Bananen sind nach Äpfeln das beliebteste Obst in Deutschland. Mehr als 1,3 Millionen Tonnen importieren wir jedes Jahr. Sie gedeihen am Äquator, wo es warm und feucht ist. Die nachgefragten großen Mengen werden auf riesigen Farmen angebaut. Das bleibt nicht ohne Folgen. Denn die Früchte werden mit viel Wasser und Dünger „gefüttert“ und mit hohen Mengen von Pestiziden vor Insekten, Unkraut und Pilzbefall geschützt. Die bessere Wahl zu herkömmlichen konventionellen Bananen sind Bio-Bananen. Doch sie lassen sich aus klimatischen Gründen nicht überall anbauen. Gleichzeitig ist die Nachfrage nach konventionellen Bananen weiterhin groß. Fast 80 Prozent der in Deutschland verzehrten Bananen stammen aus dieser Anbauform. Deswegen brauchen wir dringend Lösungen für den Anbau konventioneller Bananen. Und genau da setzen der WWF und EDEKA mit dem „Gemeinsamen Projekt für eine bessere Banane“ an und haben so die Chance, einen riesigen Markt nachhaltiger zu machen, wenn das Projekt Schule macht.

Anteile von konventionellen und Bio-Bananen im Einkauf deutscher Haushalte in 2017. Quelle: Ökolandbau.de, Das Informationsportal © WWF
Anteile von konventionellen und Bio-Bananen im Einkauf deutscher Haushalte in 2017. Quelle: Ökolandbau.de, Das Informationsportal © WWF

Die Banane gehört zu den beliebtesten Obstsorten in Deutschland. Doch der konventionelle Bananenanbau geht mit einer Vielzahl an ökologischen und sozialen Problemen einher und schadet damit der Umwelt und den Menschen. Gemeinsam wollen WWF und EDEKA ihn daher umwelt- und sozialverträglicher gestalten. Der Fokus liegt auf Vertragsfarmen in Kolumbien und Ecuador, welche die Bananen für die EDEKA Eigenmarke liefern.

Um am Projekt teilnehmen zu können, dürfen die Farmen seit 2004 keine Naturflächen in Anbaufläche umgewandelt haben und auch keine Pflanzenschutzmittel der Gefährdungsklasse WHO I a+b auf der Anbaufläche einsetzen. Alle teilnehmenden Farmen müssen außerdem jederzeit Rainforest Alliance Certified™-einzelzertifiziert sein.

Der WWF entwickelte mit unabhängigen Expert:innen weitere Anforderungen, die in 78 umzusetzende Maßnahmen mündeten und die auf die sechs Themenfelder einzahlen. Fortschritte und die Einhaltung der Maßnahmen werden zweimal jährlich durch externe Auditor:innen überprüft.

Durch den breiten Ansatz ist das Bananenprojekt einzigartig. Die sechs Themenbereiche sind:

  1. Natürliche Ökosysteme: Das Ökosystem Regenwald und seinen Artenreichtum schützen.
  2. Wassermanagement: Kostbares Süßwasser vor Verunreinigung schützen und einsparen.
  3. Abfallmanagement: Den Abfall besser entsorgen und den Materialeinsatz reduzieren.
  4. Integriertes Anbaumanagement: Die Böden schonen und deren Gesundheit fördern, sowie den Pestizideinsatz optimieren.
  5. Klimaschutz: Das Klima schützen durchweniger Treibhausgasemissionen
  6. Soziale Verantwortung: Die Arbeitskräfte schützen und absichern.

Dabei arbeiten WWF und EDEKA mit einem integrierten Ansatz, zum einem indem die Arbeiter:innen auf den Farmen in Schulungen zu Themen der Nachhaltigkeit fortgebildet werden und zum anderem, indem das gesamte Ökosystem und das Umfeld der Farmen betrachtet wird. Das ist wichtig, um nachhaltige Veränderungen und ein Umdenken zu erzielen. So arbeitet das Projekt nicht nur auf Farmebene, sondern geht auch darüber hinaus. Auf den sogenannten Unternehmens- und Landschaftsebenen werden weitere Maßnahmen zu den sechs Themenfeldern umgesetzt. WWF und EDEKA arbeiten eng mit dem Lieferanten und dessen Farmen zusammen, schulen, erklären, diskutieren und entwickeln im ständigen Austausch eigene Lösungen.

