Liebe Leserinnen, liebe Leser

es ist zu einer schönen Tradition im WWF geworden, dass wir einmal im Jahr mit unseren Unternehmenspartnern zusammenkommen. Gemeinsam blicken wir darauf, was es bedeutet, ökonomische und ökologische Ziele in Einklang zu bringen.

Bei unserem letzten Corporate Get-together waren die Rahmenbedingungen andere als in den Jahren zuvor. Denn Nachhaltigkeitsverantwortliche sehen sich einer neuen Herausforderung gegenüber, die 2025 ihren Anfang nahm: Der tragende Aufwind, den Nachhaltigkeit zuletzt erfahren hatte, ist einem scharfen Gegenwind gewichen.

Doch ändert dies nichts daran, dass sich die Klima- und Artenkrise fortsetzt und wirtschaftlicher Wandel alternativlos bleibt. Sprechen wir also wieder mehr über den Business Case von Nachhaltigkeit. Darüber, dass es auch gute wirtschaftliche Gründe gibt, den Weg nachhaltiger Transformation entschlossen fortzusetzen – allen voran Risikomanagement, Resilienz und Reputation.

Am Ende unseres Corporate Get-togethers waren wir uns einig: Worauf es jetzt ankommt, sind entschlossene Lenker:innen, starke Allianzen und Raum für Austausch, damit Ideen entstehen und wirken können.

In der Zusammenarbeit mit Unternehmen will der WWF zeigen, dass Nachhaltigkeit sowohl eine Notwendigkeit als auch eine Chance ist. Gemeinsam gehen wir voran, statt stillzustehen. Wie solche Partnerschaften aussehen, möchten wir Ihnen auf den folgenden Seiten vorstellen.

Zukunftssicher Wirtschaften – der WWF als ganzheitlicher Partner

In der Zusammenarbeit mit Unternehmen verfolgt der WWF eine ganzheitliche Herangehensweise, die von Naturschutz und Transformation bis hin zur Kommunikation mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie Verbraucherinnen und Verbrauchern reicht. Mit den Ansätzen „Landscape-Engagement“ und „Behaviour Change“ schaffen wir Synergien zwischen diesen drei Handlungsfeldern und fördern Nachhaltigkeit am Anfang und Ende der Wertschöpfungskette.

Schlangengrafik PFG-Strategie
Strategischer Rahmen für die Zusammenarbeit des WWF mit Unternehmen

Naturschutz fördern – bis in die Lieferkette

Unternehmen sind untrennbar mit der Natur verbunden. Natur ist ein Wertschöpfungsfaktor und eine enge Verbündete im Kampf gegen den Klimawandel und das Artensterben. Wenn sie kränkelt, kränkeln früher oder später auch Lieferketten und Geschäftsmodelle.

In der Zusammenarbeit des WWF mit Unternehmen hat Naturschutz seinen festen Platz. Mit einem Sponsoring oder einer Spende unterstützen Unternehmen WWF-Projekte auf der ganzen Welt. Damit tragen sie auf schnell wirksame Weise dazu bei, zerstörte und übernutzte Flächen zu renaturieren, aus dem Gleichgewicht geratene Ökosysteme zu stabilisieren und einzigartige Lebensräume unter Schutz zu stellen. Jedes Naturschutzprojekt ist so gestaltet, dass es sowohl dem Klima, der Biodiversität als auch den Menschen zugutekommt.

Transformation umsetzen – aufs Wesentliche fokussiert

Mit der Nachhaltigkeitsberatung „One Planet Business – by WWF“ begleiten wir Unternehmen dabei, ihre Wertschöpfungsprozesse und Lieferketten zukunftsfest auszurichten. Im Mittelpunkt stehen Fragen rund um Klima, Biodiversität, Süßwasser und Kreislaufwirtschaft. Wir stellen sicher, dass Unternehmen Ziele und Maßnahmen an den wesentlichen Stellen festmachen. Dort, wo ihre Auswirkungen auf die Umwelt besonders groß sind und ein „Weiter so“ substanzielle wirtschaftliche Risiken bedeuten würde.

Dafür nutzen wir führende wissenschaftsbasierte Ansätze wie Science Based Targets und praxisnahe Werkzeuge. Hierzu zählt das WWF One Planet Business Framework, das Orientierung bei der Transformationsplanung und -umsetzung gibt. Auch die WWF Risk Filter Suite, der Water Stewardship-Ansatz oder das Circular Business Assessment sind Teile dieses Werkzeugkastens.

