Biodiversität ist die Basis unseres Lebens und zugleich eng mit dem verbunden, was täglich in unseren Einkaufskörben landet. Wie und welche Lebensmittel produziert, angeboten und eingekauft werden, hat direkten Einfluss auf Böden, Gewässer, Wälder und Artenvielfalt weltweit – und damit auf die dort lebenden Arten. Eine hohe ökologische Vielfalt hält Ökosysteme gesund und resilient. Sie sichert landwirtschaftliche Erträge, sauberes Wasser und trägt zum Klimaschutz bei. Gerade der Lebensmitteleinzelhandel hat hier eine besondere Verantwortung – und eine große Chance. Er kann Standards setzen, Lieferketten verändern und biodiversitätsfreundliche Produktionsweisen fördern. In der Zusammenarbeit von WWF und EDEKA ist Biodiversität deshalb eines von vier zentralen Kernthemen.

Biodiversitätsrisiken im Eigenmarkensortiment gezielt erkennen

Ein Schwerpunkt liegt auf dem bewussten Umgang mit Biodiversitätsrisiken im Eigenmarkensortiment. Denn viele Rohstoffe und Produkte stehen in direktem Zusammenhang mit Risiken für die Artenvielfalt, etwa durch intensive Landnutzung, umweltschädliche Produktionsmethoden oder regionale Umweltbelastungen.

Ein zentrales Instrument hierfür ist das EDEKA Risk Tool. Mit diesem Werkzeug werden neben Wasserrisiken im Themenfeld Süßwasser die Biodiversitätsrisiken entlang der Eigenmarkenlieferketten systematisch analysiert. Rohstoffe, Herkunftsregionen und Produktionsbedingungen werden bewertet, um Hotspots mit erhöhtem Risiko für Natur und Artenvielfalt zu identifizieren. Dabei werden physische- und Reputationsrisiken abgedeckt. Es basiert auf über 50 Datensätzen renommierter wissenschaftlicher Quellenmit Informationen über den Status der lokalen Artenvielfalt, einschließlich Ökosystemdienstleistungen und Schutzgebieten sowie den größten Risiken für die biologische Vielfalt. Diese Transparenz ist entscheidend, um gezielt dort anzusetzen, wo Veränderungen den größten positiven Effekt haben.

Von der Risikoanalyse zur konkreten Maßnahme

Auf Basis der Erkenntnisse aus dem EDEKA Risk Tool entwickeln WWF und EDEKA gemeinsam konkrete Maßnahmen zur Minderung von Biodiversitätsrisiken. Ziel ist es, Biodiversität nicht nur zu bewerten, sondern aktiv zu schützen und zu fördern. Hierzu zählt vor allem die Unterstützung der Lieferanten bei der Umsetzung biodiversitätsfreundlicherer Anbaumethoden sowie beim Übergang zu anerkannten Standards und Zertifizierungen im Eigenmarkenbereich.

Ein wichtiger Hebel ist dabei auch ein hoher Anteil an Bio-Produkten im Sortiment. Damit werden Produktionsweisen gestärkt, die ohne chemisch-synthetische Pestizide auskommen und vielfältigere Agrarlandschaften fördern.

Fisch und Meeresfrüchte im Blick behalten

Unnötiger Beifang der Krabbenfischerei © Hans-Ulrich Rösner / WWF
Unnötiger Beifang der Krabbenfischerei © Hans-Ulrich Rösner / WWF

Auch die Meere sind Hotspots der Biodiversität – und zugleich stark bedroht. Überfischung, Beifang, unzureichender Schutz und zerstörte Lebensräume gefährden zahlreiche Fischbestände. In der Partnerschaft mit dem WWF arbeitet EDEKA daran, sein Eigenmarkensortiment im Bereich Fisch und Meeresfrüchte verantwortungsvoll weiterzuentwickeln. Dafür nutzt EDEKA neben anerkannten Umweltstandards auch das WWF Seafood Assessment Tool, eine speziell für Unternehmen entwickelte Version des WWF Fischratgebers. Es dient dazu, Biodiversitätsrisiken in Fischlieferketten zu identifizieren und zu vermeiden. So wurde beispielsweise beim Pazifischen Kabeljaufilet von Grundschleppnetz auf Langleine umgestellt. Das verringert ungewollten Beifang sowie die negativen Auswirkungen auf den Meeresboden. Das Tool zeigt auch, wenn sich ein Fischbestand verschlechtert, und kann genutzt werden, um Alternativen zu identifizieren.