Das Zwischenfazit des seit 2014 laufenden Projekts zeigt: Im Jahr 2017 verfügten bereits alle Farmen  über Wasseraufbereitungsanlagen. Somit lässt sich Wasser, mit dem die Bananen vor dem Transport gewaschen werden, erneut nutzen. Seit Ende 2021 sind alle Projektfarmen mit der weltweit ersten AWS-Zertifizierung im Bananensektor ausgezeichnet worden. Unsere Projekt-Farmen sind somit Water Stewardship-Pioniere im weltweiten Bananensektor und zeigen, dass nachhaltiges Wassermanagement auf der Farm sowie im Flusseinzugsgebiet möglich ist. 

Die toxische Belastung durch  Pestizide wurde seit Projektbeginn im Jahr 2014 um 37% verringert. Herbizide kommen auf den Projektfarmen seit 2021 gar nicht mehr zum Einsatz. Arbeiter:innen, die mit gefährlichen Chemikalien umgehen müssen, sind – auch zur eigenen Sicherheit – jetzt besser geschult und mit der korrekten Schutzausrüstung ausgestattet. Neu geschaffene Schutzzonen zwischen Ökosystemen und angrenzender Anbaufläche lassen neue Lebensräume entstehen und verhindern zugleich, dass die mit Düngemitteln und Pestiziden behandelten Flächen der Bananenplantagen nicht die benachbarten Flüsse oder Wälder verschmutzen. Auch Flora und Fauna in den Ökosystemen sind so vor den Chemikalien besser geschützt. All das hat dazu beigetragen, dass das Bewusstsein für Umwelt- und Klimaschutz vor Ort gewachsen ist. Auch um soziale Themen kümmert sich das Projekt: Alle Arbeiter:innen wurden ins gesetzliche Sozialversicherungssystem aufgenommen, um sie im Falle von Krankheiten und Arbeitsunfällen abzusichern. Alle Beschäftigten sind in festen Anstellungen und werden nach nationalen gesetzlichen Mindestlöhnen vergütet. Durch Schulungen und Einrichtung sanitärer Anlagen wurde der Gesundheitsschutz ausgebaut.

Bei den regelmäßigen Projektmonitorings durch externe Auditor:innen wird die Erfüllung der Projektmaßnahmen vor Ort im Feld, durch Interviews mit Arbeiter:innen und durch Dokumentenprüfung gecheckt. Dieses Monitoring findet halbjährlich statt. Anders als in Audits von Zertifizierungen üblich werden die Farmen bei den Monitorings zusätzlich zur richtigen Umsetzung beraten – denn das Ziel des Projektes ist eine stetige Verbesserung der Anbaumethoden und des Farmmanagements sowie die kontinuierliche Schulung der Farmen in Sachen nachhaltiger Praktiken. Wenn während des Monitorings festgestellt wird, dass Farmen Projektmaßnahmen nicht oder nur teilweise umsetzen, erhalten sie die Möglichkeit nachzuarbeiten.. Im Anschluss erfolgt eine erneute Prüfung. Sind die Mängel nicht beseitigt, wird die Farm bis zur Erfüllung der entsprechenden Kriterien zunächst zeitweilig suspendiert oder aus  dem Projekt ausgeschlossen.

Von Panama und Costa Rica verbreitete sich 1890 die sogenannte "Panamakrankheit“, eine Pilzerkrankung, die sich schnell global ausbreitete. Sie raffte die damals angebaute Bananen-Sorte „Gros Michel“ komplett dahin und führte zu enormen Ernteausfällen. Inzwischen befällt der mutierte Pilz als sog. Tropische Rasse 4 (TR4) auch die Cavendish-Sorte. Angefangen in Südostasien in den 90er Jahren, breitete sich der TR4-Pilz über Australien, Afrika und den arabischen Raum aus. Im August 2019 wurde der erste Fall in Südamerika bestätigt. Seitdem werden strikte Regeln zur Eindämmung der Ausbreitung des Pilzes eingeführt, denn der Pilz ist resistent gegen Fungizide und die Sporen leicht übertragbar und kann 30-40 Jahre im Boden überleben.

