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Tag des Artenschutzes

Fokusthema für 2018: Großkatzen - Räuber in Gefahr

Der World Wildlife Day, der Weltartenschutz-Tag der Vereinten Nationen, widmet sich in diesem Jahr Tiger, Löwe und anderen Großkatzen. Ins Leben gerufen wurde der Tag 2013, um auf den Verlust der Artenvielfalt aufmerksam zu machen. Als Datum wählten die Initiatoren den 3. März, den Jahrestag der Unterzeichnung des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (CITES, Convention on International Trade in Endangered Species). Das Abkommen wurde 1973 beschlossen und trat zwei Jahre später in Kraft. Neben dem rapiden Lebensraumverlust ist für viele Großkatzen die Nachfrage nach Fell, Knochen und anderen Körperteilen ein wesentlicher Bedrohungsfaktor.

Das CITES-Abkommen kann zwar den legalen Handel mit diesen Produkten bedrohter Arten einschränken, aber der Schwarzmarkt blüht trotz internationaler Handelsverbote nach wie vor, insbesondere in Asien. In der asiatischen Medizin werden die Körperteile von Großkatzen für verschiedenste, ihnen zugeschriebene Zwecke eingesetzt, zur Potenzsteigerung bis hin zum Mittel gegen Rheuma und Arthritis. Ursprünglich bedrohte dieser Aberglaube vor allem den Tiger. Aufgrund der großen Nachfrage werden aber zunehmend auch andere Großkatzenarten, wie der afrikanische Löwe oder der Jaguar, als „Ersatzmittel“ gewildert.

Löwe

Löwe © Steve Morello / WWF
Löwe © Steve Morello / WWF

Am deutlichsten zeigt sich dies beim Löwen. Sein Bestand wird auf etwa 18.000 bis 32.000 Exemplare geschätzt. Allein in den letzten zwei Jahrzehnten schrumpfte ihre Anzahl um mehr als 40 Prozent. Die Überlebenden verteilen sich auf 27 afrikanische Länder und Indien. In 26 weiteren Staaten ist der Löwe bereits ausgestorben. Er verlor in 50 Jahren rund 75 Prozent seines ursprünglichen Lebensraumes und wird auf der Roten Liste als „gefährdet“ eingestuft. In Westafrika gilt er sogar als „vom, Aussterben bedroht“. Der Handel mit Knochen aus Nachzucht in Südafrika ist mit Genehmigungen leider nach wie vor möglich.

Schneeleopard

Der zentrale Grund für den Niedergang der Raubkatzen ist das Vordringen der Menschen in „ihr Reich“. Nicht nur gehen den Raubkatzen so Lebensraum und Beutetiere verloren, auch Konflikte etwa mit Nutztierhaltern sind vorprogrammiert. Das betrifft den afrikanischen Löwen ebenso wie den Schneeleoparden, der in Gebirgsregionen in zwölf Ländern Asiens zuhause ist. In den asiatischen Hochgebirgsregionen haben zwischen 2500 und 10.000 Tieren überlebt. Die extrem scheuen Jäger finden in den oft unzugänglichen Gebieten durch Klimakrise, Lebensraumverlust und Bejagung immer weniger Beute wie Wildschafe und Bergziegen. Stattdessen bedienen sie sich, sehr zum Unmut der Hirten, an den wachsenden Viehherden. Die Besitzer wiederum schlagen zurück und legen Schling- und Schlagfallen, um die Schneeleoparden zu töten und ihre Herden zu schützen. Hinzu kommt, dass Schneeleopardenfelle illegal gehandelt werden und auch Körperteile in der asiatischen Medizin heiß begehrt sind, auch wenn der Handel seit über 40 Jahren verboten ist.

