In der Zusammenarbeit von WWF und EDEKA ist Biodiversität deshalb eines von vier zentralen Kernthemen. Die Partner arbeiten beispielsweise an der Weiterentwicklung von Beschaffungsanforderungen oder in Projekten vor Ort, um den Zustand der Biodiversität auf den jeweiligen Feldern in ausgewählten Lieferketten zu verbessern.
Was Biodiversität mit dem täglichen Einkauf zu tun hat
Biodiversität ist die Basis unseres Lebens. Eine hohe ökologische Vielfalt hält Ökosysteme gesund und resilient. Sie sichert landwirtschaftliche Erträge, sauberes Wasser und trägt zum Klimaschutz bei. Dadurch ist Biodiversität eng mit dem verbunden, was täglich in unseren Einkaufskörben landet. Wie und welche Lebensmittel produziert, angeboten und eingekauft werden, hat direkten Einfluss auf Böden, Gewässer und Wälder weltweit – und damit auf die dort lebenden Arten. Gerade der Lebensmitteleinzelhandel hat hier eine besondere Verantwortung – und eine große Chance.
Biodiversitätsrisiken im Eigenmarkensortiment erkennen
Rohstoffgewinnung und Produktionsprozesse können die biologische Vielfalt durch Faktoren wie intensive Landnutzung, oder lokale Umweltbelastungen oftmals beeinträchtigen. Daher rücken wir die datenbasierte Risikoanalyse des Eigenmarkensortiments in den Mittelpunkt. Dazu nutzt die EDEKA-Zentrale das EDEKA Risk Tool. Mit diesem Werkzeug werden neben Wasserrisiken im Themenfeld Süßwasser die Biodiversitätsrisiken entlang der Eigenmarkenlieferketten systematisch analysiert. Rohstoffe, Herkunftsregionen und Produktionsbedingungen werden bewertet, um Hotspots mit erhöhtem Risiko für Natur und Artenvielfalt zu identifizieren. Es werden physische- und Reputationsrisiken abgedeckt. Das Tool basiert auf dem WWF Risk Filter, der auf über 80 Datensätzen renommierter wissenschaftlicher Quellen mit Informationen über den Status der lokalen Artenvielfalt, einschließlich Ökosystemdienstleistungen und Schutzgebieten sowie den größten Risiken für die biologische Vielfalt zurückgreift. Fokus ist, gezielt dort anzusetzen, wo Veränderungen den größten Effekt haben.
Von der Risikoanalyse zur konkreten Maßnahme
Auf Basis der Erkenntnisse aus dem EDEKA Risk Tool entwickeln WWF und EDEKA gemeinsam konkrete Maßnahmen zur Minderung von Biodiversitätsrisiken. Ziel ist es, Biodiversität nicht nur zu bewerten, sondern aktiv zu schützen und zu fördern. Hierzu zählt vor allem die Unterstützung ausgewählter Lieferanten bei der Umsetzung biodiversitätsfreundlicherer Anbaumethoden sowie beim Übergang zu anerkannten Standards und Zertifizierungen im Eigenmarkenbereich, wie etwa das Biosiegel, die Siegel biologischer Anbauverbände oder Rainforest Alliance.
Ein wichtiger Hebel ist dabei auch ein hoher Anteil an entsprechend zertifizierten Bio-Produkten im EDEKA-Sortiment. Damit werden Produktionsweisen gestärkt, die ohne chemisch-synthetische Pestizide auskommen und vielfältigere Agrarlandschaften fördern, etwa durch abwechslungsreiche Fruchtfolgen mit unterschiedlichen Kulturpflanzen wie Getreide, Klee oder Ackerbohnen.
Fisch und Meeresfrüchte im Blick behalten
Auch die Meere sind Hotspots der Biodiversität – und zugleich stark bedroht. Überfischung, Beifang, unzureichender Schutz und zerstörte Lebensräume gefährden zahlreiche Ökosysteme. In der Partnerschaft mit dem WWF arbeitet der EDEKA-Verbund daran, die Beschaffung des Eigenmarkensortiments von Fisch und Meeresfrüchten schrittweise auf verantwortungsvollere Kriterien umzustellen. Ein erster Schritt, gleich zu Beginn, war die dauerhafte Auslistung der Arten Aal, Hai, Rochen und Wild-Stör sowie deren Erzeugnisse aus dem Sortiment als bedrohte Arten gemäß roter Liste der IUCN.
Bei der weiteren Umstellung des Sortiments nutzt EDEKA neben anerkannten Umweltstandards wie MSC, ASC, GLOBALG.A.P. und Bio-Zertifizierungen das WWF Seafood Assessment Tool. Dieses wissenschaftlich fundierte Tool dient dazu, Biodiversitätsrisiken in Fischlieferketten gezielt zu identifizieren und zu vermeiden. Es ist eine für Unternehmen entwickelte Version des WWF Fischratgebers. In der Folge wurde beispielsweise das Pazifische Kabeljaufilet der Eigenmarke betrachtet. Hier wurde die Fangmethode von Grundschleppnetz auf Langleine umgestellt, was ungewollten Beifang verringert und den Meeresboden schont. Das Tool zeigt auch, wenn sich ein Fischbestand verschlechtert, und kann genutzt werden, um Alternativen zu identifizieren.