Lebensraum Wald

Abholzung des Amazonas-Regenwaldes für Viehzucht
Abholzung des Amazonas-Regenwaldes für Viehzucht © Rodrigo Vieira Soares / Getty Images

80 Prozent aller an Land lebenden Pflanzen und Tiere sind in Wäldern zu Hause. Besonders die tropischen Regenwälder sind sehr artenreich. Doch genau diese Lebensräume stehen seit Jahrzehnten unter starkem Druck. In großem Maß wird Regenwald für die Viehhaltung und den Anbau von Soja als Futtermittel zerstört. Auch für Produkte wie Kaffee, Kakao oder Palmöl verschwinden jedes Jahr wertvolle Waldgebiete.

Um dem entgegenzuwirken, hat sich EDEKA das Ziel gesetzt, entwaldungs- und umwandlungsfreie Lieferketten für die nationalen Eigenmarken mit dem Cut-Off Date 31.12.2020 umzusetzen. Besonders im Fokus stehen sechs Rohstoffe, die am häufigsten mit Entwaldung in Verbindung gebracht werden: Kaffee, Kakao, Holz und Papier, Palmöl, Soja sowie Rindfleisch.

Erreicht werden soll dies durch einen ganzheitlichen Ansatz, der Anforderungen an einzelne Rohstoffe umfasst, etwa zur Herkunft oder zu anerkennten Zertifizierungen. Gleichzeitig arbeitet das Unternehmen daran, das eigene Lieferantenportfolio Schritt für Schritt nachhaltiger zu gestalten. Das umfasst die bessere Rückverfolgbarkeit der Rohstoffe bis zum Ursprungsland oder bestenfalls bis zum Feld. Regelmäßige Datenerhebungen entlang der Lieferkette sorgen für mehr Überblick und schaffen Transparenz, um zu erkennen, wo Risiken für Entwaldung bestehen und wo Ökosysteme gefährdet sind.

Eine zentrale Rolle spielen dabei Zertifizierungen mit physisch getrennten Handelsmodellen. Das bedeutet, dass zertifizierte und nicht zertifizierte Rohstoffe entlang der gesamten Lieferkette strikt voneinander getrennt bleiben. So kann zuverlässig sichergestellt werden, dass Produkte tatsächlich aus entwaldungsfreien Lieferketten stammen und zum Schutz der biologischen Vielfalt beitragen. Dazu arbeitet EDEKA mit seinen Lieferanten eng zusammen, bei denen ein erhöhtes Risiko für Entwaldung oder Umwandlung besteht.

In den vergangenen zwei Jahren wurden dazu mit dem WWF vorbereitende Maßnahmen wie z.B. die Entwicklung von einem Monitoringsystem und einer Methodik zur Bewertung des Entwaldungs- und Umwandlungsrisikos umgesetzt.

Feldprojekte als Ergänzung zur Sortimentsarbeit

Luftaufnahme einer Landschaft mit bewirtschafteten Feldern
Luftaufnahme einer Landschaft mit bewirtschafteten Feldern © Bilanol / Getty Images

Ergänzend zur systematischen Risikoarbeit zeigen drei gemeinsame Feldprojekte, wie Biodiversität konkret im Anbau gefördert werden kann. Im Bananenprogramm werden konventionelle Anbaumethoden verbessert, um Böden, Gewässer, Klima und Lebensräume zu schonen. 

Auch das Zitrusprojekt arbeitet im konventionellen Anbau und zeigt in Spanien wie Süßwasser gespart, der Boden geschont, die Artenvielfalt erhöht und Pestizide eingespart werden können. Das dritte Feldprojekt Landwirtschaft für Artenvielfalt” setzt hingegen auf zertifizierten Verbands-Biobetrieben in Deutschland Maßnahmen zum Schutz und Förderung von Insekten, Vögel und Wildpflanzen um.

