Orangenbäume mit reifen Orangen, die von der Sonne beschienen werden.

An die Arbeit, fertig, los: Das Zitrusprojekt von WWF und EDEKA

Stand: 25.09.2026

Der großflächige Anbau in Monokulturen sowie der Einsatz von Pestiziden und Düngemitteln wirken sich negativ auf Biodiversität, Böden und lokale Wasservorkommen aus. Dies betrifft auch den Anbau von Zitrusfrüchten. Dennoch ist das Obst hierzulande sehr beliebt: Nach Äpfeln und Bananen gehören Orangen besonders im Winter zu den beliebtesten Sorten in Deutschland.

Mehr Umweltschutz im konventionellen Zitrusfrüchte-Anbau

WWF & Edeka Partnerlogo

Da der Großteil dieser Früchte in unseren Supermärkten aus der konventionellen Landwirtschaft stammt, arbeiten EDEKA und der WWF im Zitrusprojekt gemeinsam an gezielten Optimierungen direkt auf den Anbauflächen. Im Fokus stehen Maßnahmen für eine effizientere Bewässerung, ein reduzierter Einsatz von Pestiziden und mineralischen Düngemitteln sowie Maßnahmen zu Förderung und Erhalt der biologischen Vielfalt vor Ort sowie der Bodengesundheit beim Anbau von Orangen, Mandarinen und Clementinen.

Spanien und die Region um das Flussgebiet Guadalquivir gehört zu den wichtigen Regionen des europäischen Orangenanbaus. Zugleich befinden sich dort artenreiche Ökosysteme wie der Nationalpark Doñana. Dieser ist ein bedeutendes Durchzugsgebiet für Zugvögel und eines der letzten Rückzugsgebiete von bedrohten europäischen Tierarten wie dem Iberischen Luchs oder dem Spanischen Kaiseradler. Dort, in Andalusien, liegt der Ursprung des 2015 gestarteten Projekts. Inzwischen nehmen auch Betriebe in den Regionen Katalonien und Valencia teil. Die 24 Farmen (Stand 2025) mit einer Anbaufläche von 1.400 Hektar beliefern den EDEKA-Verbund.

  • Regenwald am Amazonas © Luis Barreto / WWF-UK Ihre wichtige Spende für die Natur

    Nur mit Ihrer Hilfe geht der Einsatz für Umwelt-und Naturschutz weiter. Unterstützen Sie die aktuellen WWF-Projekte. Weiterlesen ...

Die Maßnahmen im Überblick:

Reife Orangen, die an einem Baum hängen © janaph / iStock / GettyImages
Reife Orangen, die an einem Baum hängen © janaph / iStock / GettyImages

Ein anderer Umgang mit Wasser: In den Projektregionen sind die Auswirkungen des Klimawandels bereits sichtbar: Seit einigen Jahren ist der Grundwasserspiegel deutlich gesunken und die Wasserverfügbarkeit ist eine zunehmende Herausforderung. Die lokalen Behörden legen jährlich fest, wie viel Wasser die Fincas nutzen können. Eine effizientere Wassernutzung auf den Farmen, Fincas genannt, und im lokalen Flussgebiet ist daher ein zentraler Arbeitsschwerpunkt des Zitrusprojekts.

Da in den wasserknappen Regionen auch illegale Brunnen angelegt werden, wird zunächst die Legalität der Wasserquellen bestätigt. Alle Fincas dokumentieren ihren Wasserverbrauch tagesgenau und können so nachvollziehen, ob die behördlich zulässige Wassermenge eingehalten wird. Mit Hilfe von Tröpfchenbewässerung und Bodenfeuchtigkeitssonden wird effizient bewässert. Die Sonden messen die Bodenfeuchtigkeit, sodass nur dann bewässert wird, wenn die Bäume dies brauchen.

Ziel des gemeinsamen Projekts ist es, durch die effizientere Bewässerung Wasser einzusparen und damit den Druck auf die lokalen Wasserressourcen zu verringern – statt Anbauflächen zu vergrößern. Deshalb engagieren wir uns auch über die Grenzen der einzelnen Farmen hinaus für eine effizientere Wassernutzung im Anbaugebiet. 2024 lag der durchschnittliche Wasserverbrauch der teilnehmenden Farmen nach Projekteigener Auswertung bei 3.864 m3 / ha.

Mehr biologische Vielfalt: Flora und Fauna auf den Fincas wurden in einer Bestandsaufnahme erfasst. Durch das Verbot des Einsatzes von Herbiziden zwischen den Baumreihen und an den Plantagenrändern sowie das gezielte Aussäen funktionaler Pflanzenarten konnte sich die Pflanzendecke neu entwickeln.

