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Stand: 27.11.2019

Ackern und Umdenken: Die Banane wird grüner

Das EDEKA-WWF-Bananenprojekt © Denis Ünver / WWF
Bananenprojekt Edeka WWF © Denis Ünver / WWF

Bananen sind nach Äpfeln das beliebteste Obst in Deutschland. Mehr als 1,3 Millionen Tonnen importieren wir jedes Jahr. Sie gedeihen am Äquator, wo es warm und feucht ist. Die nachgefragten großen Mengen werden auf riesigen Farmen angebaut. Das bleibt nicht ohne Folgen. Denn die Früchte werden mit viel Wasser und Dünger „gefüttert“ und mit hohen Mengen von Pestiziden vor Insekten, Unkraut und Pilzbefall geschützt. Die bessere Wahl zu herkömmlichen konventionellen Bananen sind Bio-Bananen. Doch sie lassen sich aus klimatischen Gründen nicht überall anbauen. Gleichzeitig ist die Nachfrage nach konventionellen Bananen weiterhin groß. Fast 80 Prozent der in Deutschland verzehrten Bananen stammen aus dieser Anbauform. Deswegen brauchen wir dringend Lösungen für den Anbau konventioneller Bananen. Und genau da setzen der WWF und EDEKA mit dem „Gemeinsamen Projekt für eine bessere Banane“ an und haben so die Chance, einen riesigen Markt nachhaltiger zu machen, wenn das Projekt Schule macht

Durch den breiten Ansatz ist das Bananenprojekt einzigartig. Die sechs Themenbereiche sind:

 

  • das Ökosystem Regenwald und seinen Artenreichtum schützen
  • kostbares Süßwasser vor Verunreinigung schützen und einsparen
  • den Abfall besser entsorgen und ein Abfallmanagementsystem helfen aufzubauen
  • die Böden schonen
  • das Klima schützen durch weniger Düngemittel und Abwasserwiedernutzung
  • im Sinne sozialer Verantwortung die Arbeitskräfte schützen und absichern

Dabei arbeiten der WWF und EDEKA mit einem integrierten Ansatz, bei dem das gesamte Ökosystem und das Umfeld der Farmen betrachtet wird und nicht, wie im konventionellen Anbau üblich, die einzelne Pflanze. Das ist wichtig, um nachhaltige Veränderungen und ein Umdenken zu erzielen. Die praktischen landwirtschaftlichen Maßnahmen umfassen sämtliche Dimensionen der Ökosysteme (Wasser, Boden, Luft) und des Farmbetriebs (Soziales, Abfall, Management), zudem werden die Mitarbeiter:innen auf den Farmen in Schulungen zu Themen der Nachhaltigkeit fortgebildet.  WWF und EDEKA arbeiten eng mit dem Lieferanten und dessen Farmen zusammen, schulen, erklären, diskutieren und entwickeln im ständigen Austausch eigene Lösungen. Die derzeit 23 Farmen in Kolumbien und Ecuador liefern die Bananen für die EDEKA Eigenmarke.

 

Das Projekt wurde 2014 gestartet: Um teilnehmen zu können, mussten die Farmen von Beginn an bestimmte Voraussetzungen erfüllen, unter anderem mussten sie bereits Rainforest Alliance Certified™-zertifiziert sein und erfüllten somit die Anforderungen des Standards des Sustainable Agriculture Network (SAN). Der WWF entwickelte mit unabhängigen Expert:innen weitere Anforderungen, die in 77 umzusetzende Maßnahmen mündeten und die auf die sechs Themenfelder einzahlen. Fortschritte und die Einhaltung der Maßnahmen werden zweimal jährlich durch externe Auditor:innen überprüft.

Übersicht Projektfarmen in Kolumbien:1) Farm Santa Mónica, 2) Farm Neerlandia, 3) Farm Sami, 4) Farm Eva, 5) Farm Vega, 6) Farm Enano, 7) Farm Don Fuad I, 8) Farm Don Fuad II, 9) Farm Don Marce Sur, 10) Farm Teresa, 11) Farm Eufemia, 12) Farm Olga, 13) Farm San Antonio. Esri, HERE, Garmin © OpenStreetMap contributors, and the GIS user community
Übersicht Projektfarmen in Kolumbien © OpenStreetMap contributors, and the GIS user communityLupe
Übersicht Projektfarmen in Ecuador: 1) Farm Encarnación, 2) Farm Agrícola del Pacífico, 3) Farm Isabela, 4) Farm Delia Margarita, 5) Farm María Gracia, 6) Farm María José, 7) Farm Bananoli, 8) Farm Lola, 9) Farm Elba, 10) Farm Quinta Dianita. Esri, HERE, Garmin © OpenStreetMap contributors, and the GIS user community
Übersicht Projektfarmen in Ecuador © OpenStreetMap contributors, and the GIS user communityLupe