Fusarium Tropical Race 4 (TR4)

In der aktuellen Projektphase mit Beginn 2022  wird die Arbeit über die Farmgrenzen hinaus noch stärker ausgebaut– die WWF-Büros in Ecuador und Kolumbien vor Ort sind eingebunden, um am Erreichen der Ziele aktiv mitzuwirken. Dazu ist auch ein noch engerer Schulterschluss mit den regionalen Verantwortlichen aus Politik und Verwaltung nötig. Zum Beispiel hat der WWF mit seinen regionalen Partnern und anderen Wassernutzern im Anbaugebiet in Kolumbien, zwischen Sierra Nevada und Ciénaga Grande, eine „Water-Stewardship-Plattform“ (Plataforma de Cooperación y Custodia del Agua (PCCA) eingerichtet, um die Region für ein besseres Wassermanagement zu gewinnen. Ziel ist, dass die Projektfarmen ihren Wasserverbrauch kontrollieren und verringern, Ökosysteme erhalten werden, um gute Wasserqualität sicherzustellen. Farmen, Firmen, Behörden und Vertreter:innen der Bevölkerung des Einzugsgebiets besprechen die Nutzung des knappen Guts und nehmen Rücksicht aufeinander. Für weitere Informationen zur „Water-Stewardship-Plattform“ lohnt sich dieses Video des WWF Kolumbien und ein Blick auf diesen Flyer. Eine vergleichbare Plattform befindet sich seit 2022 auch in Ecuador im Aufbau unter der Leitung des WWF Ecuador und aktiver Teilnahme der Farmen in Ecuador.

Auf Farmebene werden in der neuen Projektphase die Schutzzonen für natürliche Ökosysteme weiter ausgeweitet. Zusätzlich sollen mehr Drohnen bei der Pestizidausbringung für mehr Präzision und zum Schutz der Arbeiter:innen eingesetzt werden. Außerdem werden gezielt Maßnahmen in den natürlichen Schutzzonen umgesetzt, um die dortigen Bestäuberarten zu schützen. Ferner wird die Bodengesundheit weiter gefördert. Dies geschieht z.B. durch das Einarbeiten von organischer Materie wie Bananenblätter in die Böden und das Stehenlassen der vorhandenen Bodenbedeckung. Die Wasseraufbereitung wird ebenfalls weiterentwickelt, und die Felder effizienter bewässert. Außerdem werden die Treibhausgas-Emissionen direkter und indirekter Emissionsquellen erhoben und festgelegt wie sie sich verringern lassen. Auch soll weniger Plastik in der Produktion eingesetzt werden. Dieses wird eingesetzt, um die heranwachsenden Bananenbüschel vor äußeren Einflüssen zu schützen. Die Maßnahmen zum Gesundheitsschutz und Sicherstellung der Rechte von Arbeiter:innen bleiben weiter bestehen und werden um Maßnahmen auf Unternehmensebene ergänzt. So soll  Geschlechtergleichberechtigung gestärkt, die Gewährleistung existenzsichernder Löhne umgesetzt werden und Forschungsprojekte zur Optimierung von Recyclingprozessen oder der Feldarbeit und der Arbeit in der Packstation umgesetzt werden.

  • Titel der Broschüre "Gelb & Gut: Bananen" © EDEKA / WWF Gelb & Gut: Bananen

    Was die EDEKA-Projekt-Banane mit dem WWF-Panda zur „besseren Banane“ macht. Herunterladen...

Interview mit Denis Ünver, Leiter des Anbauprojekts Banane beim WWF Deutschland:

Was verspricht sich der WWF vom Projekt?