Begrünte Rand- und Blühstreifen wurden neu angelegt oder miteinander verbunden und mit ausgewählten Pflanzenarten angereichert. Diese Flächen bieten Nützlingen und anderen Tieren Lebens- und Rückzugsmöglichkeiten und schaffen zusätzliche Verbindungselemente zwischen Lebensräumen. Zudem wurden Hecken gepflanzt, rund 60 Nistkästen angebracht und Sitzstangen für Greifvögel aufgestellt.

In der Brutsaison 2026 sind ganze 118 Küken auf den Farmen geschlüpft, davon 63 Turmfalken-Küken (Falco tinnunculus), 9 Steinkauz-Küken (Athene noctua) und 46 Schleiereulen-Küken (Tyto alba). Manche Arten, wie etwa bodenbrütende Vögel, werden durch andere spezifische Maßnahmen geschützt, u.a. werden die Baumreihen, unter denen die Vögel brüten markiert und dort findet keine Arbeit mit Maschinen statt.

Auf Farmen mit Wasserrückhaltebecken wurden teilweise schwimmende Biodiversitätsinseln errichtet. Mit Wasserpflanzen ausgestattet, bieten sie Wasservögeln Nistplätze und Schildkröten einen sonnigen Ruheplatz.

Insgesamt wurden 172 Wirbeltierarten (auf den 2024 aktiven Farmen) gezählt: davon 134 Vogelarten, 17 Reptilienarten, 16 Säugetierarten und 5 Amphibienarten. Dazu gehören seltene Tiere wie Dachs, Fischotter, Manguste, Gartenschläfer oder auch die Perleidechse, die als größte Eidechse Europas eine Länge von bis zu 65 Zentimetern erreichen kann.

Verringerter Einsatz von Pestiziden:  Die Zitrusbäuer:innen befolgen einen im Rahmen des Projektes erstellten Einsatzplan für Pestizide. Dieser wurde durch das Projektteam mit einem Pestizidexperten erstellt und seit Projektbeginn kontinuierlich verbessert. Dabei werden zum Beispiel besonders gefährliche Pestizide, wie etwa Glyphosat, durch Wirkstoffe mit einer geringeren Gefährdungseinstufung ersetzt. Als Orientierung dient die Liste hochgefährlicher Pestizide des Pesticide Action Network (PAN). Außerdem ist eine präventive Ausbringung verboten. Die Notwendigkeit, solche Mittel einzusetzen, wird durch Maßnahmen verbesserter landwirtschaftliche Praktiken reduziert, wie z.B. die Förderung von Nützlingen und Verbesserung der Bodengesundheit. Eine Zahl, die uns besonders freut: Nach projekteigenen Auswertungen wurden 2024 auf den teilnehmenden Farmen 69 Prozent weniger Pestizide eingesetzt als vor ihrem Eintritt in das Projekt.*

Bedarfsgerechte Düngung sowie Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit: Nach Blatt-, Boden- und Wasseranalysen werden mineralische Düngemittel möglichst bedarfsgerecht und angepasst an die Nährstoffverfügbarkeit der Zitrusbäume ausgebracht. Die Böden werden zusätzlich mit organischer Materie angereichert, mit dem Ziel, die Bodenfruchtbarkeit, die Nährstoffverfügbarkeit und die Wasserspeicherkapazität zu fördern. Dazu werden Reste des Baumschnitts in die Erde eingearbeitet, grüne Korridore zwischen den Pflanzreihen gefördert und zusätzlich auch Düngemittel mit Anteilen von organischer Materie genutzt. Bei einem geringen Humusanteil wird Kompost ausgebracht, um den Humusaufbau zu fördern.

Die Orangen, Mandarinen und Clementinen aus dem gemeinsamen Projekt gibt es von Oktober bis in den Frühsommer hinein in EDEKA-Märkten und Filialen von Netto Marken-Discount.

*In kg/ha; bezogen auf 22 der 27 Projektfarmen, für die vollständige Datensätze vorliegen

Interview mit Jana Beier, Projektmanagerin für nachhaltige Lieferketten beim WWF

ein Portrait von Jana Beier, Projektmanagerin für nachhaltige Lieferketten beim WWF, sie schaut in die Kamera im Hintergrund grüne Natur
Jana Beier, Projektmanagerin für nachhaltige Lieferketten © Kathrin Tschirner/WWF

Es gibt Bioorangen und es gibt konventionelle Orangen. Warum zusätzlich noch ein Anbauprojekt?
Orangen gehören vor allem in den Wintermonaten zu den beliebtesten Obstsorten. Der Bedarf ist groß. Aber der Anteil an Früchten aus Bioanbau ist sehr gering. Derzeit kommen wir ohne konventionelle Orangen nicht aus. Im konventionellen Zitrusfrüchteanbau bestehen aus Umweltsicht große Herausforderungen insbesondere beim Wasserverbrauch, Pflanzenschutz und beim Erhalt der Biodiversität. Im Zitrusprojekt haben wir daher beim konventionellen Anbau von Orangen, Mandarinen und Clementinen Anbaumaßnahmen eingeführt, um konkrete Verbesserungen in den Bereichen Wasser, Biodiversität, Pestizide und Düngung zu erreichen.