Eindrücke von den Projektfarmen

Das Zwischenfazit nach der dreijährigen Pilotphase zeigt: Im Jahr 2017 verfügten alle Farmen nun über Wasseraufbereitungsanlagen. Somit lässt sich Wasser, mit dem die Bananen vor dem Transport gewaschen werden, erneut nutzen. Verringert wurde der Einsatz von Pestiziden. Mitarbeiter:innen, die mit gefährlichen Chemikalien umgehen müssen, sind – auch zur eigenen Sicherheit – jetzt besser geschult. Siedlungen der Beschäftigten, die sich direkt auf den Anbaufeldern befanden, wurden außerhalb der Anbaufläche verlegt. Das schützt sie vor den Pestiziden, die meist mit Flugzeugen ausgebracht werden. Neu geschaffene Schutzzonen zwischen Ökosystemen und angrenzender Anbaufläche lassen neue Lebensräume entstehen und verhindern zugleich, dass die mit Düngemitteln und Pestiziden behandelten Flächen der Bananenplantagen nicht die benachbarten Flüsse oder Wälder verschmutzen. Auch Flora und Fauna in den Ökosystemen sind so vor den Chemikalien besser geschützt. All das hat dazu beigetragen, dass das Bewusstsein für Umwelt- und Klimaschutz vor Ort gewachsen ist. Auch um soziale Themen kümmert sich das Projekt: Alle Mitarbeiter:innen wurden ins gesetzliche Sozialversicherungssystem aufgenommen, um sie im Falle von Krankheiten, Arbeitsunfällen/ -unfähigkeit oder Arbeitslosigkeit abzusichern. Alle Beschäftigten sind in festen Anstellungen. Durch Schulungen und Einrichtung sanitärer Anlagen wurde der Gesundheitsschutz ausgebaut. Dieser Themenschwerpunkt werden WWF und EDEKA noch stärker in den Fokus nehmen.

Zugleich zeigte sich: Noch mehr Wachsamkeit und Kontrolle als bisher verdient der Verbrauch von Wasser und Chemikalien. Zwar führt beim konventionellen Bananenanbau am Einsatz von Chemie unter den feucht-warmen Klimabedingungen kein Weg vorbei. Aber bei der Anwendung gibt es noch Optimierungspotenzial. Verbesserungsmöglichkeit birgt auch der Einsatz von Dünger, von dem deutlich eingespart werden kann.

 

In der aktuellen, zweiten Projektphase von 2018 bis 2021 will das Projekt zudem mehr über die Farmgrenzen hinaus wirken – die WWF-Büros in Ecuador und Kolumbien vor Ort werden eingebunden, um am Erreichen der Ziele aktiv mitzuwirken. Dazu ist auch ein noch engerer Schulterschluss mit den regional Verantwortlichen aus Politik und Verwaltung nötig. Zum Beispiel hat der WWF mit seinen regionalen Partnern und anderen Wassernutzern im Anbaugebiet in Kolumbien, zwischen Sierra Nevada und Ciénaga Grande, eine „Water-Stewardship-Plattform“ (Custodia del Agua en las cuencas de los ríos Frío y Sevilla) eingerichtet, um die Region für ein besseres Wassermanagement zu gewinnen. Ziel ist, dass die Projektfarmen ihren Wasserverbrauch kontrollieren und verringern, Ökosysteme erhalten werden und gute Wasserqualität sicherzustellen. Farmen, Firmen, Behörden und Vertreter:innen der Bevölkerung des Einzugsgebiets besprechen die Nutzung des knappen Guts und nehmen Rücksicht aufeinander. Für weitere Informationen zur „Water-Stewardship-Plattform“ lohnt sich dieses Video des WWF Kolumbien und ein Blick auf diesen Flyer.

 

Beim Themenfeld Biodiversität sollen Schutzzonen geschaffen werden, um Ökosysteme vor den negativen Auswirkungen des Bananenanbaus zu schützen sowie neue Lebensräume zu schaffen. Der Maßnahmenkatalog wurde entschlackt, um mehr Zeit für die effektivsten Maßnahmen zu haben.

EDEKA UND DER WWF

Interview mit Nikola Gückel, Leiterin des Anbauprojekts Banane beim WWF Deutschland:

Mitarbeiterprotrait Nikola Gückel © Daniel Seiffert / WWF
Mitarbeiterprotrait Nikola Gückel © Daniel Seiffert / WWF

Was verspricht sich der WWF vom Projekt?
Der Markt konventionell angebauter Bananen ist groß, ebenso die ökologischen und sozialen Probleme, die in Ländern wie Ecuador, Kolumbien oder Costa Rica durch den großflächigen konventionellen Anbau entstehen. Aus unserer Sicht reicht es nicht aus, diese Probleme nur aufzuzeigen. Wir möchten sie auf Farmebene angehen. Die Erfahrungen, die wir im Projekt mit den beteiligten Farmen sammeln, können für viele weitere Farmen den Weg zu einem umwelt- und sozialverträglicheren Anbau aufzeigen. Einige unserer Ziele gehen auch deutlich über den Bio-Standard hinaus: So arbeiten wir aktiv zu Arten- und Süßwasserschutz.