Kommunikation gestalten – involvierend und glaubwürdig

Transformation und Naturschutz brauchen Sichtbarkeit. Genau das wollen wir mit dem WWF-Panda-Logo erreichen. Mit maßgeschneiderten Kommunikationskonzepten und -kampagnen setzen wir dort an, wo komplexe Botschaften und langwierige Veränderungsprozesse zu vermitteln sind.

Genauso wichtig ist es, die Mitarbeiter:innen mitzunehmen. Denn Veränderungen gelingen dann am besten, wenn sie von allen im Unternehmen verstanden und gelebt werden. Mit der WWF Akademie bieten wir Unternehmen ein digitales Format, um ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Wissen und Kompetenzen rund um Nachhaltigkeit zu vermitteln – bedarfsgerecht und interaktiv. Sie steht beispielhaft für viele weitere WWF-Formate, die Nachhaltigkeit im Unternehmen erlebbar machen.

Erde aus dem All © Isil Terzioglu/iStock/GettyImage
Erde aus dem All © Isil Terzioglu/iStock/GettyImage

Wie wir arbeiten: wissenschaftsbasiert und praxisorientiert

Beim WWF entwickeln wir gemeinsam mit Unternehmen ganzheitliche Nachhaltigkeitsstrategien, die wirken – ökologisch, gesellschaftlich und ökonomisch.

Wir arbeiten genauso wissenschaftsbasiert wie praxisorientiert. Dank des internationalen WWF-Netzwerks und der breiten, interdisziplinären WWF-Expertise finden Unternehmen in uns einen kritisch-konstruktiven Partner, um Nachhaltigkeit wirksam umzusetzen – von Naturschutz und Transformation bis hin zur Kommunikation gegenüber Verbraucherinnen und Verbrauchern sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

Trotz all der Krisen und Unsicherheiten, mit denen Unternehmen heute konfrontiert sind, ziehen wir eine positive Bilanz: Insgesamt hat der WWF im Jahr 2024/25 mit rund 50 Unternehmen zusammengearbeitet.

Einblicke in ausgewählte Partnerschaften

  • Gewaesser Landschaft © Claudi Nir/WWF
    Schüco
    Business Case Naturstrategie: risikofest und resilient wirtschaften
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  • Zusammenarbeit WWF Akademie © Martin Stollberg/Bosch
    Bosch Power Tools
    Auf dem richtigen Weg: lokal handeln, global wirken
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  • Zitrusprojekt © Christian Schmidt, EDEKA
    EDEKA & Netto
    Bewusster einkaufen: von der Tiefkühltheke bis zum Obstregal
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  • WEPA Toilettenpapier © Bjoern Luelf/WEPA
    WEPA
    Altpapier statt Bäume: für einen Wandel bei Hygienepapieren
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  • Waermepumpe Vaillant © Vaillant
    Vaillant
    Wärmewende: Initiative rückt Schlüsseltechnologie ins rechte Licht
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  • Kaltwaschsalon Berlin 21.05.2025
    Procter & Gamble
    Klimafreundlicheres Waschen: Kampagne zeigt Wirkung
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  • Zukunftsvision © Ellery Studio/Florence Zurfluh-KI generiert mit Midjourney
    Vodafone
    Ressourcenleicht leben: Sponsoring hilft, Zukunft zu gestalten
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Gegen den Wind: Ein Interview mit Alexander Bartelt

Alexander Bartelt © PicturePeople
Alexander Bartelt © PicturePeople

Alexander ist seit rund einem Jahr Head of Corporate Partnerships im WWF. Nach einigen Jahren in der Nachhaltigkeitsforschung war Alexander 18 Jahre im Nachhaltigkeits- und Produktmanagement eines großen Hamburger Handelskonzerns tätig. Er sagt: „Nachhaltigkeit kann nicht allein durch Unternehmen geschultert werden. Sie ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die einen tiefgreifenden Konsens erfordert.“ Dass dieser Risse bekommen habe, stelle Unternehmen vor große Herausforderungen. Im Interview spricht Alexander darüber, warum es sich dennoch lohnt, in Nachhaltigkeit zu investieren, wo ungenutzte Potenziale liegen und was für eine Kooperation mit dem WWF spricht.

2025 wurde Nachhaltigkeit von einer Vielzahl von Krisen überlagert. Genau zu diesem Zeitpunkt hast du beim WWF angefangen, um Unternehmen für Transformation und Naturschutz zu gewinnen. Wie war dein Einstieg?

