Ob auf dem Land oder in der Stadt, ob eigener Garten hinter dem Haus, Dachgarten, Schrebergarten oder Urban Gardening: die grünen Refugien erfreuen sich großer Beliebtheit. Und sie sind weitaus mehr als nur Orte der entspannten Freizeitgestaltung.

Gehören auch Sie zu den Menschen, die einen eigenen Garten hegen und pflegen? Die in ihrer grünen Oase neue Energie tanken, mit lieben Menschen zusammenkommen und vielleicht sogar eigenes Obst und Gemüse ernten? Mit unseren Tipps für eine naturnahe Gartengestaltung und ökologisches Gärtnern tragen Sie aktiv zum Umwelt- und Klimaschutz bei. Und viele lästige Arbeiten im Garten fallen dadurch sogar weg!

Schon gewusst: Gartenarbeit ist Umwelt- und Klimaschutz

Hummel an einer Blüte © Ola Jennersten / WWF-Sweden
Catmint

Naturnah und ökologisch angelegt sind Gärten vielfältige Lebensräume für allerlei Lebewesen und tragen damit zum Erhalt unserer Biodiversität bei. Außerdem leisten sie einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz: Jeder Quadratmeter unversiegelter Boden, auf dem eine bunte Mischung heimischer Pflanzen gedeiht, hilft, extreme Wetterereignisse wie Starkregen, Überschwemmungen, aber auch Hitze und Trockenheit aufzufangen und auszugleichen.

Innerstädtisch sorgen Gärten sogar unmittelbar für ein besseres Klima inmitten von Asphalt und Beton, für bessere Luft und angenehmere Temperaturen.

Pflanzen Sie heimische und alte Sorten statt Exoten

Exotische Pflanzen mögen ein Hingucker sein, sie tragen jedoch wenig bis nichts zur Nachhaltigkeit im Ökosystem Garten bei. Wenn Sie Ihren Garten mit außergewöhnlichen Pflanzen schmücken möchten, empfehlen wir Ihnen alte Sorten zu pflanzen.

Fragen Sie einfach in einer Gärtnerei oder Baumschule nach alten Obstsorten. Saatgut alter Sorten, wie etwa außergewöhnlich gefärbte und geformte Kartoffeln oder Tomaten, erhalten Sie beispielsweise über VERN e.V. (Verein zur Erhaltung und Rekultivierung von Nutzpflanzen). Alte Obst- und Gemüsesorten haben oft viel mehr Geschmack; und durch ihren Anbau tragen Sie zum Erhalt unserer Biodiversität bei. Außerdem sind diese einheimischen Pflanzen optimal an unsere klimatischen Bedingungen angepasst und dadurch von Natur aus robuster.

Wählen Sie den passenden Standort

Mädchen pflanzt einen Setzling © Shutterstock / A3pfamily / WWF
Asian little girl and parent planting young tree on black soil together as save world concept.

Lassen Sie sich von einer Gärtnerei beraten, an welcher Stelle im Garten, in welchem Boden und mit wie viel Sonne die ausgewählten Obstbäume, Sträucher und Gemüsesorten am besten gedeihen. Wenn die Bedingungen optimal sind, entwickeln sie sich besonders stark und widerstandsfähig.

Einen zusätzlichen, natürlichen Schutz vor Schädlingen bekommen Ihre Pflanzen, wenn Sie an ihrem Standort die passenden Nachbarn haben.

Legen Sie Mischkulturen an

Unterschiedliche Arten können das gegenseitige Wachstum fördern, sich untereinander mit Nährstoffen versorgen, Bestäuber anlocken und sogar Schädlinge durch ihren Duft verschrecken. Nur ein paar Beispiele: Lauch vertreibt Möhrenfliegen, während Möhren Zwiebelfliegen in die Flucht schlagen. Buschbohnen und Bohnenkraut, gemeinsam angepflanzt, geben der schwarzen Bohnenlaus keine Chance. Kräuter wie Gurkenkraut, Basilikum oder Schnittlauch rund um die Erdbeeren gepflanzt fördern die Blüte und das Wachstum und schützen vor Pilzsporen; Lauch, Knoblauch und Zwiebeln als Nachbarn halten Schnecken von den süßen Früchten fern.

Keine Panik: Schädlinge und Ungeziefer ganz einfach loswerden

Beet im Garten © Ola Jennersten / WWF-Sweden
Garden full of sugar peas.

Was tun, wenn sich trotzdem Schnecken, Raupen oder Blattläuse über ihr Obst und Gemüse hermachen? Beim Kampf gegen sogenanntes Ungeziefer werden jedes Jahr hunderte Tonnen Pestizide in deutschen Gärten verspritzt, vergossen oder ausgelegt. Die Folge: Gifte gelangen ins Grundwasser oder in die Luft, setzen sich auf Kleidung und Lebensmittel. Manche dieser Umweltgifte sind wahre Biowaffen: Beispiele aus dem Tierreich legen nahe, dass schon geringste Mengen Krebs auslösen, die Fruchtbarkeit beeinflussen und zu Verhaltensstörungen führen können. Und sie vernichten nicht nur die unerwünschten „Schädlinge“, sondern haben auch negative Auswirkungen auf andere Lebewesen wie zum Beispiel Vögel.

Aber geht es auch anders, umweltfreundlicher und dabei nicht weniger effektiv! Vorbeugend gegen Blattläuse können Sie beispielsweise nach dem Grillen die kalte Asche über Ihr Beet streuen. Ein Sud aus Brennnesselblättern oder Ackerschachtelhalm hilft bei Pilzbefall und gegen Schadinsekten. Möchten Sie eine Ameisenstraße loswerden? Dann legen Sie Lavendelblüten darauf oder neben die Nester – das stört den Orientierungssinn der Tiere und sie werden über kurz oder lang umsiedeln. Netze, etwa über dem Kirschbaum oder dem Erdbeerbeet, versperren größeren tierischen Eindringlingen den Weg.

