Eine der beliebtesten essbaren Pflanzen aus dem Wald ist sicherlich der Bärlauch (Allium ursinum). Doch Vorsicht! Das schmackhafte Kraut hat sogar zwei gefährliche Doppelgänger: Das Maiglöckchen (Convallaria majalis) und die Herbstzeitlose (Colchicum autumnale). Diese sind so giftig, dass ein Verzehr in wenigen Stunden zum Tod führen kann. Daher bitte wirklich aufpassen, wenn Sie sich auf die Bärlauchpirsch begebt.
Wildkräuter zu entdecken und zu nutzen ist faszinierend – einen ersten Einblick in das Sammeln wilder Pflanzen finden Sie hier. Doch es erfordert ein geschultes Auge: Viele essbare Arten haben ähnlich aussehende, teilweise giftige Doppelgänger, die eine genaue Bestimmung notwendig machen. Da diese Informationen keine fachkundige Einschätzung gewährleisten können, dienen sie lediglich zur Orientierung – daher gilt beim Sammeln stets: Nur Pflanzen mitnehmen, die eindeutig erkannt wurden.
Bärlauch, Maiglöckchen und Herbstzeitlose
Wie kann man Bärlauch, Maiglöckchen und Herbstzeitlose unterscheiden?
Das wichtigste Organ bei der Identifizierung des Bärlauchs ist wohl die Nase, denn die Pflanze verströmt einen intensiven Knoblauchgeruch. Dies ist zugleich das sicherste Unterscheidungsmerkmal zum Maiglöckchen und der Herbstzeitlosen, die relativ geruchsarm sind. Manchmal kann es jedoch passieren, dass sich inmitten eines Bärlauchfelds eine Maiglöckchenfamilie angesiedelt hat und man mit bloßem Riechen nicht weit kommt, zumal die eigenen Hände bereits intensiv nach Knoblauch duften werden, wenn man vorher schon ein paar Bärlauchpflanzen geerntet hat.
Deshalb ist man gut damit beraten, die Pflanzen auch optisch voneinander unterscheiden zu können, und das geht am besten über die Blätter: Die Blätter des Bärlauchs sind mattgrün, fühlen sich saftig an und haben einen dünnen Blattstiel. Die Blätter der Maiglöckchen sind dunkelgrün und fühlen sich ledrig an, sie wachsen paarweise und kommen zusammengerollt, den Stängel umfassend, aus der Erde. Der Schaft am Stängel ist rötlich-braun. Bei der Herbstzeitlosen wachsen die Blätter zu mehreren aus einem Stängel und haben keinen Blattstiel. In der Mitte der Blätter sitzt eine Fruchtkapsel.
Wo findet man Bärlauch und was kann man damit machen?
Von Mai bis Juni steht der Bärlauch in der Blüte, doch für schmackhafte Gerichte sollte man die Blätter möglichst vor der Blüte ernten. Der Bärlauch wächst bevorzugt an Plätzen, die im Laufe des Jahres schattig und nur im Frühjahr besonnt sind, zum Beispiel in feuchten Laubwäldern oder unter Büschen.
Verarbeiten lässt sich Bärlauch zum Beispiel zu einem leckeren Bärlauch-Pesto zu Pasta oder zu einer würzigen Bärlauchbutter. Kleingehackt peppt er jeden Salat auf oder wird mit etwas Joghurt oder Schmand verrührt zu einem köstlichen Dip für Ofengemüse.
Beinwell und Fingerhut
Auch die Beinwellpflanze (Symphytum officinale) hat einen echt giftigen Doppelgänger: Den roten Fingerhut (Digitalis purpurea), der wirklich hübsch, aber bei Verzehr auch wirklich tödlich ist. Doch keine Sorge, bei genauem Hinsehen sind die beiden Pflanzen sicher voneinander zu unterscheiden. Und das lohnt sich, denn Beinwell ist nicht nur schmackhaft, sondern hat auch heilende Kräfte.
Wie kann man Beinwell und Fingerhut unterscheiden?