Der Wechsel von der Wirtschaft in den Non-Profit-Sektor war ein spannender Schritt für mich. In vielerlei Hinsicht sind die Unterschiede dann aber nicht so groß, wie man sie erwartet. Denn der Kern meiner Tätigkeit war und ist es, unternehmerisches Handeln mit den planetaren Grenzen und gesellschaftlichen Ansprüchen in Einklang zu bringen. Mir geht es nach diesem Jahr wie wohl vielen Nachhaltigkeitsverantwortlichen: In politischen und öffentlichen Debatten werden Wirtschaft und Nachhaltigkeit zunehmend als konfliktäre Ziele dargestellt. Dagegenzuhalten ist anspruchsvoll.

Palmoel © Aaron Gekoski / WWF-US
Mit den Landscape-Engagement-Ansätzen des WWF können Unternehmen Nachhaltigkeit in kritischen Rohstofflieferketten voranbringen. © Aaron Gekoski / WWF-US

Mit einem Netzwerk von rund 50 Unternehmenspartnern setzt sich der WWF für nachhaltiges Wirtschaften ein. Wie gehen Unternehmen mit den neuen Gegebenheiten um?

Aus einer rein kurzfristigen betriebswirtschaftlichen Sicht scheint Nachhaltigkeit heute weniger attraktiv als noch vor ein paar Jahren, weil sich regulatorische Rahmenbedingungen und marktseitige Gegebenheiten, vor allem die Nachfrage, verändert haben. Ich denke, es ist erst einmal wichtig, das zu verstehen. Aber auch, dass Unternehmen per se eher langfristig denken und handeln. Und das bedeutet, dass das Thema „Nachhaltigkeit“ unweigerlich auch wieder an Fahrt zulegen wird. Genau das nehmen wir auch aus unseren Gesprächen mit Unternehmen mit. Nichtsdestotrotz: Selbst den Unternehmen, die bei Nachhaltigkeit vorangehen, fällt es oft schwer, dem wachsenden Gegenwind standzuhalten. Beim WWF machen wir es uns zur Aufgabe, die Unternehmen zu unterstützen und zu stärken, die sich einer langfristigen Transformation verschreiben.

Was kommt aus deiner Sicht oftmals zu kurz, wenn über unternehmerische Nachhaltigkeit gesprochen wird? Wo siehst du ungenutzte Potenziale?

Wenn wir mit Unternehmen sprechen, geht es vielen von ihnen erst einmal darum, Naturschutzprojekte des WWF finanziell zu unterstützen – sei es durch eine Spende oder ein Sponsoring. Beides sind sehr wichtige, weil konkret und zeitnah wirksame Aktivitäten, mit denen sich im Hier und Jetzt viel erreichen lässt. Und wir sehen wachsendes Interesse an einer transformativen Zusammenarbeit, die konkrete Klima- und Umweltziele im jeweiligen Geschäftsmodell verfolgt. Unternehmen haben aber nicht selten dort den größten Hebel in ihrem Geschäftsmodell, wo ihr direkter Einfluss eher gering ist. Damit meine ich die vor- und nachgelagerten Wertschöpfungsstufen und konkret die Rohstoffgewinnung und Produktnutzung durch Verbraucher:innen. Hier sehe ich viel Potenzial für Veränderungen, die eine überproportional große Nachhaltigkeitswirkung haben.

Verbraucher Verhalten © 06photo/iStock/GettyImages
Behavioural Change-Kampagnen zielen darauf, dass Verbraucher:innen ihre Verhaltensroutinen hinterfragen und nachhaltiger handeln. © 06photo/iStock/GettyImages

Wie aber können Unternehmen Nachhaltigkeit dort vorantreiben, wo eine direkte Einflussnahme nur schwer möglich ist, also in der Lieferkette oder bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern?

Dank der WWF-Expertise und des WWF-Netzwerks können wir Unternehmen dabei unterstützen, an zwei Stellen anzusetzen: zum einen, indem wir über Naturschutzprojekte nachhaltige Veränderungen am Ursprung der Lieferkette anstoßen. Wir nennen das „Landscape-Engagement“. Zum anderen, indem wir über sogenannte „Behavioural Change“-Kampagnen das Verbraucherverhalten lenken.

