Von März bis Juli verwandeln sich unsere Wälder, Wiesen und Ufer in Kinderstuben für Vögel. Da ist unser Verhalten in der Natur besonders wichtig.

Während der Brutsaison sind Vögel besonders störanfällig – und zugleich stark unter Druck: Laut der Roten Liste der IUCN leiden viele Arten unter Lebensraumverlust, Insektenrückgang, Erderhitzung, der intensiven Landwirtschaft und Störungen durch den Menschen. Besonders betroffen sind Bodenbrüter und Wiesenvögel.

Störungen in der Brutsaion können dazu führen, dass Nester aufgegeben werden und Jungtiere nicht überleben. Rücksicht ist daher entscheidend für den Schutz der Vögel und ihrer Brut.

In Deutschland gilt inzwischen mehr als jede zweite Brutvogelart als gefährdet oder zumindest rückläufig. Besonders stark betroffen sind Arten der offenen Landschaft wie die Feldlerche, deren Bestände seit 1980 um rund 35 Prozent zurückgegangen sind.

Dringend nötiger Schutz

Vier gesprenkelte Eier eines Flussuferläufergeleges (Actitis hypoleucos) liegen in einem Nest.
Das Gelege eines Flussuferläufers (Actitis hypoleucos) © IMAGO / blickwinkel

Der Rückgang von Brutvögeln hat auch direkte Folgen für den Menschen, weil viele Arten wichtige Funktionen im Ökosystem übernehmen. Vögel wie die Feldlerche oder Schwalbe fressen große Mengen an Insekten und tragen so zur natürlichen Schädlingskontrolle bei – fallen sie weg, kann das zu mehr Schädlingen in Landwirtschaft und Gärten führen.

Außerdem verbreiten viele Vogelarten Samen und unterstützen damit die Regeneration von Pflanzen und Wäldern. Ihr Rückgang schwächt also ganze Ökosysteme, die auch für sauberes Wasser, fruchtbare Böden und stabile Klimabedingungen wichtig sind.

Nicht zuletzt sind Vögel ein sensibler Indikator für Umweltqualität: Wenn ihre Bestände sinken, ist das oft ein frühes Warnsignal dafür, dass Lebensräume insgesamt aus dem Gleichgewicht geraten – mit langfristigen Folgen auch für unsere eigene Lebensgrundlage.

Im Folgenden finden Sie wichtige Tipps, was an Ufern, auf Wiesen und in Wäldern zu tun ist – und was Sie besser vermeiden sollten, um den Bruterfolg nicht zu gefährden.

Unsere Tipps für die Brutsaison der Vögel

  • Auf den Wegen bleiben! Wiesen sind mehr als nur grüne Flächen – sie sind das Zuhause von Bodenbrütern wie der Feldlerche oder dem Braunkehlchen. Schon ein einzelner Schritt daneben kann ein Gelege zerstören oder die Altvögel so stark stören, dass sie das Nest aufgeben.
     
  • Leinenpflicht ernst nehmen! Stöbernde Hunde versetzen brütende Vögel in Todesangst. Oft verlassen die Eltern das Nest dauerhaft, wenn sie sich bedroht fühlen.
     
  • Nestern nicht zu nah kommen! Vogeleltern und ihre Brut können jetzt wirklich gar keine Störung gebrauchen – auch nicht für ein Foto! Mit einem Fernglas kann man natürlich die faszinierende Aufzucht der Jungen beobachten, ohne die Vögel in ihrem „Wohnzimmer“ zu bedrängen.
     
  • Bitte keinen Lärm machen! Sind wir Menschen laut, sind wir für brütende Vögel viel zu laut. Sei es die aufgedrehte Musikbox am See, Motorengeräusche oder auch lautstarke Unterhaltungen beim Campen und Wandern: Wir stressen die Tiere und übertönen Warnrufe der Vogeleltern.
     
  • Uferzonen meiden! Schilfgürtel und Uferböschungen sind Hochsicherheitszonen für Wasservögel wie Haubentaucher oder Rohrweihen. Bitte wirklich nie betreten! Auch Kiesbänke während der Brutzeit bitte meiden und nur offizielle Badestellen oder Stege nutzen.
     
  • Abstand halten – auch vom Wasser aus! Mit dem Kanu oder Stand-up-Paddle (SUP) bitte großen Abstand zu Röhrichten und Kiesinseln halten. Kiesinseln zum Beispiel sind oft Brutplätze für seltene Flussregenpfeifer.
     
  • Drohnen sind für Vögel massiver Stress! Sie werden von vielen Vögeln als Eindringlinge und Gefahr verstanden. Diese Störung kann weitreichende Folgen haben. Drohnenflüge in der Nähe von Nestern können dazu führen, dass Vögel ihre Brut verlassen oder die Brutstätte langfristig aufgeben.
     
  • Auch Licht stört! Meiden Sie offene Flächen in der Dämmerung gezielt mit Stirnlampen oder starken Taschenlampen abzusuchen. Das Licht kann bei Bodenbrütern wie dem Ziegenmelker einen sogenannten „Freeze“-Reflex auslösen. Die Vögel bleiben dann regungslos sitzen, statt zu fliehen, und verraten so ungewollt ihr Nest oder geraten in Stresssituationen, die ihre Brut gefährden können.

Hände weg vom Naturschutz!

Doch es geht um mehr als individuelles Verhalten. Die WWF-Kampagne „Hands off Nature“ setzt sich für den Schutz sensibler Lebensräume ein und macht auf die Bedeutung ungestörter Rückzugsorte aufmerksam.

Auch politische Rahmenbedingungen sind entscheidend. EU-Vogelschutzrichtlinie und Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie verpflichten die Mitgliedstaaten, Lebensräume zu sichern. Ihre konsequente Umsetzung ist ebenso wichtig wie ambitionierte Renaturierungsmaßnahmen.

Viele der in Brüssel momenan geplanten Änderungen an europäischen Naturschutzgesetzen finden in komplexen Verfahren, unter Zeitdruck und ohne Einbindung der Öffentlichkeit statt.

Umso wichtiger ist es, dass Politiker:innen klar erkennen: Die Menschen in Europa schauen hin! Der Schutz unserer Natur, unserer Umwelt und unserer Lebensgrundlagen ist nicht verhandelbar!

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