 

Wie viele Farmen machen mit? 

Gestartet sind wir mit 48 Farmen in Kolumbien und Ecuador. Inzwischen sind einzelne Farmen freiwillig ausgeschieden oder von uns ausgeschlossen worden. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn eine Farm dauerhaft zu geringe Fortschritte bei der Umsetzung der Maßnahmen macht, sich auf Bioanbau umorientiert oder unsere Projektanforderungen missachtet. Im Moment arbeiten wir mit 23 Farmen, mit einer Fläche von knapp 4000 Hektar.

 

Was passiert konkret vor Ort auf den Farmen? 

Die Liste ist lang. Zwei Beispiele: Wir haben mit fachlicher Unterstützung vor Ort auf den Farmen die dortigen Ökosysteme genauer analysiert. Darauf entscheidet das Projektteam wo sie bestehende Lebensräume besser miteinander verbinden können oder wo sie größere Pufferzonen zwischen den Anbauflächen und eben diesen Ökosystemen schaffen müssen.

 

Die Banane braucht viel Wasser - rein rechnerisch benötigt eine einzelne große Frucht bis zu 160 Liter Wasser im Anbau. Daher haben wir die Bewässerungssysteme verbessert und Wasseraufbereitungsanlagen zum Waschen der Früchte eingeführt. Das Projekt für eine bessere Banane hat die Farmen auch zu Investitionen in ihre Bewässerungssysteme oder in Wasseraufbereitungsanlagen ermutigt. In Kolumbien wurden beispielsweise eine effizientere Zuteilung von Sprengern erreicht, die Antriebe der alten Sprenganlagen durch neue ersetzt und in eine teilweise Automatisierung der Systeme investiert. Die Farmen sind von reinen Wasserverwendern zu Wasserverwaltern geworden. Doch Trockenperioden, Überflutungen und Wasserverschmutzung machen Mensch und Natur zu schaffen. Gesetze fehlen oder werden nicht eingehalten. Ebenfalls in Kolumbien, zwischen sierra Nevada und Ciénaga Grande, hat der WWf mit seinen Partnern eine "Water-Stewardship-Plattform" eingerichtet, um die Region für ein besseres Wassermanagement zu gewinnen. Ziel ist, dass die Projektfarmen ihren Wasserverbrauch kontrollieren und verringern, Ökosysteme erhalten und gute Wasserqualität sicherstellen. Farmen, Firmen, Behörden und Vertreter der Bevölkerung des Einzugsgebiets besprechen die Nutzung des knappen Guts und nehmen Rücksicht aufeinander.

 

Das klingt nach viel Arbeit

Das ist es. Ein anderes Thema ist der Herbizideinsatz. Mehr und mehr sollen mechanische Methoden wie Unkraut jäten eingesetzt werden, was natürliche Pflanzendecken auf den Produktionsflächen und an den Bewässerungskanälen förderten. So werden Böden und Wasser unter anderem vor Chemikalien geschützt. In den ersten drei Jahren des Projekts konnten die Plantagen in Ecuador ihren Chemikalien-Einsatz um 42 Prozent zurückfahren. In Kolumbien liegt er heute sechs Prozent niedriger als vor dem Projektstart. Daran wollen wir noch weiter schrauben.

 

Und am Ende ist diese konventionelle Banane dann besser als die Bio-Banane?

Uns geht es darum, für den sehr großen konventionellen Markt eine Idee zu entwickeln, die viele Probleme des heutigen Bananenanbaus anpackt. Damit gehen wir in Teilen über den Bio-Standard hinaus, indem wir uns beispielsweise für Erhalt und Förderung der biologischen Vielfalt oder den sorgfältigen und gerechteren Umgang mit Wasser einsetzen. Auch soziale Kriterien findet man in der EU-Öko-Verordnung nicht. Was Themen wie Düngemittel- oder Pestizideinsatz angeht, liegen wie jedoch unter dem Bio-Standard. Die Bio-Banane bleibt eine gute Wahl, unsere Projektbanane ist es auch.

Kontakt WWF Unternehmen

Patricia Graf

PANDA Fördergesellschaft für Umwelt mbH

Tel.: +49 (0) 40 530 200-357

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Sylvia Ratzlaff

Pressesprecherin, Berlin

Tel.: +49 (0) 30 311 777-458

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Andrea Ebert

Tel.: +49 (0) 40 6377-2182
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