Was ist denn am Zitrusfrüchteanbau so problematisch?
Orangen und Co. wachsen in warmen, trockenen Regionen. In Europa sind vor allem Spanien, aber auch Italien und Griechenland wichtige Anbauländer. Die Früchte brauchen für ihre Entwicklung Wärme, Sonne und vor allem auch jede Menge Wasser. Klassisch werden die Zitrusfrüchte auf weitläufigen Plantagen in Monokulturen angebaut. Da wächst nichts weiter als der Zitrusbaum.  In den trockenen Regionen kann der Bewässerungsbedarf zu hohem Druck auf die verfügbaren Wasserressourcen beitragen. Der Pestizid- und Düngemitteleinsatz kann Böden und Wasserressourcen belasten und zu einem weiteren Rückgang der Artenvielfalt führen.  Solche Anbausysteme schränken die Vielfalt an Lebensräumen und Arten auf den Anbauflächen ein.

Und was ist beim Zitrusprojekt anders?
Nehmen wir den Umgang mit Süßwasser. Die Projektfarmen setzen unter anderem auf Tröpfchenbewässerung und Bodenfeuchtigkeitssonden, um die Bewässerung am tatsächlichen Bedarf der Pflanzen ausrichten. Die effiziente Wassernutzung ist beim Anbau von konventionellen Zitrusfrüchten und auch bei den Anforderungen von EU-Bio bisher nicht eingeschlossen.

Dann haben wir Nistkästen oder Ansitzstangen für Greifvögel angebracht und monitoren die Artenvielfalt vor Ort. Im Projekt gelten zusätzliche Anforderungen für den Einsatz von Pestiziden und Düngemitteln. Anders als im ökologischen Landbau kommen dabei weiterhin Pestizide zum Einsatz, aber wir orientieren uns an der Pesticide Action Network (PAN) Liste. Wirkstoffe mit hoher Gefährdungseinstufung sind verboten. Alternativ setzten wir auf Nützlinge. Hochtoxische Pestizide werden durch solche mit einer geringeren Gefahreneinstufung ersetzt. Dazu haben wir Anwendungsmenge und Häufigkeit verringert. Unsere projekteigenen Auswertungen zeigen: Im Jahr 2024 wurden auf den Projektfarmen 69 Prozent weniger Pestizide* eingesetzt als vor Projekteintritt.

Was haben die Landwirt:innen davon, sich an dem Projekt zu beteiligen?
Mit der Teilnahme investieren die Landwirt:innen in Maßnahmen, die einen effizienteren Umgang mit Wasser, Pestiziden und Düngemitteln unterstützen. In wasserarmen Regionen kann nicht immer noch mehr und noch intensiver angebaut und die umliegenden Ökosysteme verschmutzt werden. Wir lernen gemeinsam mit den Landwirt:innen, effizient mit Wasser umzugehen, weniger Agrochemikalien einzusetzen und uns um den Erhalt der Biodiversität zu kümmern. Das stellt gewohnte Arbeitsabläufe auf den Kopf.

Im Gegenzug haben die Projektteilnehmenden mit EDEKA und Netto Marken-Discount zugleich einen festen Abnehmer für ihre Ware.

Was sind die größten Herausforderungen, an denen ihr derzeit arbeitet?
Die zunehmende Wasserknappheit und neue Schädlinge fordern unsere Aufmerksamkeit. Da die Regionen, in denen unsere Projektfarmen liegen, durch die Erderhitzung immer trockener werden, muss noch effizienter bewässert werden. Außerdem breiten sich ortsfremde Schädlinge, sogenannte invasive Arten, auf Spaniens Zitrusfeldern aus. Während sie auf konventionellen Farmen oft mit mehr Pestiziden bekämpft werden, verfolgen die Projektfarmen einen anderen Ansatz: Durch eine sorgfältige Dokumentation erkennen Landwirt:innen frühzeitig, wenn ein neuer Schädling auftaucht. Dann können die befallenen Bäume schnell behandelt werden, bevor sich der Schädling auf der ganzen Farm ausbreitet.

Die größte Herausforderung ist aber mit Sicherheit, über die Grenzen unserer Projektfarmen hinaus generell mehr Landwirt:innen für Süßwasser- und Ressourcenschutz sowie Biodiversitätserhalt zu gewinnen. Dafür liefern wir eine Blaupause und möchten mehr Zitrusfarmen aber auch andere Obstanbaubetriebe erreichen, mit uns an einem Strang zu ziehen.

Sylvia Ratzlaff

Pressereferentin / WWF Deutschland

Miriam Heimberg

Unternehmenskommunikation / EDEKA