Gemeinsam mehr erreichen

Im Verein „Food for Biodiversity“ vernetzen sich Akteure des Lebensmittelsektors, um die biologische Vielfalt entlang der Agrarlieferkette zu fördern und zu schützen. WWF, EDEKA und die anderen Mitglieder unterstützen landwirtschaftliche Betriebe bei Maßnahmen zur Förderung der Biodiversität, integrieren gemeinsam entwickelte Biodiversitätskriterien – etwa zu vielfältigen Fruchtfolgen, reduzierter Pestizidanwendung oder der Anlage von Blüh- und Rückzugsflächen – in ihre Beschaffungsrichtlinien, fördern Forschungs- und Pilotprojekte und informieren dazu.

Biodiversität wirksam und langfristig sichern

Schöne Wiese mit wilden Blumen
Eine Biene sammelt Nektar © pilipphoto / iStock / Getty Images

Der Schutz der Biodiversität beginnt mit Wissen und endet beim Handeln. WWF und EDEKA bündeln ihre Stärken, um Risiken sichtbar zu machen und wirksame Lösungen umzusetzen. Durch die gezielte Nutzung des EDEKA Risk Tools, die Umsetzung wirksamer Maßnahmen und die Ausweitung nachhaltigerer Produktsortimente wird Biodiversität entlang der Wertschöpfungskette erhalten und geschützt – für stabile Ökosysteme, verantwortungsvollen Konsum und eine lebenswerte Zukunft.

EDEKA UND DER WWF

  • Bananen mit EDEKA Logo © David Lawson / WWF-UK
    EDEKA und Bananen
    WWF und EDEKA fördern einen sozialverträglichen Anbau konventioneller Bananen.
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  • Zitronen mit EDEKA Logo © Jason Houston / WWF-US
    EDEKA und Zitrusfrüchte
    Der WWF und EDEKA unterstützen Projekte zu nachhaltigem Zitrusfruchtanbau.
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  • Vogel mit EDEKA Logo © Ola Jennersten / WWF Schweden
    EDEKA und Landwirtschaft
    WWF und EDEKA fördern die Artenvielfalt auf landwirtschaftlichen Nutzflächen.
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  • Windräder mit EDEKA-Logo © GettyImages / c Tobias
    EDEKA und Klimaschutz
    Für WWF und EDEKA ist Klimaschutz ein zentrales Thema auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit.
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  • Holzstücke in Rumänien mit EDEKA Logo © James Morgan / WWF
    EDEKA und Holz und Papier
    Wälder liefern für viele Alltagsprodukte den Rohstoff Holz. Hier setzen WWF und EDEKA an.
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  • Palmöl Früchte auf einer Plantage in Sumatra mit EDEKA Logo © James Morgan / WWF International
    EDEKA und Palmöl
    Palmöl steckt in vielen Produkten. Mit den Anbauflächen wachsen auch die Probleme.
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  • Sojabohne mit EDEKA Logo © saraTM / iStock / Getty Images Plus
    EDEKA und Soja
    WWF und EDEKA unterstützen heimische Futtermittel und die Verbesserung der Sojaproduktion.
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  • Glasbehälter mit EDEKA-Logo © GettyImages
    EDEKA und Verpackungen
    So nützlich Verpackungen sind: Ihre Herstellung und Entsorgung belastet die Umwelt.
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  • Landwirtschaft Maisfeld mit EDEKA Logo © Sonja Ritter / WWF
    EDEKA und Beschaffungsmanagement
    Der weltweite Anbau der Argrarrohstoffe verursacht ökologische und soziale Probleme.
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  • Edeka Eingang mit Kundin und Logo © EDEKA
    EDEKA - regionales Engagement
    Regionale EDEKA Märkte schaffen die Einweg-Plastiktüte ab. Stattdessen setzen wir auf PET.
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Sylvia Ratzlaff

Pressereferentin / WWF Deutschland

Miriam Heimberg

Unternehmenskommunikation / EDEKA