Schneeleopard © Klein Hubert WWF
Schneeleopard © Klein Hubert WWF

Puma

Puma © Klein & Hubert / WWF
Puma © Klein & Hubert / WWF

Etwas weniger dramatisch stellt sich die Lage für den Puma dar. Er gilt laut IUCN als „nicht bedroht“, was vor allem an seinem großen Verbreitungsgebiet liegt. Pumas findet man von Alaska im Norden bis nach Patagonien im Süden Amerikas. Insgesamt besiedeln sie 22 Länder. Auch Pumas haben mit der Zerstückelung und Bedrohung ihres Lebensraumes zu kämpfen, aber die amerikanischen Katzen sind anpassungsfähig. Sie kommen sowohl in Wäldern, Bergregionen und wüstenartigen Steppen zurecht.

Gepard

Weit bedrohlicher ist die Situation für eine andere große Katze: den Geparden. Die IUCN stuft ihn auf der Roten Liste als „gefährdet“ ein, eine Hochstufung zu „stark gefährdet“ ist wohl nur eine Frage der Zeit. Die Unterarten in Nordwestafrika und Asien gelten sogar als vom Aussterben bedroht. Insgesamt wird ihr Bestand auf etwa 6900 Tiere geschätzt. Viele Populationen sind isoliert, 27 von 29 Teilbestände sind kleiner als 500 Tiere. Deren Überleben steht auf Messers Schneide, vor allem weil ihnen ihr Lebensraum von den Menschen streitig gemacht wird. Geparden sind dabei besonders anfällig für Zerstückelung und Verlust ihres Lebensraum, weil sie so große Streifgebiete haben. Dazu kommt, dass Geparden in Konflikten mit Viehhaltern und Ranchern getötet werden und dass Geparde, insbesondere Jungtiere, weiterhin im illegalen Haustier-Handel enden - vor allem in arabischen Ländern. Viele der Katzen sterben schon während des Transports.

Gepard © Michael Poliza / WWF
Gepard © Michael Poliza / WWF

Tiger

Tiger © iStock / Getty Images
Tiger © iStock / Getty Images

Historisch sah es für die die größte Katze der Welt noch düsterer aus: den Tiger. In hundert Jahren gingen ihre Zahlen von 100.000 auf knapp 3000 Tiere zurück, ein Verlust von fast 97 Prozent und sie haben heute nur in elf Ländern Asiens überlebt. In zehn Staaten ist die Art bereits ausgestorben. Schuld an diesem Rückgang ist der Mensch. Die Gründe sind dieselben wie bei allen Großkatzen: Umwandlung ihres natürlichen Lebensraumes in Nutzflächen, Zerschneidung der Habitate und die Wilderei. Insbesondere in der asiatischen Medizin ist die Nachfrage noch immer hoch. Im Freiland sind die Tigerzahlen nach intensiven Schutzbemühungen von Regierungen und Naturschutz-Organisationen wie dem WWF wieder angestiegen auf inzwischen über 3900 Tiere. Bis allerdings das Ziel aller Tiger-Verbreitungsstaaten erreicht ist, die Tiger bis zum Jahr 2022 auf über 6000 Tiere zu verdoppeln, bleibt noch ein weiter Weg.

Jaguar

Der Jaguar wurde bis in die 1970er Jahre massiv bejagt. Pelzjäger brachten jedes Jahr rund 15.000 Tiere zur Strecke. Seit 1975 werden Jaguare auf Anhang I des CITES-Abkommens geführt. Der internationale Handel mit ihren Fellen wurde damit untersagt. Das ist sicher ein Grund, warum noch vergleichsweise viele der gefleckten Katzen durch Süd- und Mittelamerika streifen. Auf der Roten Liste der IUCN werden sie als gering gefährdet eingestuft. Das ist aber kein Grund für Entwarnung. Nach neuesten Untersuchungen wird der Gesamtbestand der Jaguare zwar aktuell auf rund 60.000 Tiere geschätzt. Noch leben die Tiere in 18 Ländern von Argentinien bis Mexico, aber aus Uruguay und Costa Rica sind sie bereits komplett verschwunden.  Die Menschen haben den Jaguar aus 40 Prozent seines ursprünglichen Verbreitungsgebietes vertrieben und die Wilderei nimmt zu. Die Wilderer haben es insbesondere auf die Zähne und die Knochen der Großkatze abgesehen, die auf den Schwarzmärkten Asiens gehandelt werden.

   
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