Honigbiene auf Kornblume © Frank Gottwald

Landwirtschaft für Artenvielfalt

Stand: 26.09.2026

Die biologische Vielfalt ist das vielleicht wichtigste Gut unseres Planeten und ihr Erhalt gleichzeitig eine der größten Herausforderungen, vor der wir weltweit, aber auch hierzulande stehen. Selbst ehemals weit verbreitete Arten wie der Feldhase oder das Braunkehlchen bekommt man in Deutschland immer seltener zu Gesicht. Auch viele Ackerwildkräuter verschwinden mehr und mehr aus dem Landschaftsbild.

Zahlreichen Insekten und Amphibien ergeht es ebenso. Um diesen Trend aufzuhalten, ist es dringend notwendig, die heimische Tier- und Pflanzenwelt in möglichst vielfacher Weise wieder in die Landbewirtschaftung zu integrieren. Genau hier setzt das Programm „Landwirtschaft für die Artenvielfalt an“.

WWF und EDEKA engagieren sich bereits seit 2012 gemeinsam mit den Bio-Anbauverbänden wie dem Mitbegründer Biopark sowie Biokreis, Demeter, Naturland und Bioland für Biodiversität, also den Schutz und die Förderung wildlebender Tier- und Pflanzenarten in der deutschen Agrarlandschaft.

Das Ziel

Saat-Mohn © Frank Gottwald
Saat-Mohn © Frank Gottwald

Über 50 Prozent der Fläche Deutschlands wird für landwirtschaftliche Zwecke genutzt. Landwirtschaft prägt somit maßgeblich den Lebensraum von Tieren und Pflanzen. Die Programmpartner verfolgen ein langfristiges Ziel: Betriebe des Ökologischen Landbaus sollen ein eigens entwickeltes Naturschutzmodul breit einführen und nutzen. Denn es gibt durchaus Möglichkeiten, landwirtschaftliche Flächen so zu bewirtschaften, dass diese Lebens- und Rückzugsraum für wildlebende Tier- und Pflanzenarten bieten – beispielsweise durch Schaffung zusätzlicher Lebensräume an und auf den Feldern. Insbesondere der Ökologische Landbau bietet hier großes Potenzial.

Das Naturschutzmodell

Grundlage für das Naturschutzmodul ist ein Katalog mit über 100 Naturschutzmaßnahmen und -leistungen. Er entstand in Zusammenarbeit mit dem Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) e.V. und insgesamt rund 40 Expert:innen aus den Bereichen Naturschutz und Landwirtschaft, die sowohl an der Erarbeitung der einzelnen Naturschutzmaßnahmen als auch deren Bewertung beteiligt waren.

Kein landwirtschaftlicher Betrieb ist wie der andere. Um bestmöglich auf die Besonderheiten der Betriebe und die vorhandene Artenvielfalt einzugehen, unterstützen naturschutzfachliche Berater:innen die Landwirt:innen bei der Auswahl und Umsetzung ihres individuellen Maßnahmenpakets. Gemeinsam wählen sie aus dem Katalog des Naturschutzmoduls aus: Jede zur Auswahl stehende Naturschutzmaßnahme ist mit einer Punktzahl hinterlegt. Die Punktzahl basiert auf der Einschätzung, wie effektiv die Maßnahme für den Schutz von wildlebenden Tier- und Pflanzenarten sowie deren Lebensräumen ist. Um das Naturschutzmodul zu erreichen, muss jeder Betrieb eine Mindestpunktzahl erreichen.

„Der Zustand der Ökosysteme, von denen wir und alle anderen Arten abhängen, verschlechtert sich schneller als je zuvor. Wir untergraben weltweit die Grundlagen unserer Wirtschaft, unserer Lebensgrundlagen, unserer Ernährungssicherheit, unserer Gesundheit und unserer Lebensqualität.“

Sir Robert Watson, damaliger Vorsitzender des Weltbiodiversitätsrates (IPBES), 2019

Die Maßnahmen

Feld-Rittersporn © Frank Gottwald
Feld-Rittersporn © Frank Gottwald

Die Naturschutzmaßnahmen beziehen sich auf die Bereiche Ackerland, Grünland – also Wiesen und Weiden – und Landschaftselemente, wie Hecken oder Tümpel. Sie zielen auf verschiedene Arten und deren unterschiedlichen Ansprüche an ihre Lebensräume ab. So ermöglichen zum Beispiel Maßnahmen zur Auflockerung der Getreidebestände eine gute Entwicklung von Ackerwildkräutern, wie der Kornblume oder dem Sand-Mohn. Sie bieten außerdem Nist- und Nahrungsraum für Feldvögel oder Feldhasen. Auch das Stehenlassen von ungemähten Streifen oder Säumen an den Feldrändern steigert die Vielfalt der Arten. Sie ziehen nektarsuchende Insekten an und bieten Schutz für bodenbrütende Vögel. Die Vorgabe, Teile des Grünlandes für acht Wochen während der Brutzeit im Frühjahr nicht zu nutzen oder zu bearbeiten, hilft Feldvögeln wie Feldlerche oder Wiesenpieper. Innerhalb dieser Zeit können sie ihre Brut sicher aufziehen. Spätblühende Kräuter können zur Samenreife gelangen, wenn nach der Getreideernte nicht sofort der Boden bearbeitet wird. Sind rings um Tümpel im Sommer ungenutzte Bereiche vorhanden, finden Amphibien wie die stark gefährdete Rotbauchunke an Land ihre notwendigen Rückzugsräume.