In unseren „Landscape-Engagement“-Ansätzen verschneiden wir kritische Rohstofflieferketten mit unseren weltweiten Naturschutzprojekten. Diese spezielle Form des Naturschutz-Sponsorings ermöglicht es Unternehmen, sich gemeinsam mit dem WWF für eine nachhaltigere Gewinnung ihrer Hauptrohstoffe einzusetzen, beispielsweise Palmöl, Soja oder Kakao. Dabei geht es uns sowohl um Naturschutz und umweltschonendere Anbaupraktiken als auch um verbesserte Arbeits- und Lebensbedingungen für die Menschen vor Ort.

„Behavioural Change“-Kampagnen sind ein weiterer Kooperationsansatz. Sie sollen dazu beitragen, dass Verbraucher:innen klima- und umweltschädliche Verhaltensroutinen hinterfragen und im Alltag nachhaltiger handeln. Ein gutes Beispiel hierfür ist die #WirDrehenRunter-Kampagne, die wir gemeinsam mit Procter & Gamble ins Leben gerufen haben. Sie hat es geschafft, dass die Menschen in Deutschland ihre Wäsche kälter und damit klimaschonender waschen.

Die Art und Weise, wie der WWF als Umweltorganisation mit Unternehmen zusammenarbeitet, ist einzigartig. Worin siehst du die Chancen dieser Partnerschaften?

Wir wollen mit unserer Arbeit möglichst viel bewirken. Und in der Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und einer Umweltorganisation stecken Potenziale, die weit über die unmittelbare Reduktion des Umweltfußabdrucks hinausreichen. So können Entscheidungen eines einzelnen Unternehmens eine ganze Branche verändern, wichtige politische Impulse setzen und Millionen von Verbraucherinnen und Verbrauchern erreichen. Aber nachhaltiger Wandel braucht Zeit. Daher zielen wir vor allem auf strategische Partnerschaften, die langfristig angelegt sind und einen ganzheitlichen Nachhaltigkeitsansatz verfolgen, der von konkretem Naturschutz über die nachhaltige Transformation von Geschäftsmodellen bis hin zur Kommunikation mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie Verbraucherinnen und Verbrauchern reicht.

Gibt es noch etwas, das du den Leserinnen und Lesern mitgeben möchtest?

Ich denke, es gibt keinen Grund, die Zuversicht zu verlieren, und ich bin mir sehr sicher, dass sich der Wind wieder drehen wird. Bis es soweit ist und Nachhaltigkeit wieder den politischen und gesellschaftlichen Stellenwert erhält, den sie haben müsste, braucht es starke und unbeirrte Vorreiter. Und dafür stehen all die Unternehmen und Menschen, mit denen der WWF zusammenarbeitet.

Zum kompletten WWF Jahresbericht 2024/2025

  • Loewen cover jahresbericht © iStock WWF Jahresbericht 2024/2025

    Der Jahresbericht 2024/2025 gibt Auskunft über die Arbeit des WWF Deutschland und eine Einschätzung zum Zustand der Natur. Weiterlesen...

Weitere Informationen

  • Handwerken mit Bosch Power Tools © Bosch Power Tools Bosch Power Tools & WWF

    Transformieren, informieren, schützen – daran arbeitet der Elektrowerkzeughersteller gemeinsam mit dem WWF. Weiterlesen...

  • Edeka Störer zum Thema Nachhaltigkeit © EDEKA EDEKA & WWF

    Damit Nachhaltigkeit einen festen Platz in den Lieferketten, im Sortiment und in den Märkten erhält. Weiterlesen...

  • Regenwald © Getty Images WEPA & WWF

    Seit 2017 setzen sich die Partner dafür ein, Recycling zum Standard im Hygienepapiermarkt zu machen. Weiterlesen...

  • WWF Kooperation mit Vaillant © Vaillant Group WWF und Vaillant: Partner für klimafreundliche Heizsysteme

    Der Heiztechnikspezialist Vaillant und der WWF sind seit 2022 Partner für klimafreundliche Heizsysteme. Ziel der mindestens dreijährigen Partnerschaft ist es, sich gemeinsam für die Wärmewende stark zu machen und dem Thema klimafreundliches Heizen in der Energie- und Klimadebatte mehr Gewicht zu verleihen. Weiterlesen...

  • Zusammenhalt © Rawpixel / iStock / Getty Images P&G und WWF: Gemeinsam für nachhaltigeres Waschen

    Der Konsumgüterhersteller Procter & Gamble (P&G) und WWF Deutschland setzen sich gemeinsam dafür ein, Menschen in Deutschland dafür zu sensibilisieren, ihre Alltagsroutinen nachhaltiger zu gestalten. Weiterlesen...