Unkraut bekämpfen ohne Chemie

Wo kein Platz ist und nur wenig Licht hinkommt, da wächst auch kein Unkraut. Diese einfache Erkenntnis kann man sich im Garten zunutze machen: Mulchen lautet das Zauberwort. Bedecken Sie die freie Erde zwischen Ihren Pflanzen im Gemüsebeet und unter Obststräuchern zum Beispiel mit Rasen- oder Heckenschnitt, Stroh oder dem Laub, das Sie im Herbst zusammen rechen. Wenn sich trotzdem unerwünschte Moose oder Gräser breit machen, sollte man zu „grobem“ Gerät wie einer Harke oder einem Vertikutierer greifen, um sie zu entfernen. Fans des Permakultur-Gärtnerns schwören übrigens darauf, die gejäteten Pflanzen kleingeschnitten direkt an Ort und Stelle als Mulch zu verwenden, denn, so die Annahme, der Boden braucht die Nährstoffe genau dieser Pflanze an dieser Stelle.

So sparen Sie Wasser und müssen seltener gießen

Trays stores stagnant water and breeding ground for mosquito
Aedes Mosquito

Mulchen schützt den Boden auch vor Verdunstung – Sie müssen Ihre Pflanzen viel seltener gießen! Gerade im Sommer spart das eine Menge Arbeit im Garten. Falls Sie es nicht längst getan haben, dann stellen Sie unbedingt eine Regentonne auf. Sauberes Wasser wird zunehmend zum kostbaren Gut, das zeigen nicht zuletzt die steigenden Kosten für Trinkwasser und Kanalnutzung. Fangen Sie das Regenwasser daher auf, statt es ungenutzt in die Kanalisation laufen zu lassen.

Zusätzlich können Sie offenporige Tongefäße mit der Öffnung nach oben auf Höhe der Erdschicht in Ihre Beete eingraben. Dort sammelt sich ebenfalls Regenwasser, das dann durch die Tonschicht langsam an die Erde und Ihre Pflanzen abgegeben wird. Den Rasen sollte man ausschließlich bei extremer Trockenheit sprengen. Um die Verdunstung möglichst gering zu halten, sollten Sie Ihren Garten grundsätzlich nur morgens oder abends bewässern.

Natürlich düngen: am besten mit Kompost und torffreier Erde

Prächtige Pflanzen und eine üppige Ernte wünscht sich wohl jeder Gartenfreund. Und manchmal ist die Versuchung groß, einfach ein Düngemittel aus dem Fachhandel zu verwenden, das besseres Wachstum und höhere Erträge verspricht.

Dabei gibt es genauso wirksame, natürliche Alternativen, die frei von Chemie und obendrein kostenlos sind. Vom Mulchen haben wir oben bereits gesprochen: Verwenden Sie einfach Zweige, Gras und Laub, die bei der Gartenarbeit anfallen, um dem Boden Nährstoffe zuzuführen. Schaffen Sie sich außerdem einen Komposthaufen an und sammeln Sie Ihre organischen Küchenabfälle. Im Schnellkomposter oder Thermokomposter reift der Kompost bereits in 6-12 Wochen heran – ganz ohne Geruchsbelastung. Ideal gerade auch für kleine Gärten!

Ergänzend sind Hornspäne ein wirkungsvoller Langzeitdünger. Wer zusätzliche Pflanzenerde ausbringen möchte, sollte beim Kauf ausschließlich torffreie Produkte wählen, denn der Jahrhunderte lange Torfabbau hat den Hochmooren in Europa schwer zugesetzt. In Deutschland gelten nur noch rund fünf Prozent der einstigen Hochmoorflächen als natürlich oder naturnah. Torffreie Blumenerde ist in den meisten Märkten erhältlich und besteht aus Holzfasern, Rindenhumus, Kompost, Tonmineralien und Lavagranulaten, die Wasser und Nährstoffe optimal speichern.

Vielfalt im Garten schafft Lebensräume für Tiere und schützt Ihre Pflanzen

Wildbiene auf Kamille © Frank Gottwald
Wildbiene auf Kamille © Frank Gottwald

Je bunter und vielfältiger Ihr Garten ist, desto mehr befindet sich sein Ökosystem im Gleichgewicht, und desto größer ist auch sein Eigenschutz vor Schädlingen.

Gibt es Bereiche in Ihrem Garten, die Sie nicht als Spiel- oder Liegewiese brauchen? Dann sparen Sie sich dort das Rasenmähen und lassen sie Gräser und Kräuter zum Blühen kommen. Wenn Sie die Wiese sogar bis zum Frühsommer des nächsten Jahres stehen lassen, können Wildbienen in den alten Stängeln überwintern. Säen Sie Wildblumen aus – sie sind nicht nur ein Hingucker für jeden Garten, sondern bieten Bienen, Schmetterlingen und anderen Insekten Nahrung. Samen sogenannter Bienenweiden erhalten Sie inzwischen auch als Fertigmischung.

Lassen Sie kleine Haufen alter Äste liegen oder bauen Sie eine Benjeshecke daraus. Auch kleine Steinhaufen oder Trockenmäuerchen tragen zur Vielfalt im Garten bei und bieten Igeln, Eidechsen und nützlichen Insekten Lebensraum. Die tierische Vielfalt in Ihrem Garten sorgt wiederum dafür, dass sich unerwünschte Kleintiere und Schädlinge nicht übermäßig vermehren. Und Ihre grüne Oase entwickelt sich, derart naturnah angelegt, in ein echtes Biotop.

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