Das Naturschutzmodul berücksichtigt bei der Punktevergabe auch, ob wichtige Biotope wie zum Beispiel artenreiche Nasswiesen existieren und wie es um das Vorkommen ausgewählter Arten wie zum Beispiel hochgradig gefährdeter Ackerwildkräuter steht.

Während das Programm zunächst auf Betriebe mit Ackerland und Viehhaltung ausgerichtet war, wurde im Laufe der Jahre auch auf Obst- und Gemüsebaubetriebe ausgeweitet. So entstand im Jahr 2020 die Initiative von Landwirtschaft für Artenvielfalt für den ökologischen Obstanbau mit Fokus auf Tafeläpfel. Gestartet wurde sie gemeinsam mit der Fördergemeinschaft Ökologischer Obstbau e.V., den Anbauverbänden Bioland, Demeter und Naturland, Lieferanten, Beratungsorganisationen und teilnehmenden Erzeuger:innen.

Inzwischen nehmen über 70 Bio-Obstbetriebe aus vier verschiedenen Anbauregionen teil - vom Alten Land im Norden und Baderitz in Sachsen bis hin zu Franken und am Bodensee in Süddeutschland. Sie säen beispielsweise Blühstreifen, schaffen Nisthilfen oder mähen nur jede zweite Fahrgasse ihrer Apfelplantagen, damit Insekten, Vögeln und Kleintieren noch ausreichende Rückzugsgebiete und Nahrungsangebote bleiben. Basis dafür ist ein Obstanbau-Artenschutzmaßnahmenkatalog des Bioanbauverbands Bioland.

Seit 2023 nehmen erstmals auf Gemüse spezialisierte Betriebe am LfA-Programm teil, deren unterschiedlichste Gemüsesorten, wie etwa Brokkoli, Eisberg-Salat, Mini-Romana Salat, Tomaten, Zucchini und Zuckermais bei EDEKA und Netto Marken-Discount als Programmware vermarktet werden.

WWF & Edeka Partnerlogo
WWF & Edeka Partnerlogo

„Landwirtschaft für Artenvielfalt“ ist ein gemeinsames Programm von WWF und den ökologischen Anbauverbänden Biokreis, Biopark, Bioland, Demeter und Naturland. Der EDEKA-Verbund finanziert das Programm und unterstützt organisatorisch, geht langfristige Lieferbeziehungen mit teilnehmender Landwirt:innen ein und honoriert die Zusatzleistungen für den Naturschutz. Vermarktet werden die Erzeugnisse der teilnehmenden Betriebe über EDEKA und Netto Marken-Discount. Mit etwa 200 teilnehmenden Betrieben und einer Gesamtfläche von mehr als 55.000 ha ist „Landwirtschaft für Artenvielfalt“ eines der größten privat finanzierten Artenschutzprogramme in der deutschen Agrarlandschaft.

In einer Datenbank werden sämtliche durchgeführten Maßnahmen und nachgewiesene Arten dokumentiert. Auf ausgewählten Betrieben haben die naturschutzfachlichen Berater zusätzlich ein Monitoring der Bestandsentwicklung bestimmter Arten durchgeführt. So konnten sie beispielsweise nachweisen, dass sich durch die Umsetzung der Programmmaßnahmen der Bruterfolg der Braunkehlchen auf einigen Flächen verdoppelt hat. Auf dieser Grundlage und mit steigender Erfahrung der Landwirt:innen sind die Auswahl und die Umsetzung der Maßnahmen stetig optimiert und die Effektivität für den Artenschutz gesteigert worden.

Beim Einkauf bei EDEKA und Netto Marken-Discount können Verbraucher:innen die entsprechenden Produkte erkennen: Viele der mehr als 100 verschiedenen Bio-Produkte aus dem Programm „Landwirtschaft für Artenvielfalt“ sind durch einen Hinweis zum Programm gekennzeichnet. Das Sortiment umfasst beispielsweise neben Äpfeln und Gemüse auch Fleisch, Wurst, Milch, Joghurt, Apfelsaft und Kartoffeln.

  • Weizenfeld © Nastco / iStock / Getty Images Plus Landwirtschaft für Artenvielfalt

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