Beinwell und Fingerhut zu unterscheiden ist nicht leicht. Beinwell hat abstehend, rauhaarige Blätter, die am Stängel bis zum nächsten Blatt herablaufen. Die Blätter sind breit lanzettlich, laufen immer spitz zu und die Blattränder sind nicht gezähnt — im Gegensatz zum Fingerhut, dessen Blattränder kleine, unregelmäßige Kerben aufweisen. Beim roten Fingerhut ist Blattoberseite runzelig und dunkelgrün und unterseits grau und filzig. Sobald Blüten vorhanden sind, bieten diese ein zusätzliches Unterscheidungsmerkmal: Die Blütenstände der Beinwellpflanze sind eingerollt und die Blüten hängen nach unten, während der Fingerhut in einer langen Traube blüht, an der alle Blüten zur gleichen Seite hängen.
Wo findet man Beinwell und was kann man damit machen?
Beinwell finden kann man an Ufern, Wegrändern, auf nassen Wiesen, in Gräben und Auenwäldern. Sie sind nicht allzu häufig, aber leicht zu entdecken, denn die Stauden sind sehr kräftig und blattreich. Der Fingerhut ist typisch für Waldlichtungen, er kann aber auch an Wegrändern wachsen.
Die jungen Blätter der Beinwellpflanze sind eine köstliche Zutat zu Salat, Suppen und Eintöpfen. Allerdings sollten Sie die Blätter sehr klein hacken, da sie wirklich stachelig sein können. Wichtig ist: Beinwell sollte immer ganz frisch und auch nicht in zu großen Mengen verzehrt werden. Neben dem kulinarischen Wert ist Beinwell auch noch ein echter Profi in Sachen Wundheilung, da die Pflanze das Zellwachstum fördert. Bei kleinen Wunden einfach ein paar Beinwellblätter abbrechen und den glasklaren, gelartigen Saft aus den Blattstängeln direkt auf die Wunde schmieren.
Wiesenkerbel und gefleckter Schierling
Dieses Pflanzenpaar ist etwas für echte Pflanzenkenner, denn der Wiesenkerbel (Anthriscus sylvestris) und der gefleckte Schierling (Conium maculatum) sind sich wirklich zum Verwechseln ähnlich. Der eine ist eines der vitaminreichsten Wildkräuter, der andere jedoch eine hochgiftige Pflanze, die schon den Philosophen Sokrates ins Grab gebracht hat. Eine Verwechslung kann böse enden, daher Finger weg, wenn Sie den Wiesenkerbel nicht wirklich sicher bestimmen könnt!
Wie kann man Wiesenkerbel und gefleckten Schierling unterscheiden?
Der Wiesenkerbel und der Schierling gehören beide zur Familie der Doldenblütler. Mit ihren hellen Blüten in Dolden und den gefiederten Blättern sind sie für das ungeübte Auge nicht zu unterscheiden. Das wichtigste Unterscheidungsmerkmal ist der Stängel, der beim Wiesenkerbel nicht gefleckt ist, beim Schierling jedoch mit rotbraunvioletten Flecken gemustert ist. Ein weiteres Merkmal ist der Geruch: Der Wiesenkerbel riecht würzig nach Kerbel, der Schierling riecht zerrieben nach Mäusepipi. Vorsicht ist jedoch trotzdem geboten, denn Geruch und Aussehen der Pflanze hängt auch stark vom Standort ab.
Und noch einmal Vorsicht, es gibt eine Ausnahme: Der giftige Wasserschierling ist nicht gefleckt, er wächst an Ufern und riecht nach Sellerie. Deshalb: Vermeintliche Kerbelpflanzen an Ufern immer stehenlassen!
Wo findet man Wiesenkerbel und was kann man damit machen?
Der Wiesenkerbel wächst ab April bis Juli auf gut gedüngten Wiesen (Fettwiesen), an Wegrändern und auf frischen, nährstoffreichen Böden.
Der Wiesenkerbel ist ein sehr vitaminreiches Kraut und schmeckt nach einer Mischung aus Karotte und Petersilie. Er eignet sich hervorragend als Zutat in Salaten, Kräuterbuttern oder Bratlingen. Wie bei fast allen Wildkräutern gilt jedoch auch hier: Nicht zu viel auf einmal essen! Guten Appetit!
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