Wie aber können Unternehmen Nachhaltigkeit dort vorantreiben, wo eine direkte Einflussnahme nur schwer möglich ist, also in der Lieferkette oder bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern?
Dank der WWF-Expertise und des WWF-Netzwerks können wir Unternehmen dabei unterstützen, an zwei Stellen anzusetzen: zum einen, indem wir über Naturschutzprojekte nachhaltige Veränderungen am Ursprung der Lieferkette anstoßen. Wir nennen das „Landscape-Engagement“. Zum anderen, indem wir über sogenannte „Behavioural Change“-Kampagnen das Verbraucherverhalten lenken.
In unseren „Landscape-Engagement“-Ansätzen verschneiden wir kritische Rohstofflieferketten mit unseren weltweiten Naturschutzprojekten. Diese spezielle Form des Naturschutz-Sponsorings ermöglicht es Unternehmen, sich gemeinsam mit dem WWF für eine nachhaltigere Gewinnung ihrer Hauptrohstoffe einzusetzen, beispielsweise Palmöl, Soja oder Kakao. Dabei geht es uns sowohl um Naturschutz und umweltschonendere Anbaupraktiken als auch um verbesserte Arbeits- und Lebensbedingungen für die Menschen vor Ort.
„Behavioural Change“-Kampagnen sind ein weiterer Kooperationsansatz. Sie sollen dazu beitragen, dass Verbraucher:innen klima- und umweltschädliche Verhaltensroutinen hinterfragen und im Alltag nachhaltiger handeln. Ein gutes Beispiel hierfür ist die #WirDrehenRunter-Kampagne, die wir gemeinsam mit Procter & Gamble ins Leben gerufen haben. Sie hat es geschafft, dass die Menschen in Deutschland ihre Wäsche kälter und damit klimaschonender waschen.
Die Art und Weise, wie der WWF als Umweltorganisation mit Unternehmen zusammenarbeitet, ist einzigartig. Worin siehst du die Chancen dieser Partnerschaften?
Wir wollen mit unserer Arbeit möglichst viel bewirken. Und in der Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und einer Umweltorganisation stecken Potenziale, die weit über die unmittelbare Reduktion des Umweltfußabdrucks hinausreichen. So können Entscheidungen eines einzelnen Unternehmens eine ganze Branche verändern, wichtige politische Impulse setzen und Millionen von Verbraucherinnen und Verbrauchern erreichen. Aber nachhaltiger Wandel braucht Zeit. Daher zielen wir vor allem auf strategische Partnerschaften, die langfristig angelegt sind und einen ganzheitlichen Nachhaltigkeitsansatz verfolgen, der von konkretem Naturschutz über die nachhaltige Transformation von Geschäftsmodellen bis hin zur Kommunikation mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie Verbraucherinnen und Verbrauchern reicht.
Gibt es noch etwas, das du den Leserinnen und Lesern mitgeben möchtest?
Ich denke, es gibt keinen Grund, die Zuversicht zu verlieren, und ich bin mir sehr sicher, dass sich der Wind wieder drehen wird. Bis es soweit ist und Nachhaltigkeit wieder den politischen und gesellschaftlichen Stellenwert erhält, den sie haben müsste, braucht es starke und unbeirrte Vorreiter. Und dafür stehen all die Unternehmen und Menschen, mit denen der WWF zusammenarbeitet.