Lebensraum Wald
80 Prozent aller an Land lebenden Pflanzen und Tiere sind in Wäldern zu Hause. Besonders die tropischen Regenwälder sind sehr artenreich. Doch genau diese Lebensräume stehen seit Jahrzehnten unter starkem Druck. In großem Maß wird Regenwald für die Viehhaltung und den Anbau von Soja als Futtermittel zerstört. Auch für Produkte wie Kaffee, Kakao oder Palmöl verschwinden jedes Jahr wertvolle Waldgebiete und weitere sensible Ökosysteme.
Die Partnerschaft von EDEKA und WWF hat daher auch verschiedene Ressourcen in den Fokus genommen, deren Produktion typischerweise mit Entwaldung, Zustandsverschlechterung und Verlust von Lebensraum von waldlebenden Arten zusammenhängt. So arbeiten die Partner zum Beispiel zu Holz-, Papier- und Tissue-Eigenmarkenprodukten, die auf eine Produktion aus zertifizierten Holzrohstoffen aus FSC-Basis oder Altpapier umgestellt worden sind. Auch fast alle Eigenmarkenverpackungen aus Pappe, Papier und Zellstoff konnten sukzessive auf zertifizierte Rohstoffe umgestellt werden. Weitere Ressourcen, deren Produktion mit hohem Entwaldungsrisiko einhergehen, werden im Themenfeld Ressourcenschutz bearbeitet.
Feldprojekte als Ergänzung zur Sortimentsarbeit
Ergänzend zur systematischen Risikoarbeit zeigen drei gemeinsame Feldprojekte, wie Biodiversität konkret im Anbau gefördert werden kann. Im Bananenprogramm in Belize, Costa Rica, Ecuador, Kamerun und Kolumbien werden konventionelle Anbaumethoden verbessert, um Böden, Gewässer, Klima und Lebensräume zu schonen. So verzichten die Farmen auf besonders toxische Pflanzenschutzmittel, arbeiten daraufhin auf Herbizide gänzlich zu verzichten und schützen Boden und Grundwasser vor Verunreinigung, indem sie heimische Bodendecker unter den Bananenstauden pflanzen, was den Boden auflockert.
Auch das Zitrusprojekt arbeitet im konventionellen Anbau und zeigt in Spanien wie der Einsatz von Süßwasser und Pestiziden reduziert, der Boden geschont und die Artenvielfalt erhöht werden können. So konnte sich etwa durch das Verbot für Herbizideinsatz zwischen den Baumreihen und an den Plantagenrändern sowie das gezielte Aussäen funktionaler Pflanzenarten sich die Pflanzendecke neu entwickeln. Begrünte Rand- und Blühstreifen wurden neu angelegt oder miteinander verbunden und bieten Nützlingen und anderen Tieren Lebensraum.
Das dritte Feldprojekt “Landwirtschaft für Artenvielfalt” setzt hingegen auf zertifizierten Verbands-Biobetrieben in Deutschland Maßnahmen zum Schutz und zur Förderung von Insekten, Vögeln, Amphibien und Wildpflanzen um. Dazu wählen die Betriebe aus einem Leistungskatalog mit über 100 Auswahlmöglichkeiten für Ackerland, Grünland (Wiesen, Weiden) sowie für Landschaftselemente (etwa Hecken, Tümpel) für ihren Betrieb geeignete Maßnahmen aus.
Zusammenarbeit mit dem Lebensmittelsektor
Im Verein „Food for Biodiversity“ vernetzen sich Akteure des Lebensmittelsektors, um die biologische Vielfalt entlang der Agrarlieferkette zu fördern und zu schützen. Teilnehmende Akteure wie Lebensmitteleinzelhändler, Standardgeber und Umwelt-NGOs haben ein Kriterienset Biodiversität entwickelt, das in Beschaffungsrichtlinien integriert und in einzelnen Projekten zur Anwendung kommen soll. WWF, EDEKA und die anderen Mitglieder wollen so ausgewählte landwirtschaftliche Betriebe bei Maßnahmen zur Förderung der Biodiversität unterstützen. Durch ihre Mitgliedschaft bringen EDEKA und WWF unter anderem das Wissen aus den drei Feldprojekten der Partnerschaft ein.
Biodiversität wirksam und langfristig sichern
Der Schutz der Biodiversität beginnt mit Wissen und endet beim Handeln. WWF und EDEKA bündeln ihre Stärken, um Risiken sichtbar zu machen und wirksame Lösungen umzusetzen. Durch die gezielte Nutzung des EDEKA Risk Tools, die Umsetzung wirksamer Maßnahmen und die Ausweitung nachhaltigerer Produktsortimente wird Biodiversität entlang der Wertschöpfungskette erhalten und geschützt – für stabile Ökosysteme, verantwortungsvollen Konsum und eine lebenswerte Zukunft.
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Pressereferentin / WWF Deutschland
Unternehmenskommunikation / EDEKA