Denis Ünver © Kathrin Tschirner
Denis Ünver © Kathrin Tschirner

Der Markt konventionell angebauter Bananen ist groß, ebenso die ökologischen und sozialen Probleme, die in Ländern wie Ecuador, Kolumbien oder Costa Rica durch den großflächigen konventionellen Anbau entstehen. Aus unserer Sicht reicht es nicht aus, diese Probleme nur aufzuzeigen. Wir möchten sie auf Farmebene angehen. Die Erfahrungen, die wir im Projekt mit den beteiligten Farmen sammeln, können für viele weitere Farmen den Weg zu einem umwelt- und sozialverträglicheren Anbau aufzeigen. Einige unserer Ziele sind beispielsweise im Bio-Standard nicht berücksichtigt: So arbeiten wir aktiv an der Förderung der Biodiversität und am Süßwasserschutz.

Was passiert konkret vor Ort auf den Farmen?

Die Liste ist lang. Hier einige Beispiele: Die Banane braucht viel Wasser - rein rechnerisch benötigt eine einzelne große Frucht bis zu 160 Liter Wasser im Anbau. Daher haben wir die Bewässerungssysteme verbessert und Wasseraufbereitungsanlagen zum Waschen der Früchte eingeführt. Das Projekt für eine bessere Banane hat die Farmen auch zu Investitionen in ihre Bewässerungssysteme oder in Wasseraufbereitungsanlagen ermutigt. In Kolumbien wurden beispielsweise eine effizientere Zuteilung von Sprenklern erreicht, die Antriebe der alten Sprenkleranlagen durch neue ersetzt und in eine teilweise Automatisierung der Systeme investiert. Die Farmen sind von reinen Wasserverwendern zu Wasserverwaltern geworden. Doch Trockenperioden, Überflutungen und Wasserverschmutzung machen Mensch und Natur zu schaffen.  Ebenfalls in Kolumbien, zwischen Sierra Nevada und Ciénaga Grande, hat der WWF mit seinen Partnern eine "Water-Stewardship-Plattform" eingerichtet, um die Region für ein besseres Wassermanagement zu gewinnen. Ziel ist, dass die Projektfarmen ihren Wasserverbrauch kontrollieren und verringern, Ökosysteme erhalten und gute Wasserqualität sicherstellen. Farmen, Firmen, Behörden und Vertreter der Bevölkerung des Einzugsgebiets besprechen die Nutzung des knappen Guts und nehmen Rücksicht aufeinander. Eine weitere Plattform mit denselben Zielen befindet sich seit diesem Jahr auch in Ecuador im Aufbau.

Das klingt nach viel Arbeit

Das ist es. Ein anderes Thema ist der Einsatz von Herbiziden. Hier konnten wir den Einsatz durch mechanische Methoden wie Unkraut jäten ersetzen, was natürliche Pflanzendecken auf den Produktionsflächen und an den Bewässerungskanälen förderte. So werden Böden und Wasser unter anderem vor Chemikalien geschützt.

Und am Ende ist diese konventionelle Banane dann besser als die Bio-Banane?

Uns geht es darum, für den sehr großen konventionellen Markt eine Idee zu entwickeln, die viele Probleme des heutigen Bananenanbaus anpackt. Damit gehen wir in Teilen über den Bio-Standard hinaus, indem wir uns beispielsweise für Erhalt und Förderung der biologischen Vielfalt oder den sorgfältigen und gerechteren Umgang mit Wasser einsetzen. Auch soziale Kriterien findet man in der EU-Öko-Verordnung nicht. Hinzu kommt unsere Arbeit auf Landschaftsebene über die Farmgrenzen hinaus. Was Themen wie Düngemittel- oder Pestizideinsatz angeht, liegen wie jedoch unter dem Bio-Standard. Die Bio-Banane bleibt eine sehr gute Wahl, unsere Projektbanane ist es auch.

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Patricia Graf

Director Corporate Relations / PANDA Fördergesellschaft für Umwelt mbH

Sylvia Ratzlaff

Pressereferentin / WWF Deutschland

Miriam Heimberg

Unternehmenskommunikation / EDEKA