logo © EDEKA
EDEKA - regionales Engagement
Regionale EDEKA Märkte schaffen die Einweg-Plastiktüte ab. Stattdessen setzen wir auf PET.
Mehr erfahren
Vogel mit EDEKA Logo © Ola Jennersten / WWF Schweden
EDEKA und Landwirtschaft
WWF und EDEKA fördern die Artenvielfalt auf landwirtschaftlichen Nutzflächen.
Mehr erfahren
Zitronen mit EDEKA Logo © Jason Houston / WWF-US
EDEKA und Zitrusfrüchte
Der WWF und EDEKA unterstützen Projekte zu nachhaltigem Zitrusfruchtanbau.
Mehr erfahren
  • Weizenfeld © Nastco / iStock / Getty Images Plus Landwirtschaft für Artenvielfalt

    Die industrielle Landwirtschaft hat heute eine Vielzahl von negativen Auswirkungen auf unsere Umwel Weiterlesen ...